Landesbanken

Die staatlichen Zocker

Von Winand von Petersdorff

Den öffentlichen Geldhäusern fehlt das Gefühl für die Gefahr

Den öffentlichen Geldhäusern fehlt das Gefühl für die Gefahr

12. August 2007 Die Krise an den Kapitalmärkten trifft in Deutschland besonders die staatlichen Banken. Wenn die Nachrichten aus den Märkten stimmten, hatten gerade die Landesbanken zuletzt große Probleme, sich mit frischem Geld zu versorgen. Seit dem Zusammenbruch der IKB, an der die staatliche KfW-Bank zu knapp einem Drittel beteiligt ist, misstrauen die Märkte offenbar den öffentlichen Geldhäusern.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Frage, wie viele faule Immobilien-Risiken aus Amerika in den Büchern der heimischen Institute stecken. Es geht um grundsätzliche Zweifel: Könnte es sein, dass gerade die staatlichen Banken dazu neigen, außergewöhnliche Gefahren auf sich zu nehmen und besonders große Risiken einzugehen? Und könnte es sein, dass sie die Risiken schlechter beherrschen als ihre private Konkurrenz?

Die WestLB verzockte Geld und Ansehen

Hinweise dafür liefert der Landesbankensektor zur Genüge. Die WestLB, die sich jüngst in einem aufsehenerregenden Schritt vom Topmanagement getrennt hatte, verzockte viel Geld und dazu noch das bisschen Ansehen, das man sich erst mühevoll wieder erworben hatte. Denn der letzte große Flop liegt noch nicht lange zurück. Die WestLB hatte ein riskantes Kreditengagement bei einer britischen Fernsehleasinggesellschaft in den Sand gesetzt. Der Verlust belief sich, wie 2003 offengelegt wurde, auf eine halbe Milliarde Euro.

Der Berliner Bankenskandal um die Bankgesellschaft gibt ebenfalls ein beredtes Zeugnis für die Neigung öffentlicher Institute zu hochriskantem Engagement. Die Milliardenverluste trägt der Steuerzahler mit. Aktuell ist unter anderem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht beunruhigt über die Anlagepolitik der SachsenLB, die ausgerechnet eines der größten jener Investitionsvehikel verwaltet, die seit der IKB-Krise mit besonderer Skepsis betrachtet werden.

Neue Rahmenbedingungen, mangelnde Risikokultur

Wie ist das möglich, dass Staatsbanken, die ihre Daseinsberechtigung doch daraus ziehen, dass sie zur Sicherung der Versorgung mit Geld und Kredit und zur Stabilität der Finanzwelt beitragen, ständig für gefährliche Turbulenzen sorgen?

Die Krisen haben mit veränderten Rahmenbedingungen, mit mangelnder Risikokultur, mit Missmanagement und ein wenig auch mit Verzweiflung zu tun. Öffentliche Institute hatten lange einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der privaten Konkurrenz, weil die öffentliche Hand die Finanzen der Häuser absicherte. Das verbilligte einerseits die Möglichkeiten der Landesbanken, sich Geld zu beschaffen. Und es milderte offenbar die Notwendigkeit, die Risiken von Engagements besonders scharf zu analysieren. Denn im Notfall war immer noch der Staat da. Mängel im Risikomanagement zeigen sich heute noch. Und das ist gefährlich.

In der Not auf riskante Engagements gestürzt

Die Staatshaftung und damit ein echter Wettbewerbsvorteil gegen die private Konkurrenz verschwindet seit 2001 nach und nach. Trotzdem haben es die wenigsten Landesbanken verstanden, so schlagkräftig zu bleiben wie ihre Konkurrenz, die privaten Geschäftsbanken. In den klassischen Bankgeschäften ziehen Landesbanken oft den Kürzeren. Ein Wunder ist das nicht. Gerade Deutschland ist mit Finanzinstituten reichlich bestückt.

In ihrer Not, angesichts dieser Konkurrenzsituation Geld zu verdienen, haben sich Institute offenbar auf riskante Engagements gestürzt. Verstehen kann man die Bankmanager auch irgendwie. Was sollen sie denn sonst machen, um am Jahresende Geld übrig zu behalten? Kostensenkungsprogramme sind in Häusern mit Staatstradition immer besonders schwierig. Gegen betriebswirtschaftlich sinnvolle Zusammenlegungen sperren sich oft die Ministerpräsidenten, die um ihren Einfluss fürchten.

Eine Legitimationskrise des staatlichen Bankensektors

Die großen privaten Geschäftsbanken gehen zwar oft die gleichen riskanten Engagements ein wie die öffentlichen Häuser, doch ist die Risikostruktur bei den privaten Häusern besser ausbalanciert, und offenbar ist das Risikomanagement dort auch professioneller.

Deshalb haben wir es nicht nur mit einer globalen Finanzkrise zu tun, sondern mit einer Legitimationskrise des staatlichen Bankensektors. Der hat bisher Zusammenbrüche nur vermeiden können, weil die Bundesbank mit Liquidität geholfen hat und die gesamte Branche einschließlich der privaten Geschäftsbanken der Stützung der IKB zustimmte. So vermeiden die Institute, in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Aber verhindert wird auch, dass die schlechten Institute die gerechte Strafe für Zockereien bekommen. Das könnte sich später noch einmal rächen.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.08.2007, Nr. 32 / Seite 12
Bildmaterial: dpa

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