Unternehmergespräch

Die Krise erreicht den Portwein

Vor 130 Jahren kamen die Symingtons aus Schottland nach Portugal, um Portwein zu verkaufen. Heute zählen sie sich zu den größten Herstellern.

Von Christian von Hiller

Zwanglos: Dominic Symington hatte die Wahl, ob er im Familienunternehmen arbeitet oder nicht

Zwanglos: Dominic Symington hatte die Wahl, ob er im Familienunternehmen arbeitet oder nicht

17. November 2008 Es weht der Hauch einer untergegangen geglaubten Welt über dem Anwesen der Symingtons in Portugal. Die Stimmung hat etwas von Karen Blixens berühmtem Roman „Out of Africa“, in dem sie ihr Leben auf einer Kaffeefarm in Kenia beschrieb. Vor bald 130 Jahren, im Jahr 1882, wanderte der Schotte Andrew James Symington in das enge Douro-Tal aus und baute in den folgenden Jahrzehnten ein beeindruckendes Familienunternehmen auf.

Das ist Geschichte. Heute sehen sich die Symingtons von der Finanzkrise bedroht. „Die Marktsituation ist besorgniserregend“, sagt Dominic Symington, einer von sechs Familienmitgliedern an der Spitze von Symington Family Estates. Offenbar zählen die Verbraucher hochwertigen Portwein zu jenen Gütern, auf die sie am ehesten verzichten, wenn das Einkommen knapper oder ungewisser wird. Dennoch glaubt Symington, dass sein Unternehmen besser als andere durch die Krise kommt: „Bisher sind die Exporte der gesamten Portweinbranche um 6 Prozent runtergegangen, unsere nur um 1 Prozent“, sagt er.

Auch die Wechselkurse bereiten Sorgen

Doch nicht allein die internationale Konjunkturkrise macht Symington Sorgen. „Wir leiden auch ziemlich unter den Wechselkursen.“ Denn als Unternehmer in Portugal rechnet er selbstverständlich in Euro, doch seine wichtigsten Absatzmärkte liegen in den Ländern, in denen mit Pfund und Dollar gezahlt wird.

Hier, in Vila Nova de Gaia, liegt der Sitz des nach eigenen Angaben größten Erzeugers von Premium-Portweinen. Und das Anwesen, in dem auch Dominic Symington sein Büro hat, ist als Unternehmenszentrale nicht zu erkennen. Es sieht eher wie ein Anwesen in einer britischen Kolonie aus mit seinen grünen Rasenflächen, den gepflegten Rabatten und Sträuchern, den schmucken Gebäuden, auf die sich das Unternehmen verteilt.

„Wir verbringen unsere Ferien hier im Douro-Tal“, sagt Dominic Symington, ein sportlicher, drahtiger Mann Anfang fünfzig mit rotblondem Haar und Sommersprossen auf den Armen. Seine britischen Wurzeln kann er, obwohl in Portugal geboren, nicht leugnen. Er strahlt die Entspanntheit eines britischen Gutsbesitzers aus, während sein Blick über das Douro-Tal schweift.

Produktion an einem romantischen Ort

Hier im Norden Portugals wird in diesem engen Tal des Douro Portwein angebaut, jene Spezialität, die in den höchsten Qualitäten süß, leicht scharf vom Alkohol und unglaublich reich an Aromen von Dörrobst, trockenen Früchten, Vanille oder Karamel sein kann. Benannt wurde er nach der Stadt Porto, in deren Nähe der Douro in den Atlantik fließt. Der Fluss windet sich in einem engen Tal durch steile Hügel, an die sich die Weinbergterrassen schmiegen. Das Douro-Tal steht an Schönheit weder der Wachau noch dem Mittelrhein nach, wirkt jedoch viel weniger gebändigt und ist touristisch kaum erschlossen.

Hier haben die Symingtons in den vergangenen 130 Jahren ein kleines Portwein-Imperium aufgebaut. Auf einen Umsatz von 43 Millionen Euro kommt das Unternehmen allein durch den Verkauf der eigenen Premium-Marken. Der Verkauf von Handelsportwein an den Einzelhandel - „white labels“ in der Branche genannt - bringt angeblich noch einmal so viel. Damit erreicht Symington einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent bei Markenportwein und ist damit nach eigenen Angaben der größte Produzent von Premium-Portwein. Diese Stellung haben die Symingtons erreicht, indem sie über die Jahre die bekanntesten Portwein-Marken aufkauften: Dow's, Warre's und seit 1970 auch Graham's. Hinzu kommen 1300 Hektar Fläche, die sich auf 22 Weingüter in dem malerischen Tal verteilen.

Eine teure Angelegenheit

„Es ist unglaublich teuer, hier Wein herzustellen“, behauptet Symington mit Blick auf die portugiesische Weinbauregion Alentejo oder die Mancha in Spanien, wo in großem Stil Wein für den Massenmarkt hergestellt werden kann. „Der Aufwand, den wir hier betreiben müssen, ist nur mit dem vergleichbar, den die Winzer im Moseltal auf sich nehmen.“ Die Erträge beliefen sich auf einen Bruchteil dessen, was in anderen Regionen möglich sei. „Aber dafür lassen sich hier Rotweine von Weltklasse erzeugen“, sagt Symington.

