Hypothekenkrise

Bear-Stearns-Präsident tritt zurück

06. August 2007 Die amerikanische Hypothekenkrise hat ein erstes Opfer im Top-Management einer Großbank gefordert. Bei der amerikanische Investmentbank Bear Stearns trat einer der beiden Präsidenten mit sofortiger Wirkung zurück. Der 49-jährige Warren Spector war für das gesamte Kapitalmarktgeschäft der Bank zuständig und galt als Nachfolgekandidat für Bankchef James Cayne. Alleiniger Präsident ist nun Alan Schwartz, wie Bear Stearns am Sonntag mitteilte. Spector war neben Schwartz auch Co-Vorstand für das operative Geschäft. Diesen Posten wird nun Finanzchef Samuel Molinaro zusätzlich übernehmen.

Angesichts der Sorgen nach dem Zusammenbruch zweier Bear-Stearns-Fonds sei die Bank zu dem Schluss gekommen, das Management umzubauen, erklärte Konzernchef Cayne am Sonntag. Die Krise bei zweitklassigen Hypotheken (subprime mortgages) hatte die Fonds auf dem falschen Fuß erwischt: Sie verspekulierten sich bei Investitionen in Kreditderivate. Der Kollaps der Fonds schickte Schockwellen durch die Finanzmärkte weltweit.

Schlimmste Turbulenzen seit mehr als 20 Jahren

Am Freitag hatte Bear Stearns mit einer düsteren Einschätzung der gegenwärtigen Situation an den Anleihemärkten die Börsen erneut geschockt: Die Bank bezeichnete die jüngsten Turbulenzen als die schlimmsten seit mehr als 20 Jahren. Zudem kündigte das Geldhaus an, Aktienrückkäufe auszusetzen, um wegen der Lage an den Derivatemärkten Kapital zurückzulegen. Zuvor hatte die Agentur Standard& Poor's das Rating für Bear Stearns herabgestuft und gewarnt, dass die Hypothekenprobleme den Gewinn der Bank und ihr Ansehen längere Zeit beeinträchtigen könnten. Molinaro und Cayne versuchten darauf in einer hastig anberaumten Telefonkonferenz mit Analysten, um Vertrauen zu werben und die Sorgen von Anlegern zu zerstreuen.

Dem „Wall Street Journal“ zufolge hatte Bear Stearns über einen Einstieg der chinesischen Citic Group oder ein Joint Venture mit den Asiaten gesprochen. Doch nachdem der Finanzinvestor Blackstone für drei Milliarden Dollar einen Zehn-Prozent-Anteil an China verkauft hatte und andere Wall-Street-Unternehmen ähnliche Abschlüsse anstreben, hätten chinesische Investoren besere Optionen als Bear Stearns, schrieb die Zeitung unter Berufung auf eingeweihte Personen.

American Home Mortgage Investment ist pleite

Steigende Zinsen und fallende Immobilienpreise hatten zuletzt in den Vereinigte Staaten Schuldner mit geringer Bonität vermehrt in die Pleite getrieben. Weil die Finanzierungen ihrer Kredite gebündelt und als Derivate weiterverkauft wurden, sind neben den Banken auch Hedgefonds und andere Investoren von hohen Verlusten betroffen. Bislang beschränkte sich die Krise auf Institute, die sich auf Schuldner mit niedriger Bonität konzentriert haben.
Dies ist bei dem jüngsten Opfer in den Vereinigte Staaten aber nicht der Fall und lässt die Sorgen vor einer Ausweitung der Krise wachsen: Der Hypothekenfinanzierer American Home Mortgage Investment ging pleite und beantragte am Montag Gläubigerschutz. Ende vergangener Woche hatte das Unternehmen bereits den größten Teil seines Geschäfts eingestellt und 90 Prozent seiner rund 7400 Mitarbeiter entlassen.

Die Auswirkungen der Krise in den Vereinigte Staaten haben mittlerweile auch Deutschland erreicht: Die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB geriet in eine Schieflage und musste von der Förderbank KfW als Hauptaktionär mit einer milliardenschweren Bürgschaft gestützt werden.



Text: Reuters
Bildmaterial: AP

 
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TecDax 575,65 -4,72
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STOXX 50 2.876,57 +0,15
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S&P 500 Zert. 10,50 -1,78
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