21. September 2007 Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die Bayern LB prüfen die Fusion zur zweitgrößten Bank in Deutschland hinter der Deutschen Bank. Die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Bayern, Günther Oettinger (CDU) und Edmund Stoiber (CSU), sowie die Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) und Kurt Faltlhauser (CSU) machten am Freitag öffentlich, dass sie offenbar seit Wochen intensive Gespräche über eine Fusion der beiden Banken führen.
In der zwei Sätze langen Pressemitteilung beider Landesregierungen ist zwar nur von einem ausführlichen Gespräch die Rede. Im zweiten Satz heißt es aber, Gespräche über die Folgen für beide Länder, die sich aus aktuellen Veränderungen der öffentlich-rechtlichen Bankenlandschaft ergäben, sollten fortgesetzt werden.
Eingeweihte glauben an eine Fusionsvereinbarung
Eingeweihte in Bayern interpretierten die Ausführungen als Fusionsvereinbarung. Der Punkt ist erreicht, wo es kein zurück mehr gibt. Alles andere wäre eine Blamage.“ In Stuttgart fiel die Interpretation vorsichtiger aus. Die Gespräche sollten dazu dienen, der sich einer Fusion der West LB mit der LBBW widersetzenden nordrhein-westfälischen Landesregierung zu zeigen, dass die LBBW auch die Option Bayern LB habe. Ein Sprecher der Bayern LB sagte nur, die Bank werde die Gespräche konstruktiv begleiten“. Siegfried Naser, Präsident des bayerischen Sparkassenverbandes, sagte: Alle bayerischen Sparkassen begrüßen die Gespräche.“
Seit langem fordern die Sparkassen die Bildung eines Spitzeninstituts aus den noch sieben unabhängigen Landesbanken. Bislang weigerten sich die Landespolitiker, die Eigenständigkeit ihrer Banken aufzugeben. Doch nach dem Wegfall der staatlichen Garantien im Jahr 2005 und dem verzweifelten Suchen nach neuen Geschäftsmodellen mag die Erkenntnis gereift sein, dass Kosten- und Größenvorteile unter den Landesbanken erzielt werden sollten. Aus Sicht der Sparkassen ist auch reizvoll, dass mit der Landesbankenfusion im Süden auch eine Fusion der öffentlichen Versicherer in der Region verhandelt werden dürfte. Zur Debatte steht dabei der Zusammenschluss der bayerischen Versicherungskammer mit der SV-Versicherung in Stuttgart.
Zwei gleichberechtigte Standorte
Ein Zusammenschluss der Landesbanken im Süden, der auch die zur Bayern LB gehörende Saar LB und die zur LBBW gehörende Landesbank Rheinland-Pfalz sowie die Sachsen LB einschließen würde, wäre ein großer Schritt. Sowohl die Bayern LB als auch die LBBW haben im Jahresverlauf schon an Größe zugelegt. Die Bayern LB hat die österreichische Bank Hypo Alpe Adria gekauft, die LBBW hat vor wenigen Wochen die in eine Notlage geratene Sachsen LB übernommen. Zusammen dürften beide Banken eine Bilanzsumme von 900 Milliarden Euro und fast 20.000 Beschäftigte haben. Die Fusion könnte im kommenden Jahr rückwirkend zum 1. Januar 2007 vollzogen werden.
Die Bank, die als Anstalt öffentlichen Rechts verfasst würde, hätte zwei gleichberechtigte Standorte, in Stuttgart und München. Da die LBBW als die stärkere Bank gilt, dürften ihre Eigentümer auch die Mehrheit an dem fusionierten Institut halten. Damit gerieten die Sparkassen, die an der Bayern LB die Hälfte der Anteile halten, gegenüber den staatlichen Eignern, dem Freistaat Bayern, dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart, in die Minderheit. Gespräche über das Wertverhältnis beider Häuser seien aber noch nicht geführt worden, heißt es.
Text: ham. / sup. / theu. / F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
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