Von Daniel Schäfer
13. September 2007 Immer mehr Bankhäuser bringen sich für einen späteren Verkauf der staatlichen Anteile an der schwer angeschlagenen IKB Deutsche Industriebank in Stellung. Nach Informationen der F.A.Z. ist eine gute Handvoll großer Banken ernsthaft an einem Erwerb des durch Fehlspekulationen auf dem amerikanischen Immobilienmarkt in eine Schieflage geratenen Düsseldorfer Instituts interessiert: Bei den Großbanken Commerzbank und Hypo-Vereinsbank weckt der Mittelstandsfinanzierer ebenso Begehrlichkeiten wie bei den genossenschaftlichen Spitzeninstituten DZ Bank und WGZ-Bank. Auch das Bankhaus Sal. Oppenheim, welches mittlerweile einen Anteil von mehr als 5 Prozent an der börsennotierten IKB hält, ist interessiert. Wie üblich dürfte ein möglicher Verkauf auch eine Reihe von Finanzinvestoren anlocken, darunter die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Cerberus.
Ein späterer Verkauf sei für die an der Rettungsaktion der IKB beteiligten Banken eine Vorbedingung gewesen, ohne die sie nicht an dem Risikoschirm teilgenommen hätten, heißt es in Finanzkreisen. Derzeit verhandeln die beteiligten Parteien über die Verteilung des möglichen Verkaufserlöses. Zur Rettung der IKB hatten die KfW sowie die Verbände der drei Banksäulen Privatbanken, Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken einen 3,5 Milliarden Euro großen Risikoschirm vereinbart. Dabei war den Banken von Seiten der KfW eine Art Besserungsschein in Aussicht gestellt worden. In Finanzkreisen wird damit gerechnet, dass sich der Verteilerschlüssel an der Beteiligung am Risikoschirm orientieren wird.
Frage des Zeitpunkts und wie schön die Braut ist
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hatte den Verkauf des 38-Prozent-Anteils der staatlichen KfW-Bankengruppe an der IKB kürzlich in Aussicht gestellt. Auf einer Bankentagung in Frankfurt hatte Steinbrück eine politische Kehrtwende eingeschlagen, indem er sagte, eine Trennung von der IKB sei kein Tabu. Das ist eine Frage des Zeitpunkts und wie schön die Braut ist. Einen Monat zuvor hatte der SPD-Politiker den für Wirtschaft zuständigen Kabinettskollegen Michael Glos (CSU) öffentlich angeherrscht, weil dieser auf einen Verkauf gedrängt hatte.
Beobachter erwarten freilich nicht, dass ein Verkaufsprozess schon in diesem Jahr beginnen kann. Dieter Pfundt, Gesellschafter von Sal. Oppenheim, rechnet mit einem Verkauf innerhalb der nächsten zwei Jahre. Noch haben die von der KfW entsandten Manager alle Hände voll zu tun, die Bank aus der Krise herauszumanövrieren. Die IKB war durch eine rund 13 Milliarden Euro schwere Zweckgesellschaft namens Rhineland Funding, die in forderungsbesicherte Wertpapiere unter anderem auf dem amerikanischen Immobilienmarkt investierte und dies durch kurzfristige Schuldscheine refinanzierte, in Schwierigkeiten geraten.
Zweckgesellschaft Rhinebridge drohen Notverkäufe
Wie nun bekannt wurde, ist auch die erst im Juni gegründete, 2,3 Milliarden Euro große Zweckgesellschaft Rhinebridge ins Trudeln geraten. Rhinebridge musste nach Angaben aus Finanzkreisen auf Liquiditätslinien zurückgreifen, weil sie keine kurzlaufenden Schuldscheine (Commercial Papers) am Markt unterbringen konnte. Jetzt drohen Notverkäufe aus dem Portfolio, die angesichts der derzeitigen Marktlage nur mit größeren Abschlägen möglich sind. Diese Verluste würden direkt auf die IKB zurückfallen, weil sie diejenigen Refinanzierungspapiere der Rhinebridge auf ihre Bilanz genommen hat, die bei Verlusten zuerst im Feuer stehen. Nach den Worten eines IKB-Sprechers sind für derartige Einbußen ausreichende Rückstellungen gebildet worden, die in der vor einer Woche bekanntgegebenen Prognose voll berücksichtigt seien. Der IKB-Vorstandsvorsitzende Günther Bräunig hatte angekündigt, die Sanierung werde der Bank im laufenden Geschäftsjahr einen Verlust von bis zu 700 Millionen Euro bescheren.
Nach einer Sanierung wäre der Mittelstandsfinanzierer mit regionalem Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen ein überaus begehrter Übernahmekandidat. Zwar ist das Geschäft mit der Kreditvergabe an deutsche Familien- und Kleinunternehmen ein äußerst margenschwaches. Aber der hohe Marktanteil der IKB in der Langfristfinanzierung von zuletzt mehr als 13 Prozent ist überaus verlockend. Alle deutschen Großbanken wollen dieses Geschäft ausweiten, kommen aber zusammen gerade einmal auf einen Marktanteil von knapp 15 Prozent. Ähnlich wie im Privatkundensegment dominieren Sparkassen und Genossenschaftsbanken hierzulande fast zwei Drittel des Marktes. Besonders die Commerzbank könnte mit ihrer wichtigen Mittelstandsbank einen großen Schritt nach vorne machen.
Deutsche Bank hat kein Interesse
Aber auch die zur italienischen Unicredit gehörende Hypo-Vereinsbank will erklärtermaßen im deutschen Firmenkundengeschäft wachsen. Ein Zukauf käme für sie aber erst nach dem Jahresende infrage, weil sich der Unicredit-Konzern zunächst auf die Integration der kürzlich gekauften italienischen Capitalia konzentrieren will. Die Deutsche Bank dagegen kooperiert zwar im Schuldscheinprogramm Equinotes mit der IKB, hat aber kein Interesse an einem Kauf. Man muss nicht die ganze Kuh kaufen, wenn man nur ein Glas Milch haben will, heißt es in Frankfurter Finanzkreisen.
Text: F.A.Z., 13.09.2007, Nr. 213 / Seite 23
Bildmaterial: AFP
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