14. Oktober 2007 Die Computerfirma SAP hat am vergangenen Montag den größten Zukauf in ihrer 35-jährigen Geschichte angekündigt: Für 4,8 Milliarden Euro wollen die Walldorfer das Softwareunternehmen Business Objects übernehmen. Bei Analysten und Anlegern kam der Plan gar nicht gut an. Sie bemängelten, dass SAP die Strategie wechsele, weil das Unternehmen bislang auf Wachstum aus eigener Kraft schwor. Der Kurs des Dax-Wertes brach zeitweise um bis zu sechs Prozent ein. Im Interview mit FAZ.NET spricht SAP-Chef Henning Kagermann über Glaubwürdigkeit bei Anlegern, seinen Ärger mit Analysten und weitere Großakquisitionen.
Herr Kagermann, Ihre Aktionäre haben mit kräftigen Verkäufen auf die Ankündigung reagiert, die Softwarefirma Business Objects für 4,8 Milliarden Euro zu übernehmen. Bereuen Sie den Schritt schon?
Nein, überhaupt nicht.
Es heißt, SAP sei damit der jahrzehntelangen Strategie untreu geworden, nur aus eigener Kraft zu wachsen.
Der Kauf von Business Objects ist kein strategischer Schwenk um 180 Grad. Vielmehr bringt er uns noch schneller unseren Zielen nahe. Die Leute vergessen, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben. In vielen Bereichen, in denen die SAP heute Marktführer ist...
...also in der Software rund um die Organisation von Betrieben und im Mittelstand ...
...sind wir organisch gewachsen und deutlich schneller als der Markt. Man kann sich aber schon mal überlegen, in Randbereichen, in denen man zwar gut aufgestellt ist, aber nicht die Nummer eins, mit einem Schritt sofort Marktführer zu werden statt dies über mehrere Jahre anzustreben. Und das haben wir im Fall von Business Objects getan. In anderen Bereichen würden wir das nicht tun. In unserem etablierten Geschäft zum Beispiel macht eine solche Großakquisition keinen Sinn.
Noch im Juli sagten Sie über Ihren schärfsten Konkurrenten: Wir gewinnen seit Jahren Marktanteile, Oracle dagegen kauft sich seine Marktanteile zusammen. Und: Wir wachsen aus eigener Kraft. Hatten Sie damals den Kauf schon im Kopf, wie lange laufen die Überlegungen?
Ich will ungern über Zeiten spekulieren. Aber wir haben die Transaktion nicht über Jahre diskutiert. Das sind Dinge, die, wenn der Zeitpunkt stimmt, recht zügig angegangen werden.
Ihr Erzfeind Oracle hat im Frühjahr Hyperion übernommen, eine Firma, die im gleichen Bereich wie Business Objects tätig ist. War das die Initialzündung?
Nein, dann hätten wir uns damals ja auch für Hyperion interessieren können und entsprechende Schritte unternommen. Es war mehr die Überlegung, dass wir in diesem Jahr zwei große Projekte erfolgreich abschließen. Wir haben die Geschäftsprozessplattform Netweaver erfolgreich in den Markt gebracht und innerhalb der letzten 18 Monate die Zahl der produktiven Systeme von 5800 auf 21500 erhöht. Und dann haben wir Business by Design, die Softwarelösung für Mittelständler, erfolgreich gestartet. Also kam jetzt die Übernahme von Business Objects zum richtigen Zeitpunkt - man muss sehen, dass man eine Organisation nicht überlastet. Der Kauf war vom Timing her eine gute Gelegenheit, die strategischen Ziele, die wir seit Jahren formuliert haben, noch schneller zu erreichen.
Was ist so toll an Business Objects?
Business Intelligence ist ein sehr attraktiver und schnell wachsender Markt. Hier geht es um Software, die umfangreiche Firmendaten intelligent aufbereiten kann, mit dem Ziel, wichtige Informationen schnell herauszufiltern, Entscheidungshilfen für gute Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen und natürlich auch Kosten zu senken. Business Intelligence haben wir schon immer als strategischen Bereich angesehen, in dem wir wachsen wollen. Business Objects ist hier Marktführer. Vom Angebot her ergänzen sich SAP und Business Objects sehr gut und wir passen auch kulturell gut zusammen. Wir beide glauben, dass das für die Aktionäre und insbesondere für die Kunden ein guter Schritt ist.
Hat die Ankündigung, die viele trotzdem als Strategieschwenk gesehen haben, nicht eher Ihrer Glaubwürdigkeit bei den Anlegern geschadet?
Vorsichtig. Ich habe stets nur ausgeschlossen, dass SAP eine Akquisitionsstrategie wie Oracle verfolgt, also im Kernmarkt Anteile dazukauft. Nie ausgeschlossen habe ich, das wir in Wachstumssegmenten außerhalb unseres etablierten Geschäfts Firmen akquirieren.
Den Preis von 4,8 Milliarden Euro für ihr aktuelles Objekt der Begierde halten viele für zu hoch.
Den Preis halten wir für angemessen. Was uns diese Firma bringt, ist sehr wertvoll: Marktführerschaft, komplementäres Know-How und ein großes Produktspektrum, das nicht an eine Technologieplattform gebunden ist.
Allerdings hat diese sehr wertvolle Firma am Tag der Ankündigung eine Gewinnwarnung herausgegeben - was Analysten und Anleger nicht gerade begeisterte. Wussten Sie davon?
Wenn Sie vertrauensvoll zusammenarbeiten wollen, ist einem das natürlich bekannt. Das sind aber doch taktische Themen, die mit der strategischen Entscheidung nichts zu tun haben. Außerdem war es nicht ganz verwunderlich. Schon vorher gab es Gerüchte im Markt - da kann ich mir gut vorstellen, dass Kunden vielleicht abwarten und das Geschäft in einem Quartal nicht ganz so gut aussieht. Aber mit der Gesamtbeurteilung des Unternehmens hat das nichts zu tun.
Aber Sie kaufen ein Unternehmen, das ein bisschen nach Niete aussieht...
Sie können doch die Qualität eines Unternehmens nicht über ein einziges Quartalsergebnis bewerten. Das gibt ja nur einen sehr, sehr kurzfristigen Eindruck wieder. Man darf sich durch kurzfristige Trends nicht beeinflussen lassen in strategischen Überlegungen.
Ein Analyst bemängelte, Sie kauften nur das, was übrig bleibt.
Diese Einschätzung entbehrt doch jeder Faktenlage. Sie brauchen nur auf die Marktstellung und das Ansehen von Business Objects zu schauen, da sieht man, dass das nicht stimmt. Aber solche Zitate haben natürlich den schlechten Eindruck mitbestimmt.
Sie wollen mittelfristig, bis 2010, 100.000 Kunden haben. Derzeit haben Sie rund 42.000 und Business Objects weitere 44000. Übererfüllen Sie jetzt ihre Planung?
Die Rechnung 42.000 plus 44.000 gleich 86.000 Kunden ist zu einfach. Unsere Kundschaft überschneidet sich. Per Saldo kommen meiner Schätzung nach 20000 bis 25000 neue Kunden dazu. Dennoch gehe ich davon aus, dass wir am Ende, wenn die Transaktion klappt, mit Blick auf die Kundenzahl etwas optimistischer sein können.
Jetzt haben Sie eine Großakquisition vorgegeben - kommen noch weitere?
Der Fokus bleibt nach wie vor auf organischem Wachstum mit kleineren Zukäufen. Wenn sich jedoch die Gelegenheit ergibt, außerhalb unseres etablierten Geschäfts zu wachsen, kann man Akquisitionen nicht ausschließen.
Umso mehr als sie Oracle weiter drängt: Die Firma ihres Konkurrenten Larry Ellison hat wenige Tage nach Ihnen wieder einen eigenen Milliardendeal angekündigt: den Kauf der Softwarefirma BEA Systems für 6,6 Milliarden Dollar ...
Unsere Geschäftsprozessplattform SAP Netweaver ist im Markt bereits erfolgreich etabliert. Wenn wir immer noch im Zustand von Oracle Fusion wären, hätten wir uns vielleicht auch für BEA interessieren müssen. Außerdem: Meldungen über Übernahmen gibt es immer wieder.
Interessiert Sie das gar nicht?
Wir schauen auch, was die Konkurrenz macht. Aber in erster Linie haben wir unsere eigene Strategie und ziehen die durch.
Das Gespräch führte Thiemo Heeg
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: F.A.Z., REUTERS
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| Nasdaq | 2.411,64 | +1,22 |
| STOXX 50 | 3.359,42 | +1,83 |
| Nikkei 225 | 12.768,25 | +0,12 |
| S&P 500 Zert. | 12,80 | +1,03 |
| Euro/Dollar | 1,47 | -0,33 |
| Bund Future | 114,28 | -0,07 |
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