Siemens enttäuscht die Börse

Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia schmälert Konzerngewinn

25. Juli 2007 him./Dow Jones. MÜNCHEN, 25. Juli. Ein Verlust des Gemeinschaftsunternehmens Nokia Siemens Networks (NSN) hat den Konzerngewinn von Siemens im vergangenen Quartal erheblich belastet. Zwar stieg das Ergebnis des operativen Geschäfts, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, um 22 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Doch blieb der Wert deutlich unter den Erwartungen der Analysten, die nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters im Durchschnitt mit 1,94 Milliarden Euro gerechnet hatten. Der Kurs der Siemens-Aktie fiel am Mittwoch um bis zu 7 Prozent und lag zum Schluss bei 99,70 Euro als größter Verlierer im Deutschen Aktienindex noch fast 6 Prozent im Minus.

Das am 1. April gestartete gemeinsame Telekommunikationsnetze-Unternehmen von Nokia und Siemens trug ein negatives Beteiligungsergebnis von 371 Millionen Euro zu den Konzernzahlen von Siemens bei. Finanzvorstand Joe Kaeser bezeichnete dies als beachtlichen negativen Effekt. Er zeige aber, dass NSN zügig die Restrukturierung angehe. Ende Juni hat das Unternehmen angekündigt, in Deutschland 2290 Stellen zu streichen. Über weitere Belastungen äußerte sich Kaeser nicht.

Auch Auftragseingang und Umsatz von Siemens lagen im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2006/07 (30. September) etwas unter den Erwartungen. Der Auftragseingang stieg im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 22,15 Milliarden Euro, der Umsatz um 8 Prozent auf 20,18 Milliarden Euro. Unter dem Strich erzielte der Konzern von April bis Juni einen Nettogewinn von 2,07 (Vorjahreszeitraum 1,34) Milliarden Euro.

Im zweiten Quartal hatten alle verbliebenen zehn Geschäftsparten ihre Margenziele erreicht oder übertroffen, und der zurückgetretene Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld hatte damit seine zwei Jahre zuvor gemachte Vorgabe erreicht. Im dritten Abschnitt fiel die Bahntechnik aus der Reihe, die mit einer Umsatzrendite - bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern - von 2,4 Prozent deutlich unter dem Zielkorridor von 5 bis 7 Prozent blieb. Kaeser zeigte sich darüber verärgert: "Der Bereich benötigt eine strengere Aufsicht." Offenbar auch für ihn überraschend ergaben sich nochmals Belastungen von 29 Millionen Euro für die Reparatur von Straßenbahnen des Typs Combino.

Die höchsten Margen erzielten im dritten Quartal die Automatisierungs- und Antriebstechnik (13,1 Prozent), die Kraftwerks- (10,1), die Medizintechnik (12,6) und Osram (10,3). Der neue Vorstandsvorsitzende Peter Löscher überließ in der Telefonkonferenz die Präsentation der Quartalszahlen weitgehend dem Finanzchef. Kaeser berichtete im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre von Siemens, der Aufsichtsrat habe sich entschlossen, dafür einen besonderen Ausschuss, den Compliance-Ausschuss, zu bilden. Mit Unsicherheiten über mögliche Strafzahlungen begründete Kaeser den Verzicht einer Gewinnprognose für den Konzern. "Wir prüfen, ob Kosten buchmäßig berücksichtigt werden müssen." Zudem teilte Siemens in einem separaten Bericht am Mittwoch mit, dass der Umfang fragwürdiger Zahlungen im Zusammenhang mit Beraterverträgen im Zuge der anhaltenden internen Ermittlungen deutlich gestiegen sei.

Text: F.A.Z., 26.07.2007, Nr. 171 / Seite 15

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