Oberstaatsanwalt Apostel

Déjà vu in Sachen Telekom

Der Ermittler: Oberstaatsanwalt Apostel

Der Ermittler: Oberstaatsanwalt Apostel

30. Mai 2008 Friedrich Apostel und die Deutsche Telekom AG könnte man als alte Bekannte bezeichnen, wenn dies für die Beziehung zwischen Staatsanwalt und Ermittlungsobjekt nicht irgendwie unschicklich wäre. Jedenfalls dürfte der 59 Jahre alte Oberstaatsanwalt keine großen Probleme gehabt haben, sich in der Bonner Zentrale des Telekomkonzerns zurecht zu finden, als rund 70 Staatsanwälte und Kriminalpolizisten am Donnerstag mehrere Stunden lang das Gebäude nach Hinweisen in der spektakulären Spitzelaffäre durchsuchten. Am gleichen Tag wurden auch die Telekom-Tochtergesellschaft T-Mobile besucht sowie diverse Privaträume von Verdächtigen. Insgesamt waren an diesem Tag mehr als 130 Beamte unterwegs.

Die Untersuchungen könnten für Apostel zum Déjà-vu-Erlebnis werden, allerdings dürften die pikanten Vorwürfe zur Überwachung von eigenen Mitarbeitern und unliebsamen Journalisten das bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Schon vor Jahren war der Strafverfolger an Untersuchungen in Sachen Telekom beteiligt. Damals ermittelte die Staatsanwaltschaft unter der Federführung seines Kollegen Theodor Bosche gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer und andere frühere Vorstandsmitglieder wegen des Vorwurfs der Falschbilanzierung im Zusammenhang mit dem Börsengang der Telekom. Das Ermittlungsmaterial aus unendlichen Zahlenkolonnen und komplizierten Immobilienbewertungen dürfte damals jedoch ungleich zäher gewesen sein. Für Sommer ging die Untersuchung glimpflich aus: Er wurde entlastet. Das Verfahren gegen andere Verdächtige wie den früheren Finanzvorstand Joachim Kröske wurde dagegen 2005 nach fast fünf Jahre dauernden Ermittlungen gegen die Zahlung einer Geldauflage von 5 Millionen Euro eingestellt. Die Vorwürfe beschäftigen die Justiz allerdings noch immer: Vor dem Oberlandesgericht Frankfurt ist derzeit ein zivilrechtliches Mammutverfahren anhängig. Mehr als 16 000 enttäusche Telekom-Anleger klagen auf Schadensersatz für ihr schlechtes Investment.

Beredter Medienprofi

Vergangene Woche hat die Staatsanwaltschaft Bonn nun eine neue Telekom-Akte angelegt. Seitdem steht auch Friedrich Apostel wieder im Scheinwerferlicht der Kameras. Er ist Behördensprecher und deshalb erster Ansprechpartner für die zahlreichen Journalistenfragen. Als Leiter der Abteilung IVc der Bonner Behörde – zuständig für Korruption, Steuerdelikte, Internet und Datenschutz – ist er jedoch auch schon qua Aufgabenverteilung mitten drin im Telekom-Geschehen.

Im Zentrum des öffentlichen Interesses zu stehen, dürfte dem durchaus beredten Medienprofi bestens bekannt sein – auch wenn ihm Fragen nach seinem eigenen persönlichen Hintergrund zuwider sind. Schon seit mehr als zehn Jahren ist er neben seiner sonstigen Ermittlungstätigkeit für die Presseanfragen zuständig. Außerdem hat er mit seinen Mitarbeitern bereits einige prominente Verfahren beackert: Seine Abteilung war für die Doping-Untersuchungen gegen den Radsportprofi Jan Ullrich zuständig. Auch die Unregelmäßigkeiten in der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht riefen Apostel auf den Plan. Die Strafverfolger erhoben Anklage gegen einen leitenden Mitarbeiter, der über Jahre hinweg Gelder veruntreut hatte und dafür im vergangen Jahr vom Landgericht Bonn verurteilt wurde. Als Behördensprecher ist dabei Apostels Arbeitsalltag so vielseitig wie die Fälle der Staatsanwaltschaft selbst: So musste er die geschockte Öffentlichkeit auch über die Ermittlungen in dem grausamen Misshandlungsfall in der Justizvollzugsanstalt Siegburg unterrichten, in der ein Häftling von drei Mitinsassen erst gefoltert und dann ermordet wurde.

Dabei war schon der Beginn seiner Karriere in der Bonner Behörde spektakulär: Von 1982 an ermittelte er jahrelang in der Parteispendenaffäre. Während sich die politische Abteilung in der Flick-Affäre um so prominente Verdächtige wie den ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff kümmerte, arbeitete er als junger Staatsanwalt an der steuerlichen Seite des Skandals. Das Verfahren sprengte damals alle Dimensionen: Vier Jahre lang jagte eine Hausdurchsuchung die nächste. Auch der Kreis der Verdächtigen nahm ungewöhnlich große Ausmaße an: „Der Karteikasten steht heute im Haus der Geschichte“, sagt Apostel und kann sich ein leises Lachen an den Gedanken daran nicht verkneifen: „Es ist ein großer Karteikasten.“ Ob das neue Telekom-Verfahren einmal ebenfalls einen Platz im Museum bekommen wird, muss sich erst noch zeigen. Die Strafverfolger haben sich gerade erst auf den Weg gemacht. Corinna Budras

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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