15. März 2006 Der Münchener Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern MAN trennt sich überraschend von seiner lange defizitären Druckmaschinen-Tochter MAN Roland und konzentriert sich künftig auf nur noch auf vier Kernbereiche.
Der zweitgrößte Druckmaschinenhersteller der Welt soll in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Beteiligungsgesellschaft der Allianz, Allianz Capital Partners (ACP), eingebracht werden, die die Mehrheit daran übernimmt, wie MAN am Mittwoch mitteilte.
MAN-Roland wieder an die Börse
MAN werde - bezogen auf das Eigenkapital - noch mit 35 Prozent an dem Unternehmen beteiligt sein. In vier bis fünf Jahren solle MAN Roland, die erst 2003 vom Kurszettel genommen worden war, wieder an die Börse gebracht werden. Zum Verkaufspreis äußerte sich MAN nicht.
Für MAN Roland Druckmaschinen sehen wir noch großes Potential auf den Weltmärkten, sind aber sicher, daß sich das Unternehmen eigenständig außerhalb unseres Verbundes besser entfalten und flexibler auf die Marktanforderungen einstellen kann, begründete MAN-Chef Hakan Samuelsson den Verkauf. Die Geschichte von MAN Roland geht bis in das Jahr 1845 zurück, in dem eine der Vorgängerfirmen von MAN in Augsburg ihre erste Druckmaschine auslieferte. 1979 fusionierte die MAN-Drucksparte in Augsburg mit Roland in Offenbach.
Börse reagiert positiv
Die Allianz ist mit zwölf Prozent auch am größten MAN-Konkurrenten Heidelberger Druck beteiligt. Der Weltmarktführer wollte sich am Mittwoch nicht zu dem Verkauf äußern.
An der Börse kam die gut Nachricht an. Nachdem die Aktie anfänglich im Minus gelegen hatte, notierte sie am Nachmittag über vier Prozent im Plus bei 55,75 Euro.
Konzentration auf Transport und Mobilität
Mit der Trennung vom traditionsreichen Druckmaschinengeschäft konzentriert sich MAN mit Nutzfahrzeugen, Dieselmotoren, Industriedienstleistungen und Turbomaschinen auf Transport und Mobilität. Samuelsson hatte bereits angekündigt, alle Bereiche auch mit Zukäufen stärken zu wollen. Am Mittwoch wurde bekannt, daß MAN Turbo die Dampfturbinen-Sparte der Thyssen-Krupp-Tochter B+V Industrietechnik kaufen will.
MAN Roland produziert vor allem in Augsburg, Offenbach und Plauen. Die Tochter hatte jahrelang unter der Krise der Druck- und Zeitungsbranche gelitten und hat nach einem harten Sparkurs erst im vergangenen Jahr mit 65 Millionen Euro operativ wieder klar schwarze Zahlen geschrieben. Das Bogendruckmaschinen-Werk im hessischen Geisenheim war geschlossen worden. MAN Roland setzte im vergangenen Jahr mit 8.800 Mitarbeitern 1,74 Milliarden Euro um, 83 Prozent des Umsatzes wurden außerhalb Deutschlands erzielt. Der Chef von MAN Roland, Gerd Finkbeiner, begrüßte die künftige Eigenständigkeit. Unternehmen und Mitarbeiter bekommen damit eine langfristige Perspektive, sagte er.
Analysten hatten lange die breite Aufstellung des MAN-Konzerns moniert und eine Zerschlagung gefordert. Bei seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr hatte Samuelsson zwar am Konzept eines Mischkonzerns festgehalten, aber angekündigt, Verlustträger nicht mehr zu dulden. Jeder Bereich müsse für sich alleine stehen können, Quersubventionierung werde es nicht mehr geben. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich MAN von mehreren Randbereichen getrennt und unter anderem die Raumfahrt-Sparte MAN Technologie an die Bremer OHB Technology verkauft.
Text: AP
Bildmaterial: picture-alliance / dpa
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