15. Mai 2008 Der amerikanische Mischkonzern General Electric Co. (GE) sucht nach einem Partner oder Käufer für seine Hausgeräte-Sparte. Dies berichten mehrere Medien unter Berufung auf informierte Personen aus dem Konzernumfeld. Damit läutet das Unternehmen nach über hundert Jahren den Abschied von dem Bereich ein, der es für amerikanische Familien zu einem Begriff machte.
GE habe die Investmentbank Goldman Sachs Group Inc. beauftragt, Alternativen wie eine Abspaltung oder einen Verkauf zu prüfen, sagten die Insider, die namentlich nicht genannt werden wollen, gegenüber dem Wall Street Journal und der Nachrichtenagentur Bloomberg. Laut dem Bericht des Wall Street Journals könnte der Preis für die Sparte bei bis zu 8 Milliarden Dollar (5,2 Milliarden Euro) liegen.
Engagement bei Konsumgütern soll zurückgefahren werden
GE-Vorstandschef Jeffrey Immelt hat sich zum Ziel gesetzt, das Engagement seines Unternehmens bei Konsumgütern zurückzufahren, um so von konjunkturellen Einflüssen wie etwa der aktuellen Schwäche der amerikanischen Wirtschaft unabhängiger zu werden. Er veräußert insbesondere Sparten, die nicht dazu beitragen, sein Ziel von zehn Prozent Gewinnwachstum jährlich zu erreichen.
Schon jetzt hat die in Louisville, Kentucky, beheimatete Haushaltsgeräte-Sparte GE Appliances im Konzern nur noch geringes Gewicht. Sie trug vergangenes Jahr rund 4,1 Prozent zum Gesamtumsatz von 172,7 Milliarden Dollar bei und beschäftigte 13.000 der 327.000 Mitarbeiter des Unternehmens. Dazu kommt, dass die Preise für viele Haushaltsgeräte kaum steigen. So kostete ein 300-Liter-Kühlschrank schon 1953 über 500 Dollar - und heute gibt es das 500-Liter-Modell von GE im Internet für 519 Dollar.
Analysten wünschen sich schnelleren Konzernumbau
Manchen Analysten geht der Umbau des Konzerns nicht schnell genug. Wir würden es positiv vermerken, wenn das Unternehmen den Verkauf langsam wachsender Bereiche offensiver angehen würde, sagte Robert Schenosky, Analyst bei Jefferies & Co. in New York. In der Tat enttäuschte Vorstandschef Immelt Investoren im zurückliegenden Quartal mit einem Gewinnrückgang, und als das Ergebnis bekannt wurde, brach der Aktienkurs 13 Prozent ein. Am Mittwoch ging der Titel in New York bei 32,51 Dollar 0,6 Prozent höher aus dem Handel.
Seit GE im Dezember 2002 die Strategie verkündete, sich aus konjunkturabhängigen Sektoren zurückzuziehen, hat Immelt Unternehmensteile im Wert von über 75 Milliarden Dollar veräußert. Im Dezember 2007 stellte er die Kreditkartensparte zum Verkauf und er will sich auch von der Verbraucherkredit-Tochter Lake in Japan trennen. Dafür kaufte er in rascher wachsenden Bereichen wie Wasseraufbereitung und Luftfahrt für 50 Milliarden Dollar zu.
Konsolidierung in Amerika würde sich fortsetzen
Durch einen Verkauf der Hausgeräte würde sich die Konsolidierung der Branche in den Vereinigten Staaten fortsetzten und ausländische Unternehmen erhielten die Chance, sich einen größeren Anteil am amerikanischen Markt zu sichern. Die größte Akquisition aus jüngerer Zeit war Bloomberg-Daten zufolge die Übernahme der Maytag Corp. durch Whirlpool Corp. im Jahr 2006, durch die der größte Haushaltsgeräte-Anbieter der Welt entstand.
Seinerzeit setzte sich Whirlpool unter anderem gegen die Haier Group durch, den größten chinesischen Hersteller. Zhang Xiaoga, Analyst bei Orient Securities Co. in Schanghai, geht davon aus, dass Haier auch an der GE-Sparte interessiert wäre: Sie streben seit Jahren nach einem größeren Anteil am amerikanischen Markt.
Auch Royal Philips Electronics NV, der größte europäische Verbraucherelektronik-Hersteller, sucht nach eigenen Angaben Gelegenheiten, sein Haushaltsgeräte-Geschäft auszubauen. Flüssig wäre Philips: Es verkaufte Anfang des Jahres für 680 Millionen Euro einen Anteil an seinem Flüssigkristall-Venture mit der südkoreanischen LG Electronics Inc.
Text: Bloomberg
Bildmaterial: AP
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