Finanzmarkt-Krise

West LB schwer getroffen

Die drittgrößte deutsche Landesbank WestLB schreibt Verlust

Die drittgrößte deutsche Landesbank WestLB schreibt Verlust

06. Dezember 2007 Die West LB geht mit Verlusten in die entscheidenden Gespräche über ihre Zukunft. Die Bank wies in den ersten neun Monaten des Jahres einen Verlust von 116 Millionen Euro vor Steuern aus. Allein die Krise an den internationalen Finanzmärkten belastete die Landesbank mit 355 Millionen Euro, wie die WestLB am Donnerstag mitteilte.

Seither hätten sich die „schwierigen Marktverhältnisse nochmals verschärft“, räumte die Bank in Düsseldorf ein. Trotzdem rechnet die West LB für das Gesamtjahr nur mit einem Vorsteuerverlust im „niedrigen dreistelligen Millionenbereich“.

Stuhlmann: „Das wirft uns nicht um“

“Das wirft uns nicht um“: West LB-Chef Stuhlmann (links) mit seinem scheidenden Aufsichtsratschef Gerlach

"Das wirft uns nicht um": West LB-Chef Stuhlmann (links) mit seinem scheidenden Aufsichtsratschef Gerlach

„Die Kapitalmarktkrise hat - wie bei vielen anderen Banken auch - Spuren in der Bilanz und der Erfolgsrechnung hinterlassen“, lässt sich West LB-Chef Alexander Stuhlmann in einer Mitteilung der Bank zitieren. Eine gute operativen Entwicklung in anderen Geschäftsbereichen der Bank habe aber geholfen, die Verluste abzufedern. „Die aktuelle Situation ist schwierig, wirft die WestLB aber nicht um“, sagte er laut Mitteilung.

Die Eigentümer der Bank sind seit langem über seine Zukunft zerstritten. Während die nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände als größter Eigner auf ein Zusammengehen mit der Stuttgarter LBBW drängen, tritt die Landesregierung auf die Bremse und will Alternativen prüfen.

Gutachten kommt Ende der Woche

Sie hat deshalb bei der Citigroup ein Gutachten zu Optionen für die Bank in Auftrag gegeben, das nach den Worten des Finanzministers von Nordrhein-Westfalen Helmut Linssen Ende der Woche erwartet wird. Die Landesregierung will auf Grundlage dieses Gutachtens über die West LB beraten und über deren Zukunft entscheiden. Sie hält durchgerechnet 38 Prozent an der West LB.

Rolf Gerlach hatte einen Zusammenschluss der West LB mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in Stuttgart favorisiert. Der Präsident des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe musste nun aber zum Jahresende sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der West LB niederlegen. Zu groß wurde offenbar der Druck auf ihn. Außerdem ist die LBBW nun selbst in den Strudel der Finanzkrise geraten. Damit ist diese Option unsicherer geworden.

Vorstand Emmerich gerät in die Schusslinie

Außerdem gerät West LB-Vorstand Norbert Emmerich verstärkt in die Kritik, der für das Sparkassengeschäft der West LB zuständig ist. Ihm wird zur Last gelegt, diesen Bereich nicht genügend entwickelt zu haben. Zudem ist strittig, wie stark Emmerich in die Aktiengeschäfte verwickelt war, die der West LB ein tiefes Loch in die Bilanz gerissen hatten. Er selbst soll eingeräumt haben, dass der Vorstand seinen ehemaligen Aufsichtsratsratsvorsitzenden Gerlach nicht umfassend und frühzeitig über diese Risikopositionen informiert hatte. Gleichwohl bestand Gerlach nicht auf der Abberufung Emmerichs.

Auch andere Banken getroffen

Hat das Geschäft mit den Sparkassen nicht genug vorangebracht: West LB-Vorstand Emmerich

Hat das Geschäft mit den Sparkassen nicht genug vorangebracht: West LB-Vorstand Emmerich

Die Finanzmarktkrise hatte auch anderen Banken in Deutschland die Bilanzen verhagelt. Die Düsseldorfer IKB schrammte nur knapp an der Pleite vorbei. Die LBBW musste Abschreibungen von 800 Millionen Euro verkraften, und auch die Bayern LB hat Abschreibungsbedarf eingeräumt, noch ohne eine konkrete Zahl zu nennen. Alle drei Banken waren als mögliche Kandidaten für ein Zusammengehen mit der West LB genannt worden. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat bislang eine Fusion der West LB abgelehnt.

Die West LB musste in den ersten neun Monaten aber nicht nur die Auswirkungen der Turbulenzen an den weltweiten Finanzmärkten verkraften. Auch Verluste im Eigenhandel rissen ein tiefes Loch in die Bilanzen der Bank. Unter dem Strich stand Ende September ein Konzernverlust von 148 Millionen Euro - im vergleichbaren Vorjahreszeitraum stand noch ein Gewinn von 142 Millionen Euro zu Buche.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Mit dem FAZ.NET-Stromrechner können Sie sich Ihren persönlichen Stromtarif kostenlos berechnen lassen. Jetzt hier klicken und Stromtarife vergleichen.

Dax
Tec
Dow
Nas
21.12.2009 | 17:45
Dax 5.930,53
+1,70 %
 
        Vortag
21.12.2009 | 23:04
Name Kurs in %
DAX 5.930,53 +1,70%
TecDAX 817,81 +0,30%
MDAX 7.454,26 +0,82%
SDAX 3.547,67 −0,22%
REX 378,50 −0,06%
Eurostoxx 50 2.926,05 +1,91%
Dow Jones 10.414,10 +0,83%
Nasdaq 100 1.828,79 +1,19%
S&P500 1.114,05 +1,05%
Nikkei225 10.183,50 +0,41%
EUR/USD 1,4269 −0,31%
Rohöl Brent Crude 72,62 $ −1,68%
Gold 1.104,50 $ −1,12%
Bund Future 122,90 € −0,43%
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche