30. November 2009 Die rund 350 Frankfurter Mitarbeiter der insolventen Dystar Textilfarben GmbH & Co. KG sind von Dienstag an von der Arbeit freigestellt. Gleiches gilt für die insgesamt 797 Beschäftigten an den Standorten Brunsbüttel, Geretsried und Leverkusen. Der Grund: Die Kassen des Unternehmens sind leer. Auch hat der vorläufige Insolvenzverwalter Stephan Laubereau noch keinen Investor gefunden, der sich zum Kauf entschlossen hat, wie seine Sprecherin der Rhein-Main-Zeitung sagte.
Dagegen laufen in Ludwigshafen die Produktionsanlagen weiter. In dem 85 Mitarbeiter zählenden Betrieb wird Indigo hergestellt - ein traditionell vor allem für Jeansstoffe verwendeter tiefblauer Farbstoff. Dieser Betrieb lief schon in den vergangenen Wochen unter Volllast und arbeitet profitabel, wie die Sprecherin weiter erläuterte. Nach den Worten der Sprecherin wird heute das formelle Insolvenzverfahren über die mit der Produktion befassten Dystar Textilfarben GmbH & Co. KG und die Vertriebstochter Dystar Textilfarben GmbH eröffnet, die bisher alleinige Auftraggeberin der KG ist.
Insolvenzgeld-Regelung läuft aus
Laubereau hatte schon vor Wochenfrist die Freistellungen angekündigt. Die Liquiditätslage lasse es nicht zu, die Gehälter nach der Eröffnung des formellen Insolvenzverfahrens aus dem laufenden Betrieb zu zahlen, hieß es zur Begründung. Zuletzt haben die Mitarbeiter Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit erhalten, doch diese Phase ist nun nach drei Monaten ausgelaufen. Die Freistellung bedeutet im Übrigen nicht, dass Laubereau den Mitarbeitern gekündigt hat. Vielmehr schickt er sie ohne Lohn oder Gehalt auf Abruf nach Haus. Es kann sein, dass die Beschäftigten von heute auf morgen einen Anruf erhalten, bitte wieder zur Arbeit zu kommen, sagte die Sprecherin.
Dies setzt jedoch voraus, dass die ebenfalls im Industriepark Frankfurt-Höchst ansässige Dystar Textilfarben GmbH der KG neue Aufträge erteilt, die unter dem Strich profitabel sind, oder sich ein Investor für die KG findet. Die Dystar Textilfarben GmbH profitiert von den nicht insolventen Auslandstöchtern der Dystar und kann ihren Betrieb aufrechterhalten; sie beschäftigt in Frankfurt rund 70 Männer und Frauen. Denn alle frisch eingehenden Mittel fließen in die Kasse der GmbH - das Gros der Dystar-Mitarbeiter steht aber auf der Lohnliste der klammen KG.
Die Leute bekommen dann Geld von der Arbeitsagentur
Ungeachtet der Möglichkeit, wieder an den bisherigen Arbeitsplatz gerufen zu werden, sollten sich die Mitarbeiter der KG zur Sicherheit arbeitslos melden, wie es beim Insolvenzverwalter heißt. Die Leute bekommen dann Geld von der Arbeitsagentur, erläuterte der Frankfurter Betriebsratschef Heinz Schaus. Denn nur wer sich bei der Agentur meldet, kann auch mit Arbeitslosengeld rechnen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Dystar
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