Von Joachim Herr
27. August 2007 Die Vermutung, Werner Brombach könnte nur Bier aus der eigenen Brauerei trinken, ist falsch. Ab und zu genehmigt er sich auch ein Glas Pils, Kölsch oder Alt. "Ich muss ja testen und versuchen, was andere machen." Mit Vorliebe trinkt der Brauereibesitzer freilich Weißbier, doch wirbt er für alle Sorten des schäumenden Getränks. "Es gibt nichts Besseres zum Essen als ein deutsches Bier." Der Verdacht, ein bayerischer Bierbrauer wie Brombach gönne sich schon zum Frühstück das erste Glas, ist allerdings unberechtigt: "Ich trinke nicht jeden Tag Bier."
Auch äußerlich passt Brombach nicht ins Bild, das sich viele von einem urbayerischen Brauer machen. Der 67 Jahre alte Mann trägt das schlohweiße Haar fast schulterlang. Eine riesige Brille mit dicker schwarzer Fassung dominiert sein Erscheinungsbild. Sie erinnert an Schutzgläser von Chemielaboranten und ist schon seit langem sein Markenzeichen. Nur der Trachtenjanker und sein oberbayerischer Dialekt sind auffällige Insignien seiner Heimat. Brombach bezeichnet sich als typischen mittelständischen Unternehmer, der, als der Betrieb noch kleiner war, jeden Mitarbeiter mit Namen kannte. In Erding ist er Ehrenbürger der Stadt. Hier wird er als Patriarch beschrieben, der regelmäßig auch in der Produktion nach dem Rechten sieht. Im Gespräch wirkt er zunächst kühl, redet zurückhaltend über sein Unternehmen und die Branche. Ärger bringt er stärker zum Ausdruck als Freude.
Kräfte bündeln
Brombach präsentiert sich als ein Verfechter des deutschen Reinheitsgebots, ohne mit großer Leidenschaft zu argumentieren. Den deutschen Brauereien wirft er vor, ihren Qualitätsvorteil viel zu wenig herauszustellen. Dabei bieten nach seiner Ansicht die Wellness- und Bio-Welle die besten Voraussetzungen. Für Erdinger sei das Reinheitsgebot einer der drei Trümpfe, um den viel größeren internationalen Braukonzernen wie Inbev oder Anheuser-Busch Paroli zu bieten. Als die beiden anderen Vorteile nennt er "die Tradition und unsere Qualitätsphilosophie".
Brombach appelliert an die deutschen Brauereien, Kräfte zu bündeln, um den Branchenriesen mehr entgegenzusetzen. "Wir haben mit der Bitburger Brauerei eine erfolgreiche Kooperation", sagt er mehrmals: "Es ist ein Musterbeispiel für die Branche." Im Vertrieb arbeiten beide seit knapp zwei Jahren zusammen: So wird Erdinger Weißbier in Gaststätten und Hotels zum Beispiel auch in westdeutschen Regionen ausgeschenkt, in denen Bitburger eine starke Marktposition besitzt. Umgekehrt profitiert Bitburger an manchen Orten in Süddeutschland von der Präsenz von Erdinger.
Vielleicht gibt es bald eine zweite Marke
Die klassische Rezeptur des deutschen Bieres - Wasser, Hopfen und Gerste beziehungsweise Weizen für das Weißbier - ist Brombach heilig - zumindest für die Marke Erdinger. "Biermischgetränke untergraben das Reinheitsgebot", schimpft er. Die Mixgetränke mit Zitronen-, Grapefruit- oder Cola-Geschmack kommen besonders bei Jüngeren gut an.
Später im Gespräch, als der Unternehmer die acht Sorten Erdinger aufzählt einschließlich einer leichten und einer alkoholfreien Variante, überrascht Brombach mit der Aussage, zum Angebot eines Mischgetränks habe er sich bisher nicht durchringen können. Schnell fügt er aber hinzu, Erdinger Weißbier käme für einen solchen Versuch auf keinen Fall in Frage. Also mit einer zweiten Marke? "Vielleicht, aber konkrete Pläne gibt es nicht", antwortet er. "Die Hersteller verdienen mit Mischgetränken außerdem weniger, als man annehmen könnte. Denn die Zusatzstoffe sind relativ teuer."
Erdinger will die Preise anheben
Der Diplom-Braumeister behauptet, das Produkt sei für ihn das A und O: "Die Qualität hat oberste Priorität, Wirtschaftlichkeit steht für mich erst an zweiter Stelle." Freilich sichert nur erfolgreiches Arbeiten die Eigenständigkeit der Brauerei mit ihren 420 Mitarbeitern. Sorgen macht Brombach der aggressive Eintritt von Krombacher auf den Weizenbiermarkt. "Das gefällt mir nicht." Seit dem Frühjahr bietet der Konkurrent aus dem Siegerland ebenfalls diese Sorte an, den Kasten für 11 bis 12 Euro im Handel. Erdinger ist im Durchschnitt rund 3 Euro teurer. "Das Einstiegsangebot von Krombacher birgt die Gefahr eines allgemeinen Preisverfalls und führt zu einem großen Werteverlust."
