Im Porträt: Jürgen Geißinger

Der Präzisionsmanager

Von Susanne Preuß

Geißinger: „Wir verfolgen unsere Ziele mit langem Atem”

Geißinger: „Wir verfolgen unsere Ziele mit langem Atem”

21. August 2008 Präzision ist das Wichtigste bei allem, was Schaeffler verkauft. Auf tausendstel Millimeter kommt es bei den Wälz- und Kugellagern an - sonst funktioniert eine ganze Anlage nicht, was teuer wird, zeitraubend und in manchen Fällen auch gefährlich. Wo dieses Prinzip gelebt wird, ist Jürgen Geißinger von Erfolg zu Erfolg geeilt, hat seit 1998 aus einem Mittelständler mit einem Umsatz von 2 Milliarden Euro einen weltweit tätigen Konzern mit 9 Milliarden Euro Umsatz und einer offenbar sehr gesunden Finanzbasis geformt.

Geißinger war bis zu seinem Conti-Coup trotzdem keine Person des öffentlichen Lebens, weil er nämlich ein Typ ist wie seine Produkte: unauffällig, solange alles normal läuft, aber eben präzise, perfektionistisch, konsequent. Angeblich soll Elisabeth Schaeffler bei ihrer ersten Begegnung mit Jürgen Geißinger nicht einmal fünf Minuten gebraucht haben, um diese für ihr Familienunternehmen so passenden Eigenschaften erkannt zu haben, und schon hatte sie den damals nicht einmal 40 Jahre alten Maschinenbauingenieur an der Angel. Geißinger war gerade frei, denn er hatte den ITT-Konzern verlassen, für den er - nach kurzen Stationen beim Fraunhofer-Institut und bei der Heidelberger Druckmaschinen AG - 1992 nach Amerika gegangen war. Als ITT das Autozulieferer-Geschäft aufgab, war es zuletzt Geißingers Aufgabe gewesen, das Unternehmen aufzuspalten und die Teilbereiche zu verkaufen. Der heutige Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg hatte ebenfalls bei ITT Karriere gemacht und saß damals bei Schaeffler im Beirat - was zwangsläufig jetzt für einige Irritationen gesorgt hat. Alle Aufregung, auch die persönlichen Anfeindungen aber scheinen an Geißinger abzuprallen, weil er sein Ziel immer fest im Blick hat.

Seine Heimatbasis ist für den heute 49 Jahre alten, zweifachen Familienvater in all den Jahren das Remstal geblieben, eine von Weinbau geprägte Region östlich von Stuttgart. In Schwäbisch Gmünd, wo Geißinger geboren wurde, hilft er seiner Familie im Herbst regelmäßig bei der Obsternte. Ansonsten ist er aber fast immer in Diensten von INA Schaeffler, von früh morgens bis spät in die Nacht. Aber immer präzise.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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