Auch die Symingtons bauen ihr Engagement mit Wein aus. Mit „Chryseia“ und „Altana“ haben sie zwei Marken aufgebaut, die es zu internationaler Bekanntheit gebracht haben. Das Besondere an den Weinen aus dem Douro-Tal ist, dass sie nicht wie in vielen anderen Gegenden mit internationalen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon oder Merlot erzeugt, sondern mit regionaltypischen wie Nacional, Tinta Francesca oder Barroca.

Die Konkurrenz setzt auf aggressives Marketing

Viele Portweinhersteller haben in den vergangenen Jahren in die Produktion von Rotwein expandiert. So haben verschiedene Erzeuger um Dirk Niepoort die Vermarktungsgruppe Douro Boys gegründet, um ihre Rotweine mit großem PR-Geklingel auf dem internationalen Premium-Markt zu lancieren. Doch die Kommunikationskosten finden sich auch im Preis dieser Erzeugnisse wieder.

Allerdings bleibt Portwein für die meisten Häuser im Douro-Tal das Standbein. „Wir erzielen bisher rund 5 Prozent unseres Umsatzes mit Wein“, sagt Symington. „Dafür ist der Anteil steigend.“

Keine Frage, mit Portwein sind die Symingtions in Portugal groß geworden. Ursprünglich wurde die Spezialität aus der Not geboren. Um Wein aus Portugal transportfähig zu machen und nach England zu exportieren, wurde den Weinen aus dem Douro-Tal noch während der Gärung Neutralalkohol zugefügt. Durch dieses Aufspritten wird der Gärprozess abgebrochen, sodass der unvergorene Restzucker dem Portwein seine charakteristische Süße verleiht. Dank eines Alkoholgehalts zwischen 19 und 22 Prozent war Portwein stabil genug für den langen Transport auf See.

EU-Subventionen zahlen sich aus

Nur ein Teil der Weinproduktion im Douro-Tal geht in die Portwein-Erzeugung: 250.000 bis 300.000 „pipes“ - so heißen die 550 Liter großen Weinfässer, in denen der Portwein reift - bringt die Region im Jahr hervor. Davon bleiben etwa 130.000 „pipes“ als Wein übrig, für den ein Markt gefunden werden muss. Lange Zeit schenkten die Portweinhäuser Wein kaum Beachtung.

„Rotwein hatte früher hier kein Renommee, das ändert sich jetzt“, sagt Symington. In den vergangenen Jahren flossen - auch mit Hilfe großzügiger EU-Subventionen - beachtliche Investitionen in den Ausbau der Kellertechnik in der gesamten Region. Es ist erstaunlich, dass sich die Europäische Kommission nicht stärker den Aufbau eines leistungsfähigen Weinbaus zugutehält.

Das beharrliche Engagement der Portweinhäuser in den Ausbau ihrer Weinaktivitäten hat wohl noch andere Gründe: Portwein bleibt im globalen Konsummarkt eine Spezialität für Kenner und wird in eine enge Marktnische zurückgedrängt. In einer Zeit, in der in dieser Branche die Margen kleiner und der Wettbewerb härter wird, zählen auch kleine Umsatzbringer, vor allem, wenn sie den Ruf stärken. „Wir können in einem Wettbewerb, der über den Preis geht, nie standhalten“, sagt Symington. „Unser Ziel muss es sein, einzigartig zu sein.“

Das Unternehmen

Die Symington Family Estates zählen mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent zu den größten Herstellern von Portwein. Premium-Marken wie Graham's, Dow's, Warre's oder Smith Woodhouse und die Madeira-Marken Blandy's, Cossart Gordon oder Leacock's zählen zum Portefeuille des Familienunternehmens.

Gegründet wurde es vom Schotten Andrew James Symington, der 1882 nach Portugal auswanderte, um mit Portwein zu handeln. Sechs Mitglieder der Familie arbeiten heute unter der Führung von Dominic Symingtons Bruder Paul in dem Unternehmen.

Der Unternehmer

Nein, es ist nicht selbstverständlich, dass Dominic Symington eine Laufbahn im Familienunternehmen gewählt hat. Denn jedes Familienmitglied muss zunächst - das ist eine ungeschriebene Übereinkunft unter den Symingtons - außerhalb arbeiten. Dominic Symington, heute 52 Jahre alt, hat das sechs Jahre lang getan. „Dann wurde ich eingeladen, dem Betrieb beizutreten“, sagt er, als handelte es sich um einen exquisiten Club in London. Heute betreut er den Vertrieb in Skandinavien, Deutschland, der Schweiz, Brasilien und die Madeira-Aktivitäten von Symington.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Claus Setzer

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