Spitzelaffäre

Razzia bei der Telekom - Schäuble bestellt Topmanager ein

Von Helmut Bünder, Kerstin Schwenn und Johannes Winkelhage

Im Visier der Justiz: der frühere Konzernchef Ricke (l.) und der ehemalige Vo...

Im Visier der Justiz: der frühere Konzernchef Ricke (l.) und der ehemalige Vorsitzde des Aufsichtsrats Zumwinkel

30. Mai 2008 In der Affäre um Bespitzelung von Führungskräften und Journalisten durch die Deutsche Telekom hat die Staatsanwaltschaft in Bonn ein Ermittlungsverfahren eröffnet und am Donnerstag die Telekom-Zentrale in Bonn durchsucht. Auch Büros von T-Mobile und eines Berliner Unternehmens waren betroffen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft richten sich die Ermittlungen gegen acht Personen. Unter ihnen sind mit Kai-Uwe Ricke und Klaus Zumwinkel die ehemaligen Vorsitzenden von Vorstand und Aufsichtsrat sowie der frühere Leiter der Abteilung Konzernsicherheit, Harald Steininger.

Der Vorwurf lautet, das Unternehmen habe 2005 und 2006 in mehreren Fällen vertrauliche Daten über Telefonverbindungen zwischen Aufsichtsräten und Journalisten ausgewertet (Telekom-Spitzel schon seit dem Jahr 2000 unterwegs). Diese sind durch das Fernmeldegeheimnis geschützt. Die Telekom hatte der Staatsanwaltschaft selbst das belastende Material übergeben und um eine Prüfung gebeten.

Gewerkschafter stellen Strafanzeige

Schäuble hat Gesprächsbedarf

Schäuble hat Gesprächsbedarf

Darüber hinaus wollen auch der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, und Verdi-Vorstandsmitglied Lothar Schröder Strafanzeige stellen. Beide Gewerkschafter gehören dem Telekom-Aufsichtsrat an. Sie sehen sich daher als „potentiell Betroffene“ der Telefonüberwachung. „Wir haben den begründeten Verdacht, dass Grundrechte verletzt worden sind, das Fernmeldegeheimnis, die Pressefreiheit und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung“, teilten sie am Donnerstag in Berlin mit.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) bestellte derweil die Vorstandsvorsitzenden der deutschen Telekommunikationsanbieter für den kommenden Montag nach Berlin ein. Dort solle „erörtert werden, wie der Datenschutz in Unternehmen wirksam realisiert werden kann und welche Maßnahmen dazu beitragen können“, heißt es in der Einladung, die der F.A.Z. vorliegt. Der Minister formulierte als Ziel des Treffens: „Uns geht es darum, die Bedeutung des Datenschutzes in Unternehmen zu stärken, und darum, dass die Unternehmen von sich aus um ,good data governance‘ bemüht sind.“ Eingeladen ist auch René Obermann, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom (René Obermann: Im Kampf um seine Glaubwürdigkeit).

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp, dpa

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Telekom und Siemens

Feige Manager

„Ich war es nicht“, ist die derzeit beliebteste Aussage ehemaliger oder aktiver Führungskräfte bei der Telekom und Siemens. So kann es nicht weitergehen. Die Chefs bekommen auch dort mehr Geld, weil sie mehr Verantwortung haben. Die müssen sie dann aber auch übernehmen. Von Carsten Knop

Datenschutz

Telekom-Spitzel schon seit 2000 unterwegs

Die Spitzelei durch die Deutsche Telekom hat wohl schon deutlich früher begonnen als bisher bekannt. Auch die damaligen Vorstände und Aufsichtsräte geraten in den Verdacht, sie hätten versucht, Quellen von Journalisten zu enttarnen. Von Helmut Bünder, Carsten Knop und Johannes Winkelhage

René Obermann

Im Kampf um seine Glaubwürdigkeit

Der heutige Vorstandschef der Deutschen Telekom wird von der Historie des Bonner Konzerns, vielleicht aber auch von seiner eigenen Vergangenheit im engsten Führungszirkel eingeholt. Doch bisher gibt es Obermann nur ungeschicktes Taktieren vorzuwerfen. Von Helmut Bünder

Telekom

Keine Ermittlungen gegen Obermann

Auch die Durchsuchung der Konzernzentrale hätten keine Anhaltspunkte für die Verwicklung von Telekom-Chef Obermann in die Spitzel-Affäre gebracht, sagte Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel.

