Von Daniel Schäfer
03. März 2008 Das Bieterverfahren für den angeschlagenen Mittelstandsfinanzierer IKB entwickelt sich offenbar zäher als offiziell dargestellt. Bis zum vergangenen Freitag mussten die Interessenten erste unverbindliche Angebote abgeben. Es liegen eine Reihe von Angeboten vor, sowohl aus dem In- wie aus dem Ausland, teilte der IKB-Großaktionär, die staatseigene Bankengruppe KfW, in einer knappen Stellungnahme mit. Welche Zahl hinter einer Reihe von Angeboten steckt, wollte ein Sprecher nicht verraten. Es kristallisiert sich aber heraus, dass sowohl die Zahl der Offerten als auch die Höhe der Gebote hinter den ursprünglichen Erwartungen weit zurückbleiben.
Die Düsseldorfer IKB hatte sich mit milliardenschweren Spekulationen auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt in eine erhebliche Schieflage manövriert. Der Großaktionär KfW und die Bankenverbände mussten den Mittelstandsfinanzierer in mehreren Rettungsaktionen vor dem Zusammenbruch bewahren. Dass immer neue Risiken auftauchten, hat in den vergangenen Monaten vor allem private Banken vor einer Teilnahme an dem von der Investmentbank Merrill Lynch organisierten Bieterverfahren zurückschrecken lassen. Sowohl die Commerzbank als auch die DZ Bank winkten ab, nachdem sie zunächst Interesse signalisiert hatten.
Auch die Höhe der Gebote dürfte unter den Erwartungen liegen
Verkauft werden die Anteile der beiden größten IKB-Aktionäre KfW und Stiftung Industrieforschung, die zusammen auf eine Beteiligung von rund 54 Prozent kommen. Noch Mitte Januar war von bis zu 40 möglichen Interessenten die Rede gewesen. Diese Zahl dürfte längst Makulatur sein. In Finanzkreisen wird mit sechs bis sieben Bietern gerechnet. Mit ziemlicher Sicherheit haben die Finanzinvestoren Lone Star, JC Flowers und Ripplewood eine nicht bindende Offerte eingereicht. Wahrscheinlich ist die Beteiligungsgesellschaft Cerberus ebenfalls im Rennen. Offenbar sind - wenn überhaupt - nur wenige Banken dabei. Die selbst mit Problemen kämpfende West LB hatte schon vor einiger Zeit Interesse angedeutet. Die schwedische SEB und die Finanzsparte von General Electric könnten ebenfalls interessiert sein.
Auch die Höhe der Gebote dürfte unterhalb der Erwartungen liegen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte für das bislang letzte, 2,3 Milliarden Euro schwere IKB-Rettungspaket einen Verkaufserlös aus dem KfW-Anteil von bis zu 800 Millionen Euro einkalkuliert. Die KfW gibt sich nun zwar optimistisch: Die Angebotslage stimmt uns zuversichtlich. Der Verkaufsprozess geht planmäßig weiter, heißt es in der offiziellen Stellungnahme. In Kreisen der Bieter ist aber von Offerten die Rede, die nur einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag erreichen: Steinbrück wird nicht einmal 800 Millionen Euro für die gesamte Bank kriegen. Als Grund für die niedrige Bewertung wird in Bieterkreisen darauf verwiesen, dass die Bank in ihrem Kerngeschäft noch niemals ihre Kapitalkosten verdient habe. In der Theorie werden solche Banken unterhalb ihres Buchwertes verkauft, heißt es.
Nicht aus Jux und Tollerei
Mit einer ähnlichen Argumentation hatte der DZ-Bank-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Kirsch vor wenigen Tagen begründet, weshalb die genossenschaftliche Zentralbank kein Angebot abgegeben hat: Die IKB ist ja in das Geschäft mit amerikanischen Hypotheken nicht aus Jux und Tollerei gegangen, sondern weil das Kerngeschäft zu wenig Ertrag bringt.
Hinzu kommen erhebliche Unsicherheiten im Verkaufsprozess. Beispielsweise gibt es keinen aktuellen Jahresabschluss der Bank. Die letzten verfügbaren Geschäftszahlen sind fast ein Jahr alt. Unklar ist zudem, welche Folgen die im April anstehende Kapitalerhöhung auf den Verkaufsprozess hat - würde doch die Beteiligung der KfW dadurch auf bis zu 90 Prozent steigen. Zudem ist im Rahmen der Rettungsaktion eine Besserungsabrede zugunsten der KfW in der Diskussion; diese würde zukünftige Gewinne der IKB belasten. Und schließlich muss die IKB in den nächsten Monaten einen zweistelligen Milliardenbetrag am Kapitalmarkt refinanzieren. Dafür werden wohl sämtliche Bieter von der KfW eine Garantie verlangen.
Renditen von 30 bis 40 Prozent möglich
Mittelstandsgeschäft kann für Banken durchaus Renditen von 30 bis 40 Prozent bringen, wie die Beispiele der Commerzbank und der Deutschen Bank beweisen. Doch die Voraussetzung dafür ist, dass der Kredit als Türöffner für margenstärkeres Provisionsgeschäft genutzt wird. Ein Käufer der IKB müsste also viel investieren, um die Kapitalmarktexpertise auszubauen. Unter den Finanzinvestoren hätte hier JC Flowers einen gewissen Vorteil, weil die Beteiligungsgesellschaft schon einen Anteil an der HSH Nordbank besitzt und möglicherweise Synergien ausschöpfen könnte.
In den nächsten Wochen erhalten die Bieter einen tieferen Einblick in die Bücher der Bank. Von diesem Montag an können Interessenten zudem für ein 6,3 Milliarden Euro schweres Wertpapierportfolio bieten, das nicht durch den Risikoschirm von KfW und Bankenverbänden abgedeckt ist. Als Interessent dafür gilt vor allem der amerikanische Finanzinvestor Lone Star.
Text: F.A.Z., 03.03.2008, Nr. 53 / Seite 13
Bildmaterial: AP
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