Hubertus von Grünberg

Conti-Chefkontrolleur unterstützt Schaeffler

Von Carsten Knop und Henning Peitsmeier

17. Juli 2008 ]Im Kampf um die Übernahme des Autozulieferers Continental durch das fränkische Familienunternehmen Schaeffler gerät der Conti-Aufsichtsratsvorsitzende Hubertus von Grünberg immer schärfer in die Kritik. Grünberg soll sich in der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am Dienstagabend für die Übernahme durch Schaeffler ausgesprochen haben, ist von der Arbeitnehmerseite zu hören.

Tatsächlich ist auffällig, dass in der Conti-Pressemitteilung zur Ablehnung des Übernahmeangebots von Schaeffler bis auf eine allgemeine juristische Klausel am Ende des Textes ausschließlich davon die Rede ist, der Vorstand werde alles dafür tun, die Interessen aller Aktionäre zu vertreten. In diesen Passagen wird der Aufsichtsrat nicht erwähnt. Der Grund sei, dass sich das Gremium mit Grünberg an der Spitze nicht einig sei, ist zu hören. Deshalb gebe es massiven Streit zwischen dem Conti-Vorstandsvorsitzenden Manfred Wennemer und seinem Finanzchef Alain Hippe auf der einen sowie Grünberg auf der anderen Seite.

Alte Verbindungen

Grünberg als Kopf hinter den Schaeffler-Plänen - das klingt nach einer Verschwörungstheorie, die vor allem deshalb aufkommt, weil Grünberg, bis zum Jahr 2006 als Beirat auch den Schaefflers zur Seite stand. Dazu kommt Grünbergs guter Kontakt zu Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger; beide arbeiteten zusammen bei dem amerikanischen Autozulieferer ITT. Und Geißinger folgte Grünberg seinerzeit auf den Chefsessel des Autozulieferers Teves, der dann von Conti übernommen wurde. Der 65 Jahre alte Chefkontrolleur Grünberg gehört zu den einflussreichsten und härtesten Managern in der Republik. Eigentlich müsste Grünberg über die Verteidigung des Vorstands um Manfred Wennemer wachen.

Das dürfte die Abwehrstrategie von Conti erheblich erschweren. Am Tag nach der Ablehnung des Übernahmeangebots von Schaeffler arbeitet Conti mit Hochdruck an der Verteidigung. „Wir haben diverse Optionen, prüfen diese sorgfältig, handeln zügig, aber nicht übereilt“, sagte ein Unternehmenssprecher. Welche Abwehrinstrumente gemeint sind, ob ein Weißer Ritter ins Spiel kommt, der ein Angebot für Conti abgibt, oder etwa eine Kapitalerhöhung vorbereitet wird, die den Anteil von Schaeffler verwässern würde, zu all dem schweigt der hannoversche Autozulieferer freilich. Aus taktischen Gründen, wie es heißt. Und auch das Familienunternehmen Schaeffler lässt offiziell nichts verlautbaren.

Conti Tech AG soll abgespalten werden

Angeblich arbeitet Schaeffler entgegen anderslautender Beteuerung von Geschäftsführer Geißinger an der Zerschlagung von Conti: Danach soll nicht nur das Reifengeschäft, sondern auch die Conti Tech AG abgespalten werden. Wie in Finanzkreisen zuhören ist, wurde der Spezialist für Kautschuk- und Kunststofftechnologie dem Finanzinvestor Carlyle angeboten. Mit beiden Veräußerungen will Schaeffler, an deren Seite auch der Finanzinvestor Apollo stehen soll, die Conti-Übernahme refinanzieren. In dem Umfeld zahlreicher Gerüchte gehörte die Conti-Aktie am Donnerstag zu den wenigen Verlierern im Dax. Der Titel notierte im Verlauf um fast 2 Prozent niedriger und lag mit gut 72 Euro nur knapp über dem Mindestangebot von Schaeffler von 69,37 Euro.

Was dieser Kursverlauf bedeutet? Sowohl Schaeffler als auch Continental bemühten sich um die Deutungshoheit: Conti-Chef Wennemer sei es nicht gelungen, den Markt von der Ablehnung des Schaeffler-Angebots zu überzeugen, hieß es auf der einen Seite; nach den starken Kursgewinnen der beiden vergangenen Handelstage sei eine Kurskorrektur am Tag danach ganz normal, auf der anderen Seite.

Politiker fordern Gesetzesverschärfung

Die Finanzaufsicht hat die Prüfung der Übernahme des Autozulieferers Continental durch den fränkischen Familienkonzern Schaeffler bislang nicht abgeschlossen. „Wir sind noch dabei, das Verfahren dauert an“, sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Möglicherweise dauere der Prozess noch Wochen. Das Übernahmeangebot laufe währenddessen normal weiter. Die im Abwehrkampf gegen Schaeffler von Conti zur Hilfe gerufene Finanzaufsicht kann eine Übernahme des hannoverschen Konzerns damit weder aufschieben noch verhindern. Selbst wenn Schaeffler die Meldepflichten verletzt hätte, als sie sich Zugriff auf 28 Prozent der Conti-Aktien gesichert hatte, drohe maximal ein Bußgeld von 200.000 Euro.

Der Übernahmeversuch von Schaeffler könnte aber eine Gesetzesverschärfung zur Folge haben. Maßgebliche Finanzpolitiker von Union und SPD sagten am Donnerstag, sollte Schaeffler eine legale Gesetzeslücke ausgenutzt haben, um sich unbemerkt den Zugriff auf 36 Prozent der Conti-Aktien zu sichern, werde diese schleunigst geschlossen werden. Dies könne bereits mit dem Jahressteuergesetz 2009 geschehen, das im Januar in Kraft tritt.

Unterdessen haben sich die IG-Metall-Bezirke Bayern und Niedersachsen nach zunächst widersprüchlichen Einschätzungen auf eine gemeinsame Haltung geeinigt. Eine technologische und strategische Zusammenarbeit zwischen Schaeffler und Conti könne grundsätzlich sinnvoll sein, hieß es am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung. Schaeffler müsse aber bereit sein, zu einem mitbestimmten Unternehmen zu werden.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 6.325,60 +3,23
TecDax 788,63 +3,60
DowJones 11.220,96 +0,29
Nasdaq 2.255,88 -0,14
STOXX 50 3.311,86 +3,96
Nikkei 225 12.624,46 +3,38
S&P 500 Zert. 12,28 -3,08
Euro/Dollar 1,42 -1,03
Bund Future 114,76 -0,45
Gold 805,90 +0,39
Öl 104,17 -3,09
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