02. Mai 2008 Vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung der TUI AG am 7. Mai hat sich ein weiterer bedeutender Investor in das Opponentenlager geschlagen. Der große britische Pensionsfonds Hermes, der den Kurs des hannoverschen Reise- und Schifffahrtskonzerns seit Jahren überaus kritisch verfolgt, fordert die Ablösung des TUI-Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Krumnow.
Wir werden für die Abwahl Krumnows stimmen, sofern es nicht kurzfristig noch zu einer Kompromisslösung kommt, sagte Hermes-Direktor Hans-Christoph Hirt im Gespräch mit der F.A.Z. Hermes will sich also dem Abwahlantrag des Norwegers John Fredriksen anschließen, der mit knapp 12 Prozent an TUI beteiligt ist und sich selbst von den Aktionären in den Aufsichtsrat wählen lassen will. Wir unterstützen die Wahl Fredriksens, sagte Hirt, der den Norweger freilich nicht als Chefaufseher haben möchte.
Hirt plädierte dafür, einen neutralen Kandidaten an die Aufsichtsratsspitze zu wählen, also einen, der die Interessen aller Aktionäre im Auge hat und nicht nur die eines einzelnen Großaktionärs. Zu den unabhängigen Mitgliedern im Aufsichtsrat zählt der frühere Bayer-Chef Manfred Schneider. Der Aufsichtsrat muss künftig besser kontrollieren und effektiver arbeiten, sagte Hirt mit Blick auf die wenig wertsteigernde Strategie und den Zickzackkurs des Vorstands in der Vergangenheit.
Frenzels Gefolgsmann in der Schusslinie
Krumnow, einst Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, gilt als weithin unkritischer Gefolgsmann des TUI-Vorstandsvorsitzenden Michael Frenzel. Hirt ist nach eigener Aussage schon seit zwei Jahren in intensivem Dialog mit dem TUI-Vorstand über Themen wie Corporate Governance und die Besetzung des Aufsichtsrats. Doch der Aufforderung, das Kontrollgremium zu erneuern und zu verstärken, sei TUI bis heute nicht gefolgt.
Mit der Abwahl Krumnows wolle Hermes sicherstellen, dass der angekündigte Verkauf der Tochtergesellschaft Hapag-Lloyd professionell gehandhabt werde. Bei der Verwendung des Verkaufserlöses müssen die Interessen aller TUI-Aktionäre berücksichtigt werden und nicht nur die Interessen der TUI-Geschäftspartner im Reise- und Schifffahrtsgeschäft, sagte Hirt.
Angelsächsische Finanzinvestoren schließen sich zusammen
Neben Hermes, die mit 0,6 Prozent an TUI beteiligt sei, wollten viele Finanzinvestoren aus Amerika, Großbritannien und Australien gegen Krumnow stimmen, weil sie dem entsprechenden Votum der mächtigen Aktionärsberaterfirma ISS folgten, glaubt Hirt. Auf die Frage, ob die Phalanx der Gegner groß genug ist, um sich in der Hauptversammlung durchzusetzen, sagte er: Es könnte eng werden für Krumnow.
Frenzel wehrt sich gegen die Abwahl seines Aufsichtsratsvorsitzenden. Hinter ihm und Krumnow steht eine Gruppe befreundeter Aktionäre, darunter der russische Stahlmilliardär Andrej Mordaschow und die spanische Riu-Familie. Beide sind geschäftlich eng mit TUI verbunden. Insgesamt dürften die Freunde Frenzels rund 30 Prozent des Kapitals auf sich vereinen. Fredriksen glaubt ähnlich viele Stimmen hinter sich zu haben.
Belegschaft verunsichert
Unterdessen haben die Arbeitnehmervertreter im TUI-Aufsichtsrat bei einem Verkauf von Hapag-Lloyd oberste Priorität für den Erhalt von Arbeitsplätzen, Standorten und Entwicklungschancen der Schifffahrtssparte gefordert. "Ein Verkauf, der nur nach dem Best-Price-Prinzip erfolgt, wird von uns abgelehnt", teilten die Arbeitnehmervertreter des Gremiums mit. "Es geht für die Hapag-Lloyd AG um einen geordneten Verkaufsprozess mit der Sicherstellung der Existenz des Unternehmens, der Führung und der Entwicklungsmöglichkeiten dieser großen Reederei am Standort Hamburg." Bei der Verwendung des Verkaufserlöses müssten Schuldenabbau und Investitionen in die Touristik absoluten Vorrang haben.
Der auf Druck Fredriksens geplante Verkauf sorge in der Belegschaft für große Verunsicherung und beeinträchtige die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns, heißt es in dem Schreiben weiter. Dennoch sei die Arbeitnehmerbank bereit, sich nicht gegen das Vorhaben zu stemmen, insofern die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt werden. "Einer wie auch immer gearteten einseitigen oder gar egoistisch orientierten Lösung werden wir uns kraft- und phantasievoll entgegenstellen."
Text: F.A.Z., rit.
Bildmaterial: REUTERS
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