Amerikanischer Mobilfunker Sprint im Visier

Telekom prüft angeblich Milliarden-Übernahme

03. Mai 2008 Die Deutsche Telekom erwägt nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ eine Übernahme des drittgrößten amerikanischen Mobilfunkanbieters Sprint oder zumindest eine Beteiligung daran. Eine solche Verbindung würde den Bonner Konzern an die Spitze des Weltmarktes katapultieren, berichtete die Zeitschrift. Ein Telekom-Sprecher in Bonn wollte den Bericht am Samstag nicht kommentieren. Es handele sich um Marktgerüchte, sagte er.

Telekom-Manager und ihre amerikanischen Kollegen analysierten zur Zeit diverse Optionen einer Übernahme oder eines Zusammenschlusses, heißt es. Zusammen mit der amerikanischen Telekom-Tochter T-Mobile USA würde sich die neue Formation auf Augenhöhe mit dem landesweiten Marktführer AT&T Wireless befinden.

Niedriger Dollarkurs macht amerikanisches Unternehmen attraktiv

Noch gebe es kein Angebot und keine offiziellen Verhandlungen, aber Sprint stehe auf der Prioritätenliste des Bonner Konzerns weit oben. Gründe dafür seien der niedrige Dollarkurs und der auf rund 22 Milliarden Dollar gesunkene Börsenwert des amerikanischen Mobilfunkers, der seit einiger Zeit mit technischen Problemen zu kämpfen habe.

Bereits im März hatte eine Studie von Merrill Lynch Spekulationen über eine Übernahme von Sprint durch die Telekom angeheizt. Die Investmentbank hatte den Bonner Konzern als potentiellen Käufer für das angeschlagene amerikanische Unternehmen genannt. An der Börse hat die Sprint-Aktie seit Anfang 2006 rund zwei Drittel ihres Werts eingebüßt. Das Unternehmen ist nach Abschreibungen in Milliardenhöhe tief in die roten Zahlen gerutscht und blickt wegen einer massiven Abwanderung seiner Kunden pessimistisch in die Zukunft. Es werde mehrere Quartale dauern, das Ruder herumzureißen und die Marke neu zu positionieren, hatte Unternehmenschef Dan Hesse Ende Februar angekündigt.

Übernahme wäre für die Telekom sehr komplex

Analysten zufolge wäre eine Übernahme von Sprint Nextel für die Telekom jedoch sehr komplex, weil die Unternehmen unterschiedliche Technologien benutzen. Zudem gäbe es möglicherweise auch politische Bedenken gegen ein weiteres Engagement der Deutschen im amerikanischen Mobilfunkmarkt. Der Konzern ist dort bereits über seine Tochter T-Mobile USA vertreten - dem kleinsten der vier landesweiten amerikanischen Mobilfunkanbieter. Außerdem sei fraglich, ob die deutsche Regierung mit dem Schritt einverstanden wäre. Sie hält immer noch ein Drittel an dem früheren Staatskonzern.

Zuletzt hatte sich die Telekom im Herbst in Amerika eingekauft. Mitte September gab der Konzern den Kauf des kleineren Wettbewerbers SunCom Wireless mit 1,1 Millionen Kunden für 1,6 Milliarden Dollar bekannt. Damit sollte T-Mobile USA weiter ausgebaut werden. Mit der Akquisition erweiterte die amerikanische T-Mobile-Tochter ihre Netzabdeckung im Südosten des Landes sowie in Puerto Rico und auf den Virgin Islands.

Der Kauf diente seinerzeit auch dazu, immer wieder aufkeimende Spekulationen über eine Trennung von T-Mobile USA zurückzuweisen. Der amerikanische Ableger mit rund 30 Millionen Kunden gilt als wichtigster Wachstumstreiber der Telekom.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, REUTERS

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