Keine Entspannung an den Börsen absehbar

Hypothekenkrise trifft weitere deutsche Banken

13. August 2007 Die Hiobsbotschaften für deutsche Banken wegen der amerikanischen Kreditmarktkrise reißen nicht ab. Die Pleite einer weiteren Hypothekenbank in den Vereinigten Staaten sandte neue Schockwellen in die verunsicherte Branche. Zu den Kreditgebern der Homebanc, die Ende der Woche Schutz vor ihren Gläubigern gesucht hat, gehören auch Deutsche Bank und Commerzbank.

Dass die Homebanc Schuldnerin der beiden Banken ist, geht aus Unterlagen der amerikanischen Finanzaufsicht SEC hervor, die auf der Webseite der Homebanc zu finden sind. Die französische Großbank BNP Paribas ist demnach ebenfalls Gläubigerin der Homebanc.

4,9 Milliarden Dollar Schulden

Die Homebanc Corp hat Schulden bei der Deutschen Bank

Die Homebanc Corp hat Schulden bei der Deutschen Bank

Die amerikanische Bank hatte Ende der Woche Gläubigerschutz in den Vereinigten Staaten beantragt. Auch eine Tochter der belgisch-niederländischen Bank Fortis taucht in der Liste der Gläubiger des amerikanischen Geldverleihers auf.

Die Homebanc hatte in einer Mitteilung an das Insolvenzgericht in Wilmington ihr Vermögen auf 5,1 Milliarden Dollar und die Schulden auf 4,9 Milliarden beziffert. Schätzungen, wieviel Geld das Institut seinen Gläubigern schuldet, die Homebanc Kredite ohne Besicherung gewährt hatten, legte der Hypothekenfinanzierer nicht vor. Zu diesen Gläubigern zählt die amerikanische Investmentbank JP Morgan. Größter Aktionär von Homebanc ist die FMR Corp, die Mutterfirma der Fondsgesellschaft Fidelity. FMR halte ein Sechstel der Homebanc-Aktien, erklärte die Hypothekenfirma.

Krise auf dem Hypothekenmarkt noch nicht vorbei

Der von der Krise auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt ausgelöste Sturm an den internationalen Kapitalmärkten ist unterdessen längst nicht vorbei: Die Aufsichtsbehörde, die für die beiden größten amerikanischen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zuständig ist, lehnt eine Ausweitung des Hypothekenvolumens ab, das die beiden Finanzierer - die im öffentlichen Auftrag agieren - halten dürfen. Damit wurde die Hoffnung der Wall Street auf eine Lockerung der angespannten Lage auf dem Hypothekenmarkt enttäuscht. Eine von den Finanzierern erbetene Erhöhung des Anlagevolumens hätte dem Hypothekenmarkt Liquidität zugeführt.

Fannie Mae und Freddie Mac geben keine Darlehen an Endverbraucher, sondern übernehmen Kredite von Hypothekenbanken, die sich auf diese Weise refinanzieren. Einen Teil der Darlehen halten Fannie Mae und Freddie Mac selbst, den Rest bündeln sie als Anleihen und reichen sie an Investoren weiter. Fannie Mae und Freddie Mac waren in den vergangenen Jahren in einen Bilanzskandal verwickelt und hatten deswegen einer Begrenzung ihres Kreditportfolios zugestimmt.

Die Nachfrage von Investoren nach Immobilienkrediten oder Wertpapieren, die mit diesen Krediten besichert sind, hatte nachgelassen, weil im Segment für minderwertige Hypotheken (subprime) die Kreditausfälle gestiegen waren. Die größte amerikanische Hypothekenbank Countrywide Financial hatte am Freitag wegen der „beispielslosen Zerrüttungen“ im Anleihemarkt vor nicht näher definierten negativen Auswirkungen auf das Geschäft gewarnt. Zahlreiche Hypothekenbanken die sich auf Subprime-Kunden spezialisiert hatten, haben schon Konkurs angemeldet.

Aufarbeitung der Verbriefungskrise in Deutschland

In Deutschland beginnt unterdessen die Aufarbeitung der Verbriefungskrise, die zu einer Schieflage der IKB geführt hat. Zwei weitere deutsche Banken, WestLB und Postbank, haben ihr Engagement auf dem amerikanischen Markt für bonitätsschwache Immobilienkredite beziffert. Bei der WestLB umfasst es samt aller Tochtergesellschaften nach Angaben des Unternehmens 1,25 Milliarden Euro. Davon entfielen 98 Prozent auf Titel, die mit der Bonitätsnote „A“ oder besser bewertet seien. Die guten bis sehr guten Ratings sind im Zusammenhang mit dem amerikanischen Hypothekenmarkt derzeit zwar kein Ausweis der Unbedenklichkeit. Auch Verbriefungen mit erstklassigen Bonitätsnoten sind nur mit hohen Abschlägen verkäuflich, wenn die Sicherheiten aus Subprime-Krediten bestehen.

Gleichwohl ist die von der WestLB genannte Summe gemessen an den jüngsten Spekulationen eine Entwarnung und nicht zu vergleichen mit den Summen, um die es bei der IKB geht. Die Düsseldorfer Mittelstandsbank muss nach ihrer Fehlspekulation auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt vom Großaktionär, der staatlichen KfW-Bankengruppe, und von anderen Banken gestützt werden.

Die Deutsche Postbank ist mit 600 Millionen Euro auf dem Markt für amerikanische Immobilienkredite engagiert, wie ein Sprecher des Unternehmens am Samstag bestätigte. In dieser Höhe habe sie Wertpapiere in die eigenen Bücher genommen. Bislang sei sie außerhalb ihrer Bilanz in zwei Untergesellschaften des von der IKB geführten Fonds Rhineland investiert gewesen, der die IKB ins Schlingern gebracht hatte.

Text: FAZ.NET / nks. / ruh. / F.A.Z. / Reuters
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

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