Investmentbanking

Dresdner Kleinwort hofft auf die chinesische Lösung

Von Bettina Schulz, London

Die Zentrale in London

Die Zentrale in London

28. August 2008 In der schwierigsten Phase des Investmentbanking seit Jahrzehnten verhandeln Allianz, Commerzbank und China Development Bank über die Zukunft der Dresdner Bank und damit auch der Londoner Investmentbank Dresdner Kleinwort. In der City grübeln die Mitarbeiter des Investmentbanking der Dresdner Kleinwort und des Investmentbanking der Commerzbank, welche Konsequenzen eine mögliche Verschmelzung beider Institute auf das Investmentbanking haben könnte.

Beide Institute verfolgen mit ihren Londoner Aktivitäten grundlegend verschiedene Strategien. Sollte es zu einer Quasi-Übernahme der Dresdner Bank und damit Dresdner Kleinwort durch die Commerzbank kommen, ist zu erwarten, dass sich das seit dem Jahr 2004 verfolgte Modell der Commerzbank in London durchsetzen würde. Dort sind die Aktivitäten des Investmentbanking in wesentlich kleinerem Rahmen als das der Dresdner Kleinwort auf die Bedürfnisse der deutschen Firmenkundschaft der Commerzbank und einiger paneuropäischer Unternehmen zugeschnitten.

Chinesen haben für die gesamte Dresdner Bank geboten

Würde die Commerzbank die Dresdner Kleinwort übernehmen, würde das dann zuständige Management der Commerzbank voraussichtlich an seiner relativ erfolgreichen Strategie des bescheidenen Investmentbanking festhalten, einige Sparten mit Mitarbeitergruppen von Dresdner Kleinwort aufstocken, letztlich aber die Aktivitäten von Dresdner Kleinwort deutlich verringern. Es liegt daher nahe, dass die Mitarbeiter von Dresdner Kleinwort hoffen, dass sich die Allianz letztlich für eine Transaktion mit der China Development Bank entscheidet, die für die gesamte Dresdner Bank, also auch das vollständige Geschäft der Dresdner Kleinwort in London, geboten hat. Das Geschäft würde von den Chinesen möglicherweise gar ausgeweitet. Es würde sicherlich aber auch interessante Geschäftsmöglichkeiten mit China und anderen Schwellenländern eröffnen.

Sowohl die Commerzbank als auch die Dresdner Bank hatten es versucht, letztlich aber nie geschafft, auf der Ebene des großen globalen Investmentbanking mitzuspielen. Im Gegensatz zur Deutschen Bank scheiterten die Commerzbank und die Dresdner Bank dabei. Die Commerzbank stoppte dann allerdings die globale Ausrichtung konsequenter als die Dresdner Bank. Sie strukturierte ihre Plattform rigoroser um und richtete die Londoner Aktivitäten strenger auf die Bedürfnisse ihrer weitgehend deutschen Kundschaft aus als die Dresdner Bank. Die Commerzbank mied damit die hohen Risiken des Geschäftes.

Von den drei deutschen Großbanken griff die Deutsche Bank in London als Erste zu und kaufte bereits im Jahr 1989 die damalige Merchant Bank Morgan Grenfell. Die Deutsche Bank hat ihr Investmentbanking in weniger als 20 Jahren von einem damaligen kleinen Nukleus zu einer der erfolgreichsten und größten Investmentbanken der Welt expandiert. Sie ist der größte ausländische Banken-Arbeitgeber in der Londoner City. Die Deutsche Bank ist in London so mächtig, dass sie in der City nur noch mit Goldman Sachs verglichen wird. Dies erlangte der Vorstand der Deutschen Bank nur, weil er konsequent an der Expansion in London festhielt, keine Angst hatte, die Geschäftsführung in die Hand versierter Angelsachsen zu geben, und sich von jahrelanger Kritik in Deutschland nicht beirren ließ. Heute zählt die Deutsche Bank trotz des hohen Gewichts ihres Investmentbanking nicht zu den überwiegend amerikanischen, schweizerischen und britischen Banken, die sich bei dieser Finanzkrise kräftig die Finger verbrannt haben.

Die Dresdner Bank zögerte lange im Investmentbanking

Der Commerzbank fehlten von Beginn an die Mittel und der Dresdner Bank der Mut, diesen Weg einzuschlagen. Auch die Dresdner Bank übernahm - allerdings erst 1995 - in London die Merchant Bank Kleinwort Benson als Nukleus für das Investmentbanking. Von Anfang an jedoch expandierte die Dresdner Bank nicht so beherzt wie die Deutsche Bank und zögerte mit ihrer Strategie. Das war gefährlich, denn im Londoner Investmentbanking zeigte sich schnell, dass der Platz hohe Fixkosten verschlingt und das Investmentbanking extrem volatil sein kann. Entweder eine Bank schafft es, schnell eine globale Plattform aufzubauen, über die den Kunden ein breiter Strauß an Produkten angeboten werden kann, womit wiederum das kritische Geschäftsvolumen erreicht wird, oder die Bank läuft Gefahr, bei der nächsten Krise von Ertragsschwankungen und zu hohen Fixkosten eingeholt zu werden. Wie schwer eine mittelgroße Investmentbank in London überleben kann, zeigten die Übernahmen der alten Merchantbanken Flemings, Schroders, Warburg und Barings.

