Google-Chef Eric Schmidt

Der Microsoft-Gegner vom Dienst

Von Carsten Knop

Schrieb mit Google Internetgeschichte: Eric Schmidt

Schrieb mit Google Internetgeschichte: Eric Schmidt

08. Juli 2009 Als Eric Schmidt im Jahr 2001 das Angebot bekam und akzeptiert hat, Vorstandsvorsitzender von Google zu werden, hat er die aufregendste Stelle angetreten, die in der Informationstechnologie zu jener Zeit zu vergeben war. Seither hat Schmidt mit Google und seinen Mitbegründern die Welt verändert. Und er hat nicht vor, an dem Tempo dieser Veränderung etwas zu ändern, vor allem dann nicht, wenn es darum geht, Microsoft zu ärgern.

Vor Schmidts Berufung hatte der Google-Verwaltungsrat ein Jahr lang Druck auf die beiden jungen Unternehmensgründer Sergey Brin und Larry Page ausgeübt, sich endlich einen erfahrenen Manager, einen „Erwachsenen“ an die Spitze des Unternehmens zu holen. Sie willigten ein und holten Schmidt, der bis dahin Chef des Softwarehauses Novell gewesen war und sich bei seinem vorherigen Arbeitgeber Sun Microsystems den Ruf eines Pioniers des Internet erarbeitet hatte.

Google hat Schmidt Prominenz verliehen

Schmidt schien perfekt zu Google zu passen, zu einer Kultur, in der hochintelligente Akademiker das Sagen haben. Denn mit seinen oftmals promovierten Mitstreitern bei Google kann Schmidt locker mithalten: Der inzwischen 54 Jahre alte Manager hat Elektrotechnik an der Princeton University und der University of California studiert, wo er auch in Informatik promoviert wurde. Anders als viele seiner ersten Google-Kollegen verfügte Schmidt aber schon zu seinem Eintritt in das Unternehmen über eine ordentliche Portion Berufserfahrung. Er war Mitglied des Forschungsstabs beim Computer Science Lab im Xerox Palo Alto Research Center, bekleidete Positionen bei den Bell Laboratories und bei Zilog – und wurde zur treibenden Kraft bei der Entwicklung der neuen, plattformunabhängigen Programmiersprache Java von Sun. Seine endgültige Feuertaufe erlebte er beim lange Zeit angeschlagenen und strategisch nicht mehr richtig aufgestellten Unternehmen Novell.

Dagegen sollte seine Zeit bei Google trotz aller anfänglichen organisatorischen Unzulänglichkeiten des schnell gewachsenen Konzerns zu einem Kinderspiel werden (in dem er manchmal nur den Streit um die Inneneinrichtung des neuen Boeing 767-Firmenflugzeugs zu schlichten hatte). Und von der er zuvor gewiss nicht zu träumen gewagt hätte. Jedenfalls war er vergleichsweise bescheiden unterwegs, wenn man ihn zum Beispiel in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre im Düsseldorfer Büro von Novell zum morgendlichen Kaffee traf.

Das Microsoft-Monopol ist Schmidt ein Dorn im Auge

Heute hingegen ist Schmidt ein allerseits (bis hin zur großen Politik) gefragter Gesprächspartner zu allen wichtigen Themen der (Internet)welt – weshalb eines seiner jüngsten Gespräche viel über ihn und über Google sagt. Wenn man Schmidt in diesen Tagen um seine Meinung fragt, ist die Finanzkrise nämlich beendet. „Wir haben den Boden erreicht“, sagte Schmidt jüngst der britischen Ausgabe der amerikanischen Technologie-Zeitschrift „Wired“. Von nun an gehe es wieder bergauf.

Der Weg aus der wirtschaftlichen Depression liege in der Innovation, und das gelte nicht nur in der Technologie-Branche. Google jedenfalls arbeite an zahlreichen Innovationen – und kurz darauf kündigte das Unternehmen tatsächlich an, dem Softwarekonzern Microsoft jetzt auch auf dem Feld der Betriebssysteme für Personalcomputer Wettbewerb machen zu wollen. Nach der Internetsuche, einem eigenen Internetbrowser mit den Namen „Chrome“ und dem Mobiltelefon-Betriebssystem „Android“ greift Google Microsoft damit nun auf einem weiteren Gebiet an. Die vermeintlich Software-Monopolstellung von Microsoft ist Schmidt (angesichts seiner früheren Arbeitgeber kaum erstaunlich) schon lange ein Dorn im Auge. Dass Google selbst ein Such- und Online-Anzeigen-Monopolist sei, will Schmidt hingegen nicht gelten lassen: „Denken Sie nur, wie einfach es wäre, von Google zu einem Wettbewerber zu wechseln. Das ist ein sehr wettbewerbsintensiver Markt.“

Ein schnöder Geschäftsplan wäre wenig innovativ

Nun ist es nicht so, dass die Welt rund um Google stillstehen würde. Das Unternehmen muss sich durchaus mit Angeboten auseinandersetzen, die ihm seinerseits gefährlich werden könnten. Doch auch den Kurz-Nachrichtendienst Twitter oder das soziale Netzwerk Facebook kommentiert Schmidt mit größter Gelassenheit: „Twitter ist ein sehr wichtiges, aktuelles soziales Phänomen. Es ist sehr erfolgreich.“ Was folgt für Schmidt daraus? „Wir denken das ist gut so, denn das bedeutet, dass Leute mehr und mehr Zeit online verbringen. Ich sehe da nichts Negatives.“ Ähnlich lautet seine Argumentation mit Blick auf Facebook: „Wir profitieren alle, wenn Facebook oder Twitter mehr Nutzer bekommen. Das bedeutet, dass Leute mehr Zeit online verbringen.“ Dafür, so Schmidt in typisch amerikanischer Verkäufermanier, brauchten Nutzer eine geeignete Internetsuche. Und darin sei Google eben „richtig gut“.

Google ist sich seiner Sache so sicher, dass auch eine kleinere Delle in der Geschäftsentwicklung keine Sorgenfalten auf Schmidts Stirn treibt. Man sei zwar abhängig von den gezielten Textanzeigen. „Falls die gezielten Anzeigen einmal weniger erfolgreich werden, werden Leute weniger darauf klicken. In unserem März-Quartal haben wir das gesehen.“ Doch zeige der Rückgang auch, dass das Auktionsprinzip von Google, bei dem der Anzeigenpreis durch Angebot und Nachfrage festgelegt werde, funktioniere. Das sei doch schon wieder eine gute Nachricht.

Im Übrigen hat ein Unternehmen wie Google – natürlich – keinen schnöden Geschäftsplan mit Jahreszielen, wie ihn traditionelle Industriekonzerne oder Softwareunternehmen haben. Bei Google strebt man nach Höherem: „Wir haben eine Mission und eine Strategie. Die Mission besteht darin, die Informationen der Welt zu organisieren. Die Strategie, die wir haben, um das zu erreichen, ist Innovation.“ Um dann der für Google, seinen Chef und seine Gründer so typischen Gelassenheit, die manche längst als Überheblichkeit interpretieren, zu ergänzen: „Es kümmert uns nicht, wenn etwas nicht funktioniert, weil wir wissen, dass dann etwas anderes funktionieren wird.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

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