Akteure der Telekom-Spitzelaffäre

Detektive, Sicherheitsberater und Konzernpolizisten

Die Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom hat viele Akteure beschäftigt. Die wichtigsten sind wohl drei in der Berlin ansässige Sicherheitsunternehmen. Die Koordination lag aber bei der Sicherheitsabteilung der Telekom. Von Carsten Knop und Helmut Bünder

Straftatbestände in der Spitzelaffäre

Das Fernmeldegeheimnis wird streng geschützt

„Es darf durchaus bespitzelt werden“, sagt der Münsteraner Medienrechtler Hoeren. Allerdings ist das keine Rechtfertigung für die Machenschaften bei der Telekom. Ein Arbeitgeber ist höchstens berechtigt, zu kontrollieren, ob ein Angestellter verbotene Privatgespräche führt. Von Joachim Jahn

Telekom

Ricke wehrt sich gegen Spitzelvorwürfe

Die Spitze der Telekom selbst soll die Spitzeltätigkeit des Berliner Sicherheitsdienstes angeordnet haben. Das sagt der ehemalige Personalvorstand. Kai-Uwe Ricke, der frühere Vorstandsvorsitzende, will das nicht auf sich sitzenlassen.

Telekom

Staatsanwaltschaft ermittelt in Spitzelaffäre

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde die Telekom-Zentrale in Bonn am Donnerstag durchsucht. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge hat die Affäre größere Ausmaße als bislang angenommen.

Telekom-Affäre

Unter Verdacht

Wenn ausgeschiedene Vorstände versuchen, ihre Haut dadurch zu retten, dass sie ihren ehemaligen Chef und den Vorsitzenden des Aufsichtsrates beschuldigen, ist Feuer unter dem Dach. So steht es um die Deutsche Telekom. Von Johannes Winkelhage

Telekom-Spitzelaffäre

„Auftrag aus dem Umfeld Ricke und Zumwinkel“

Spezial In der Telekom-Spitzelaffäre hat die Firma ausgepackt, die mit dem Ausspähen von Mitarbeiter-Telefondaten beauftragt war: Von „ganz oben“ seien die Anweisungen gekommen, erklärte das Unternehmen gegenüber einer Zeitung. Und auch ein ehemaliger Vorstand belastet Kai-Uwe Ricke und Klaus Zumwinkel schwer.

Datenschutz

Spitzel in der Telekom

Haben Kontrollmechanismen der Telekom versagt oder wurden sie bewusst ausgehebelt, um Kunden zu bespitzeln? Sicher ist: Schon seit April weiß das Unternehmen über die Vorfälle Bescheid und hätte den Vorfall am liebsten unter den Tisch gekehrt. Von Helmut Bünder

Telefondaten ausspionieren

Die Technik

Das Erfassen von Verbindungsdaten gehört zum Kerngeschäft von Telefongesellschaften. Sogar die Daten von Gesprächen, die zum Kunden anderer Telefonanbieter mit Kunden der Telekom führen, landen in dem großen Datenpool der Telekom, da ein Teil der Übermittlung über ihr Netz abgewickelt wird. Von Johannes Winkelhage

Telekom-Spione

Staatsanwälte in eigener Sache

Die Telekom hat sich als eine Art Staatsanwaltschaft in eigener Sache betätigt. Denn eigentlich dürfen nur Strafverfolgungsbehörden in engen Grenzen die Verbindungsdaten von Telefonaten auswerten. Bei der Telekom waren die Daten schon da - und das hat das Unternehmen einfach ausgenutzt. Von Melanie Amann

Spitzelaffäre bei der Telekom

Obermann bemüht sich um Schadensbegrenzung

Gerade der Deutschen Telekom müsste am Vertrauen ihrer Kunden gelegen sein. Doch jetzt kämpft das Unternehmen selbst mit einem Bespitzelungsskandal - und bemüht sich um Schadensbegrenzung. „Die Daten unserer Millionen Mobilfunk- und Festnetzkunden sind sicher“, sagte der Vorstandsvorsitzende Obermann.