Es war zu spät, als die Dresdner Bank im Jahr 2000 - gerade vor dem Platzen der Technologieblase - für einen überhöhten Preis die amerikanische Wasserstein Perella kaufte, um Anschluss an die größeren Investmentbanken zu gewinnen. Die Auswirkungen des Abschwungs im Investmentbanking nach dem Platzen der Technologieblase riss Dresdner Kleinwort Wasserstein, wie die Londoner Investmentbank damals hieß, in die Verlustzone. Es folgten immer wieder neue Ansätze, der Investmentbank eine neue Strategie zu verpassen, die aber nie konsequent umgesetzt wurden. Nach Übernahme von Wasserstein Perella umfasste das Investmentbanking der Dresdner Bank fast 9000 Mitarbeiter und eine globale Plattform, die im Prinzip von ihrer Matrix und Ausrichtung dem Konzept einer großen, globalen Investmentbank entsprach.

Stefan Jentzsch, der heutige Chef der Dresdner Kleinwort, hatte nie eine Chance, der Investmentbank Stabilität zu verleihen, denn die Allianz konnte sich seit Übernahme der Dresdner Bank im Jahr 2001 nicht entscheiden, ob und in welchem Rahmen sie das Investmentbanking in London behalten sollte. Möglichkeiten, die Investmentbank abzustoßen, wurden durch Unentschiedenheit im München vertan. Auch gab es immer wieder neue strategische Ansätze, auf welcher Basis Dresdner Kleinwort mit der Dresdner Bank in Deutschland kooperieren sollte. Dresdner Kleinwort zählt heute im Investmentbanking und Commercial Banking 5800 Mitarbeiter, davon etwa 2000 in London und 700 in New York. Beratung bei Übernahmen und die Beteiligung an Börseneinführungen im großen Stil zählen immer noch zum Angebot. Die Folgen der Finanzkrise mit hohen Wertberichtigungen haben nicht nur das Londoner Investmentbanking, sondern mittlerweile die gesamte Dresdner Bank in die Verlustzone getrieben.

Das hat die Commerzbank vermieden. Auch sie hatte 1995 mit Jupiter Tyndall in London einen Nukleus des Investmentbanking aufgekauft und gab später dem Händler und Investmentbanker Mehmet Dalman freie Hand, das Geschäft als Commerz Equity Investments zu einer Investmentbank auszuweiten.

Commerzbank hat die Finanzkrise im Investmentbanking relativ gut bewältigt

Dalman zog einen ganzen Trupp befreundeter Händler an, die das Institut mit globalen Ambitionen auf dem Höhepunkt der Technologieblase kräftig expandieren wollten und die Aktivitäten auf fast 3000 Mitarbeiter aufstockten. Doch die Commerzbank zog nach dem Platzen der Technologieblase und deftigen Handelsverlusten die Konsequenz, trennte sich von Dalman und seinem Team und richtete das Investmentbanking neu aus.

Die globalen Ambitionen wurden aufgegeben, das Geschäft im Jahr 2004 nur noch auf die Bedürfnisse der deutschen Firmenkundschaft und einiger weniger europäischer Großkunden ausgerichtet. Die Commerzbank verzichtete auf globale Präsenz, hat selbst in New York eine nur relativ kleine Schar von Mitarbeitern und hält sich von vielen Geschäftsfeldern fern. Das Londoner Investmentbanking ist mit dem deutschen Firmenkundengeschäft verzahnt, die Führung sitzt in Frankfurt, die Ansprüche sind bescheiden. Heute hat zählt das Investmentbanking der Commerzbank 1700 Mitarbeiter im sogenannten "front office", davon etwa 500 in London. Es hat die Finanzkrise im Investmentbanking relativ gut bewältigt, im ersten Halbjahr mit leichtem Gewinn abgeschnitten und die Commerzbank nie so belastet, wie Dresdner Kleinwort es bei der Dresdner Bank tat.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Anna Mutter

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Dax
Tec
Dow
Nas
16.11.2009 | 17:45
Dax 5.804,82
+2,07 %
 
        Vortag
17.11.2009 | 00:34
Name Kurs in %
DAX 5.804,82 +2,07%
TecDAX 781,92 +2,69%
MDAX 7.439,81 +1,76%
SDAX 3.555,77 +1,50%
REX 374,56 +0,17%
Eurostoxx 50 2.926,15 +1,50%
Dow Jones 10.407,00 +1,33%
Nasdaq 100 1.807,56 +1,06%
S&P500 1.109,30 +1,45%
Nikkei225 9.791,18 +0,21%
EUR/USD 1,4985 +0,12%
Rohöl Brent Crude 78,75 $ +2,27%
Gold 1.130,00 $ +2,03%
Bund Future 122,06 € +0,53%
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche