10. Dezember 2007 Ungeachtet weiterer Abschreibungen in Höhe von 10 Milliarden Dollar (6,8 Milliarden Euro) war die Aktie der Schweizer Großbank UBS an der Börse am Montag stark gefragt. Der Kurs legt um rund 2,4 Proeznt auf 58,55 Schweizer Franken zu.
Als Grund für die zusätzlichen hohen Abschreibungen nannte die UBS die anhaltenden Krise am amerikanische Markt für zweitklassige Hypothekendarlehen (Subprime), die durch die schlechteren Markterwartungen für die Zukunft zusätzlich verschärft worden sei.
Erster Verlust in der Geschichte der Bank
Die UBS ist damit noch tiefer in den Strudel der amerikanischen Hypothekenkrise gerissen worden und musste deshalb am Montag weitere Abschreibungen bekannt geben. Der Ausblick für das vierte Quartal hat die Bank ebenfalls revidiert. Noch im Oktober hatte die schweizerische Bank einen Gewinn angekündigt. Nunmehr wird es voraussichtlich im Jahr 2007 einen Verlust geben. Es wäre der erste Jahresverlust in der Geschichte der Bank.
Daneben hat die Bank diverse Maßnahmen zur Stärkung der Kapitalkraft angekündigt, was laut Beobachtern der Grund für die Erholung des Aktienkurses sein dürfte. Händler bezeichnen zwar die von der UBS in Aussicht gestellten Wertberichtigungen und Abschreibungen als negativ, was allerdings positiv beurteilt wird, ist die Offenlegung der Positionen und deren Bewertung per Ende November.
Staatsfonds steigt bei der UBS ein
Die Abschreibungen seien nicht so schlimm, wie es auf dem ersten Blick ausgesehen habe, sagt ein Händler. Die Bank habe jetzt reinen Tisch gemacht und damit ein Zeichen gesetzt. Zudem sei die Bank mit den Kapitalmaßnahmen wieder besser gerüstet für die Zukunft.
Ungeachtet der Gewinnwarnung erhält die größte Schweizer Bank aber Hilfe aus dem Fernen Osten. Der Staatsfonds Government of Singapore Investment Corporation (GIC) steht der Bank zur Seite und zeichnet eine Zwangswandelanleihe von 11 Milliarden Franken, die spätestens in etwa zwei Jahren in UBS-Aktien gewandelt wird und GIC nach deren Angaben eine Beteiligung von bis zu neun Prozent an UBS verschaffen wird. Weitere 2 Milliarden Franken bringt ein weiterer nicht genannter Investor aus dem Nahen Osten. Die Geldgeber lassen sich ihr Engagement gut bezahlen. Die Anleihen werden mit neun Prozent verzinst.
Mit der Hilfe der Investoren kann die Bank ihre Eigenkapitalbasis schützen, was besonders im Hinblick auf das Vermögensverwaltungsgeschäft von großer Bedeutung ist. Reiche vertrauen ihr Geld nur Banken mit einer guten Eigenkapitalausstattung an. Und bisher hat das Vermögensverwaltungsgeschäft unter dem Subprime-Debakel nicht gelitten. UBS teilte mit, die Zuflüsse im Global Wealth Management& Business Banking hätten sich im Oktober und im November auf 30 Milliarden Franken belaufen.
Ospel bekommt keinen Bonus

Marcel Ospel, Präsident des Verwaltungsrats, muss sich dieses Jahr mit seinem Fixgehalt von 2 Millionen Franken begnügen
Der Verwaltungsratspräsident der UBS Marcel Ospel erhält wegen des Milliardenlochs in diesem Jahr keine Sondervergütungen. Ich will und erwarte keinen Bonus, sagte Ospel am Montag in Zürich. Im vergangenen Jahr hatte er Bezüge von insgesamt 26,6 Millionen Franken (rund 16 Millionen Euro) erhalten. Das waren 11 Prozent mehr als 2005.
Ospels Grundlohn hatte 2 Millionen Franken betragen. Der Rest waren leistungsabhängige Vergütungen in bar, UBS-Aktien und Optionen. Die hohen Managergehälter werden auch in der Schweiz kontrovers diskutiert.
Weitere Abschreibungen ungewiss
Ob das nun das Ende ist, bleibt offen. UBS-Konzernleiter Marcel Rohner erklärte, die Bank habe ihre Verlustannahmen einem Niveau angepasst, das der derzeitigen angespannten Situation am Markt für hypothekarisch gesicherte Wertpapiere entspricht. Der effektive Wert der UBS-Subprime-Bestände lasse sich aber immer noch nicht genau beziffern.
Die Investmentbank, die das Debakel verursacht hatte, werde sich in Zukunft stärker auf die Anforderungen der Kunden und der Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden und institutionelle Anleger ausrichten, hieß es bei der Bank weiter.
Weitere unangenehme Überraschungen zu erwarten
Die Unternehmensberatung McKinsey rechnet im Zuge der weltweiten Finanzkrise mit weiteren unangenehmen Überraschungen in den Bilanzen von Banken. Das wahre Ausmaß wird sich vielleicht erst mit Vorlage der Bilanzen für 2007 offenbaren, sagte McKinsey-Deutschlandchef Frank Mattern dem Handelsblatt. Nach wie vor besteht die Gefahr, dass Fonds und Banken in größerem Umfang Notverkäufe von Wertpapieren vornehmen müssen, um sich refinanzieren zu können.
Deutsche Bank, Commerzbank und Dresdner Bank hatten infolge der Krise am Markt für zweitklassige amerikanische Hypothekenkredite (Subprime) Millionen oder gar Milliarden abgeschrieben. In Deutschland waren wegen der Krise die Mittelstandsbank IKB und die Sachsen LB gar in Existenznot geraten.
Lloyds TSB glaubt, gut durch die Krise zu kommen
Die fünftgrößte britische Bank Lloyds TSB rechnet mit nur geringen Belastungen wegen der Finanzmarkt-Krise. Die Turbulenzen würden nur relativ begrenzten Einfluss auf das eigene Ergebnis haben, teilte die Bank am Montag in London mit. Bisher habe die Bank wegen der Kreditkrise 200 Millionen Pfund (rund 280 Millionen Euro) abgeschrieben.
Ohne diese Abschreibungen werde der Gewinn im Gesamtjahr im Rahmen der Erwartungen des Marktes ausfallen, hieß es in der Mitteilung weiter. Nach Angaben der Bank rechnen Analysten derzeit im Durchschnitt mit einem Anstieg des Gewinns um 12 Prozent auf 4,1 Milliarden Pfund.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS
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