10. Dezember 2004 Der vom Automobilhersteller Opel bekannt gegebene Abbau von knapp 10.000 Stellen ist nur der erste Schritt des geplanten zwei Jahre langen Restrukturierungs- und Kostensenkungsprogrammes. Die Muttergesellschaft General Motors (GM) visiert nach Informationen dieser Zeitung in ihrem verlustreichen Europa-Geschäft Einsparungen im Einkauf und in der internen Organisation wie Verwaltung, Forschung und Entwicklung von rund 300 bis 400 Millionen Euro an.
GM nimmt jetzt die variablen Kosten unter die Lupe, nachdem auf der Fixkosten-Seite mit dem Personalabbau ein wichtiger Schritt vollzogen worden ist. In ähnlicher Weise ist Konkurrent Ford in den vergangenen Jahren vorgegangen. Schon zu einem früheren Zeitpunkt hatte Carl-Peter Forster, früher Opel-Vorstandsvorsitzender und heute Präsident von General Motors Europe betont, daß jährlich mindestens 3 Prozent der Einkaufskosten eingespart werden müßten. Die Einspareffekte könnten allerdings voraussichtlich erst von 2006 an zu beobachten sein. Denn dazu müssen die meist über mehrere Jahre geltenden Verträge mit den Zulieferern neu verhandelt werden.
Lohnkosten sollen sinken
Ebenso versucht GM die Lohnkosten zu drücken, wodurch nach Schätzungen aus Unternehmenskreisen in den nächsten Jahren 150 Millionen Euro eingespart werden sollen. So könnte das von GM angestrebte Sparvolumen knapp 1 Milliarde Euro erreichen. Offiziell nahm das Unternehmen dazu keine Stellung. In Europa wird GM 2004 etwa einen Verlust von 500 Millionen Dollar machen.
Der Opel-Vorstand und der Gesamtbetriebsrat hatten sich am Mittwoch auf den Abbau fast jeden dritten Arbeitsplatzes an den Standorten Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern geeinigt, allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen. Die Kuh sei vom Eis, hieß es in Unternehmenskreisen. Der Kernpunkt des gesamten Sanierungsprogramms sei damit abgearbeitet. Mit der getroffenen Teillösung sollen in Rüsselsheim insgesamt 5500, in Bochum 3600 und in Kaiserslautern 400 Arbeitsplätze gestrichen werden. Auch die Zahl der Führungskräfte wird um 15 Prozent verringert. Das bereits zu günstigeren Kosten arbeitende thüringische Werk Eisenach ist von den Maßnahmen nicht betroffen. Allein mit dem Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen in Europa will der Konzern bis 2006 jährlich mindestens 500 Millionen Euro einsparen.
Bestandsgarantie gegen Leistungsabbau?
In ihrem zweiten Teil konzentrieren sich die Verhandlungen bei Opel, die sich noch bis in das erste Quartal 2005 hinziehen werden, auf die Zukunftssicherung der deutschen Werke. Die Betriebsräte fordern für sie bis 2010 eine Bestandsgarantie. Opel verlangt indes den Abbau übertariflicher Leistungen, die 15 bis 20 Prozent ausmachen, sowie flexiblere beziehungsweise längere Arbeitszeiten. Hier soll, wie zu hören ist, der Gesamtbetriebsrat bereits Zugeständnisse signalisiert haben. Von den Zugeständnissen macht GM abhängig, in welchen Werken künftig Modelle produziert werden sollen. GM will in Europa in den nächsten Jahren 45 neue Modelle fertigen. Dabei stehen die Standorte in Deutschland, Schweden, Belgien, Spanien, Großbritannien und Polen in einem harten Wettbewerb. Abhängig von den Kostensenkungen entscheidet GM erst im Februar oder März, ob die Produktion der Mittelklasse-Wagen Opel Vectra und Saab 9-3 in Rüsselsheim oder im schwedischen Saab-Werk Trollhättan von 2008 an gebündelt wird. Ein Zuschlag für Rüsselsheim, so Unternehmenskreise, könnte Vorbildcharakter für die anderen deutschen Standorte haben. Die Lohnkostensenkungen hängen vom Ausgang der Verhandlungen ab. So könnte diese erst greifen, wenn die neue Mittelklasse in drei Jahren aufgelegt wird.
Text: kön., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.12.2004, Nr. 290 / Seite 11
Bildmaterial: dpa
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