Auch die Gewinnspanne der Fachgroßhändler verringere sich somit. "Es gibt Riesenproteste im Handel." Brombach hält im Gegenteil Preissteigerungen für erforderlich, um genügend Geld für Investitionen zu erwirtschaften. "Ob Rohstoffe, Glas, Reinigungsmittel oder Energie - massive Preiserhöhungen betreffen die ganze Bierbranche", klagt der Erdinger-Chef. "Wir werden uns im Unternehmen intensiv über eigene Preiserhöhungen unterhalten müssen." Im vergangenen Jahr war Erdinger eine der ersten deutschen Brauereien, die höhrere Preise durchgesetzt hatte. Um 5 Euro wurde der Hektoliter für den Handel teurer, für den Kasten bedeutete das ein Plus von 50 Cent.
Zuwachs im Weißbiermarkt
Auf ein Preisscharmützel mit Krombacher will sich Brombach nicht einlassen, der Abstand von 3 Euro je Kasten soll bleiben. "Wir haben eine gute Marke, die für Qualität steht, und wir haben sehr viele treue Stammkunden." Und doch: "Wenn nur fünf Prozent unserer Kunden abwandern würden, wäre das schon eine Menge." Erdinger ist mit ein paar hunderttausend Hektoliter Vorsprung vor den beiden Münchner Konkurrenten Franziskaner und Paulaner der größte Weißbieranbieter der Welt.
Die Geschäfte in diesem Jahr laufen offenbar ganz gut. "Ich bin optimistisch, dass wir 2007 gut abschneiden", sagt Brombach, ohne einen tieferen Einblick in die wirtschaftliche Lage zu gewähren. "Wir hoffen, dass wir einen Ausstoß wie 2006 schaffen." Das hängt auch vom Wetter ab. 2006 war eines der besseren Jahre. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland war auch für Erdinger ein Volltreffer. "Im Juli hatten wir unseren bisherigen Absatzrekord erzielt." Zudem schlägt sich der gesamte Weißbiermarkt in Deutschland mit stetigen Wachstumsraten wacker. Den auf 130 Millionen Euro geschätzten Jahresumsatz von Erdinger bestätigt Brombach mit einem Nicken. Rund zehn Prozent werden im Export erzielt.
Enttäuscht über Doping im Spitzensport
Einsilbig reagiert er auf die Frage nach der Ertragslage. "2006 hatten wir ein gutes Ergebnis." Die höheren Kosten schlügen sich nun im Gewinn nieder. Über die Ausgaben von Erdinger für Werbung und Marketing schweigt er. "Wir sind ganz gut dabei." Freilich fällt die Brauerei im Fernsehen mit Werbespots bei weitem weniger auf als die größeren Anbieter Bitburger und Krombacher. Doch immerhin wirbt Franz Beckenbauer, wohl der bekannteste lebende Bayer, seit vier Jahren für Brombachs Unternehmen. "Er ist ein wichtiger Mann für uns, denn er steht für den gesamten deutschen Fußball."
Erst beim Thema Sport wird Brombach lebhaft. Der Brauereichef hält sich selbst mit Waldläufen und dem Golfspiel fit. Und er ärgert sich darüber, dass der Profisport in diesem Sommer, vor allem seit der Tour de France, von einem einzigen Thema bestimmt wird. "Ich bin enttäuscht, dass im Spitzensport betrogen wird. So wird zurzeit leider nur noch über Doping gesprochen." Kalt lässt ihn das Thema auch deshalb nicht, weil Triathlet Lothar Leder, der mit dem Erdinger-Schriftzug auf dem Trikot startet, wegen auffälliger Blutwerte in die Schlagzeilen geraten ist. "Solange nicht bewiesen ist, dass Lothar tatsächlich gedopt war, läuft unser Sponsorship so weiter wie bisher."
Als die bayerische Brauereiwelt noch heil war
Auch andere Sportler wie der Biathlet Michael Greis und der Schwimmer Thomas Rupprath werben für Erdinger und werden dafür von der Brauerei finanziell unterstützt. Brombach reist um die ganze Welt, um Wettkämpfe zu verfolgen. Die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Peking werden die zwölften sein, die er als Zuschauer in den Stadien und Hallen miterlebt. Lebhaft in Erinnerung sind ihm noch die Sommerspiele 1972 in München. Damals gehörte Brombach als Sponsor zum kleinen Team des Gewichthebers Rudolf Mang, der im Superschwergewicht mit 610 Kilogramm im Dreikampf die Silbermedaille gewann. Brombach gerät ins Schwärmen. Lange ist's her, damals, als es noch keine Biermischgetränke gab, der Preiskampf noch nicht so hart und ohnedies die bayerische Brauereiwelt noch heil war.
Text: F.A.Z., 27.08.2007, Nr. 198 / Seite 17
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Rentenentwicklung: Nullrunden bis 2012
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