Logistik

Pin-Gruppe kündigt Arbeitsplatzabbau an

In Schieflage: Briefdienstleister Pin

In Schieflage: Briefdienstleister Pin

26. Februar 2008 Der angeschlagene Briefdienstleister Pin hat einen deutlichen Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt. In den kommenden Wochen würden bei den meisten der insolventen Tochtergesellschaften „in größerem Ausmaß Arbeitsplätze abgebaut“ werden, teilte das Unternehmen mit bundesweit rund 9000 Beschäftigten am Dienstag in Köln mit.

Der Insolvenzverwalter der Pin-Holding, Bruno Kübler, sagte am Dienstag in Köln, es handele sich um „notwendige Schritte zur angestrebten Sanierung der gesamten Gruppe und damit zum Erhalt zahlreicher Arbeitsplätze, die sonst nicht zu retten wären“. Wie viele der 9.000 Arbeitsplätze betroffen sind, bezifferte das Unternehmen trotz Nachfrage nicht.

37 von 91 Pin-Gesellschaften haben Insolvenz angemeldet. Weitere Insolvenzen seien nicht auszuschließen. Dennoch sei das Unternehmen weiter funktionsfähig und werde es auch bleiben. Die Post der Pin-Kunden werde auch in Zukunft bundesweit zugestellt.

Zugleich wies das Unternehmen Berichte über eine Zerschlagung zurück. Es werde weiterhin mit Investoren über eine „große Lösung“ für die ganze oder einen möglichst großen Teil der Pin-Gruppe verhandelt. „Von einer bevorstehenden Zerschlagung der Pin-Gruppe kann keine Rede sein“, sagte Kübler. „Es gibt weiterhin ernsthafte Interessenten“, fügte er hinzu. Wann die Verhandlungen zu einem Abschluss gebracht werden, sei derzeit noch nicht abzusehen. Gleichzeitig würden aber auch regionale Lösungen, die eine Perspektive für einzelne Pin-Standorte bieten, nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Auch hier gebe es „zahlreiche Interessenten“.

Schieflage durch den Mindestlohn

In Schieflage geraten ist das Unternehmen nach der Einführung des Mindestlohnes in der Postbranche. Das Verlagshaus Axel Springer - mit knapp zwei Dritteln Mehrheitseigner an Pin - hatte nach der Entscheidung des Bundestags zur Einführung eines Mindestlohns für die Postbranche Ende vergangenen Jahres angekündigt, dem Unternehmen keine Mittel mehr zur Verfügung zu stellen. Daraufhin meldeten am 21. Dezember vergangenen Jahres die ersten Pin-Gesellschaften Insolvenz an.

Kübler betonte, das Auslaufen des Insolvenzgeldes bei einigen der 37 insolventen Tochtergesellschaften und die damit verbundene Insolvenzeröffnung bedeute keinesfalls, dass die „große Lösung“ damit ausgeschlossen sei. Auch die in der Insolvenz befindlichen Gesellschaften könnten im Falle des Verkaufs der Gruppe wieder ins bundesweite Pin-Netzwerk eingegliedert werden. „Dann könnten unter Umständen die frei gestellten Mitglieder wieder Beschäftigung finden“, sagte Kübler.

Aus der Branche ist zu hören, dass manche Pin-Gesellschaften die Kooperation mit Verlagshäusern anstrebten. Denn für deren Zusteller gilt der Mindestlohn für Briefträger nicht, so dass dies Einsparungen verspricht.

Für einen Investor attraktiv sind in erster Linie die Regionalgesellschaften in Berlin und anderen Ballungsräumen, die trotz Mindestlohns rentabel arbeiten. Ein großes Hindernis im Wettbewerb mit der Deutschen Post ist deren exklusive Mehrwertsteuerbefreiung. Die Postkonkurrenz hofft, dass die Steueraffäre von Exvorstandschef Klaus Zumwinkel die Politik zum Umdenken bewegt. Nach Angaben von Florian Gerster, Präsident des Arbeitgeberverbandes der Postkonkurrenten, entgehen dem Finanzminister durch das Steuerprivileg 500 Millionen Euro im Jahr. Gerster forderte die Regierung auf, sich endlich aus der „lobbyistischen Umklammerung“ der Post zu lösen: „Als marktbeherrschender Anbieter sollte die börsennotierte Post AG auch ohne politische Schützenhilfe wettbewerbsfähig sein.“

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp

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