Von Marcus Theurer und Carsten Knop
29. August 2008 Der Vorstand der Allianz wird seinem Aufsichtsrat in der Sitzung am Sonntag mit größter Wahrscheinlichkeit empfehlen, die Dresdner Bank an die Commerzbank zu verkaufen. Darauf hat sich Michael Diekmann, der Vorstandsvorsitzende des Münchner Finanzkonzerns, nach einem Treffen mit Martin Blessing, dem Vorstandsvorsitzenden der Frankfurter Commerzbank, nach Informationen der F.A.Z. am späten Donnerstagabend im Grundsatz verständigt.
Details der Vereinbarung sind noch nicht bekannt, in Verhandlungskreiesen heißt es, es gebe noch keine Entscheidung. Dafür sei die Zustimmung der Aufsichtsräte notwending. Wie zu hören ist, wird der Vorstand der Commerzbank aber am Freitag Nachmittag zu einer Sitzung zusammenkommen, um in der Angelegenheit zu einem Beschluss zu kommen. Offenbar ist Blessing im Rahmen des Treffens am Donnerstag auf einige der noch offenen Forderungen der Allianz eingegangen. Der Versicherungsriese Allianz hat fortgeschrittene Gespräche bestätigt. Allerdings sei es noch offen, ob diese Gespräche zu einem Abschluss führen. Dies teilte die Allianz am Freitag in München mit.
Chinesen gehen leer aus
Die China Development Bank (CDB), die ein um mehrere hundert Millionen Euro höheres Angebot vorgelegt hatte und bis zuletzt im Rennen um den Zuschlag für die Dresdner Bank war, geht damit aller Wahrscheinlichkeit nach leer aus. Die Verhandlungen mit der Commerzbank haben sich über Monate hingezogen.
In den Verhandlungen zwischen Allianz und Commerzbank stehen dem Vernehmen nach deren Fondsgesellschaft Cominvest und ein Schutz vor weiteren Wertpapierabschreibungen im maroden Kapitalmarktgeschäft der Dresdner Bank im Zentrum. So will sich die Allianz als Teil des Kaufpreises für die Dresdner Bank die Cominvest einverleiben (siehe auch Commerzbank könnte Cominvest für Dresdner geben). Die Commerzbank wiederum dringt darauf, dass die Allianz mögliche weitere Wertpapierabschreibungen bei der Dresdner Bank auch nach dem Verkauf selbst übernimmt. Um den Umfang dieses sogenannten Risikoschirms und die Bewertung der Cominvest werde intensiv gerungen.
Der Preis für die Dresdner Bank wird auf rund 9 Milliarden Euro geschätzt. Übernommen hatte die Allianz die Dresdner Bank im Jahr 2001 für rund 24 Milliarden Euro. Die Bank erwies sich angesichts hoher Verluste aber als Belastungsfaktor für den Versicherer. Mit einer harten Sanierung, die auch den Abbau tausender Arbeitsplätze umfasste, wurde das Institut zwar auf Kurs gebracht, doch die Belastungen aus den Turbulenzen infolge der amerikanischen Immobilienkrise sorgen seit Ausbruch der Krise im vergangenen Sommer wieder für rote Zahlen bei dem Allianz-Sorgenkind.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, Unternehmen, F.A.Z.-Archiv
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