02. September 2008 Der indische Autobauer Tata hat nach massiven Protesten der Bevölkerung die Arbeit in einem Werk zum Bau des Billig-Kleinwagens Nano eingestellt. Der Konzern ist besorgt um die Sicherheit seiner Angestellten und Anlagen im indischen Singur. Derzeit prüfe Tata deshalb einen Werksbau an einem anderen Ort, sowie die Verlegung der Nano-Produktion auf andere Standorte erklärte das Unternehmen am Dienstag. Tata hat bereits rund 350 Millionen Dollar in das Werk im Bundesstaat West Bengalen investiert.
Nach anfänglichem Jubel über einen industriepolitisch wichtigen Schritt kam es zu Protesten, als die Regierung 400 Hektar Land für das Werk beanspruchte. Einige Bauern waren mit den angebotenen Entschädigungszahlungen für ihr Land nicht zufrieden.
Kluft zwischen Industrie und Landwirtschaft
Der Konflikt zeigt die Kluft zwischen Industrie und Landwirtschaft in Indien, wo zwei Drittel der Menschen von Ackerbau und Viehzucht leben. Der Nano, der umgerechnet 1700 Euro kosten soll, wird Tata zufolge gegen Oktober in den Handel kommen.
Erst am vergangenen Sonntag hatten Tausende Inder abermals gegen den Bau des Werks in Singur protestiert. Ein Team japanischer Experten musste unverrichteter Dinge wieder heimkehren, nachdem die Demonstranten die Bauarbeiten zum Erliegen brachten.
Schon vor gut einer Woche hatte Tata wegen der anhaltenden Proteste in Singur mit einer Verlagerung der Fabrik gedroht (siehe dazu auch: Bangen um den Nano: Tata spürt den Druck der Straße). Tata, Indiens wichtigster Autobauer, hat 350 Millionen Dollar (236 Millionen Euro) in das Projekt investiert. Mit dem Nano will der Konzern die Inder zum Umsteigen vom Moped ins Auto bewegen.
Der Wirtschaftsminister der Region, Nirupam Sen, zeigte sich von dem Baustopp schockiert. Das ist sehr bedauerlich. Es ist ein sehr trauriger Tag, sagte er. Da das Nano-Werk für die Region industriepolitisch wichtig ist, hatten sich die Bauern auf Druck von Wirtschaftsexperten und lokalen Behörden kürzlich zu neuen Gesprächen bereiterklärt. Beobachter erwarten, dass Bauern und Opposition nach dem Produktionsstopp nun unter erhöhtem Druck stehen, dem Projekt doch noch zuzustimmen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS
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