04. Februar 2005 Die Ankündigung der Deutschen Bank, trotz hoher Gewinne Tausende von Stellen zu streichen, hat bei Politikern von Regierung und Opposition für Empörung gesorgt. Analysten dagegen hießen den Kurs der größten deutschen Bank gut.
Das ist eine Schweinerei, sagte der SPD-Fraktionsvize Michael Müller der Berliner Zeitung (Freitagausgabe). Die Gewinnerwartungen so zu Lasten der Arbeitsplätze zu überziehen, ist eine Unverschämtheit.
Poß: Moralisch fragwürdig
Auch vom Arbeitnehmerflügel der CDU wurde scharfe Kritik laut. Dies ist ein Zeichen, daß die Wirtschaftsethik verloren zu gehen droht, sagte der derzeitige Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels, der Bundestagsabgeordnete Gerald Weiß, der Zeitung. Die alleinige Rendite-Orientierung ist ein Ausweis kurzfristigen Denkens. Man muß für die Menschen und mit den Menschen wirtschaften.
Entrüstung über die Pläne der Bank gab es auch bei den Finanzexperten von Rot-Grün. Der SPD-Politiker Joachim Poß sprach von einem Kurs, der moralisch wie volkswirtschaftlich fragwürdig sei. Kurzfristige steuerpolitische Maßnahmen schloß er allerdings aus. Zunächst müsse in der Europäischen Union eine einheitlichen Bemessungsgrundlage für die Unternehmensbesteuerung erreicht werden.
Scheel: Nicht viel Einfluß
Die Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel sagte, gerade angesichts der neuesten Arbeitslosenstatistik, nach der in Deutschland mehr als fünf Millionen Menschen arbeitslos sind, sei die Ankündigung der Deutschen Bank höchst problematisch. Die Politik kann aber auf unternehmerische Entscheidungen nicht viel Einfluß nehmen, fügte sie hinzu.
Der niedersächsische SPD-Vorsitzende Wolfgang Jüttner beklagte ebenfalls die Machtlosigkeit der Politik. Derartiges Unternehmens-Verhalten dokumentiert, was für kleine Brötchen die Politik mitunter backt, sagte er.
Analysten stufen die Aktie hoch
Die Reaktionen aus Finanzkreisen fallen erwartungsgemäß anders aus: Die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley haben am Freitag ihre Bewertung der Aktien der Deutschen Bank nach Aussagen von Händlern auf Overweight hochgestuft.
Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann hatte am Vortag angekündigt, daß trotz des besten Geschäftsergebnisses seit vier Jahren weitere 6.400 Stellen abgebaut werden.
Text: FAZ.NET mit Material von AFP, dpa, Reuters und AP
Bildmaterial: AP, F.A.Z., FAZ.NET, picture-alliance/ dpa/dpaweb
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