Flugverbot

EU will Experten zu Onur Air hören

Warum müssen die Flugzeuge am Boden bleiben, fragt die EU?

Warum müssen die Flugzeuge am Boden bleiben, fragt die EU?

17. Mai 2005 Die Europäische Kommission hat ein Sondertreffen zu den Flugverboten für die türkische Gesellschaft Onur Air einberufen. Experten aller 25 EU-Staaten sollten so bald wie möglich über das weitere Vorgehen beraten, sagte ein Behördensprecher am Dienstag in Brüssel. Bei dem Treffen sollten die Vertreter der Niederlande, Deutschlands und Frankreichs ihre Gründe für das Aussetzen der Start- und Landeerlaubnis erläutern.

Falls die niederländische Flugaufsicht bei der Sitzung schwerwiegende Mängel darlege, könnte die Kommission nach Angaben ihres Sprechers die anderen EU-Staaten zu einem strengeren Vorgehen gegenüber Onur Air auffordern. Dies wäre aber nicht bindend.

Außerdem ist wegen des Streits ein Gespräch zwischen Vertretern des Luftfahrtbundesamtes und der Airline geplant. Das Treffen sollte am Dienstag stattfinden, wie eine Sprecherin der Braunschweiger Behörde sagte. Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Schröder und Erdogan um Tourismus besorgt

In den Streit um das Flugverbot hat sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eingeschaltet. Schröder und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan seien sich einig im Bemühen um die Aufhebung des Flugverbots, ließen beide Regierungschefs am Dienstag nach einem Treffen am Rande des Europarates in Warschau erklären. Die deutschen und türkischen Luftfahrtbehörden sollten demnach „in enger Zusammenarbeit mit der betroffenen Fluglinie sicherstellen, daß die festgestellten technischen Mängel umgehend beseitigt werden, so daß das Flugverbot so bald wie möglich aufgehoben werden kann“. Es müsse alles daran gesetzt werden, „daß der Tourismus in die Türkei keinen Schaden nimmt, sondern sich weiterhin stark und positiv entwickeln kann“.

Über zeitweilige Flugverbote entscheiden die nationalen Behörden allein. „Die Verantwortung liegt bei den Mitgliedstaaten“, betonte der Sprecher von EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot. Informationen zu Sicherheitsmängeln bei Fluggesellschaften tauschten die Länder über eine zwischenstaatliche Datenbank aus. Deren Inhalte seien vertraulich. Eine EU-Richtlinie zur Harmonisierung der Kontrollen und Verfahren trete erst Ende April 2006 in Kraft.

Schwarze Liste mit auffälligen Fluggesellschaften

Vor vier Wochen hatten die EU-Verkehrsminister sich auf die Schaffung einer Schwarzen Liste mit auffälligen Fluggesellschaften geeinigt. Einzelheiten müssen aber noch ausgehandelt werden. Die betroffenen Paßagiere sollen auch keine Rechte daraus ableiten dürfen, wenn sie den Mitflug bei einer Mängel-Airline verweigern.

Ein Krisengespräch niederländischer und türkischer Behördenvertreter am Montag war ergebnislos geblieben; die Unterredungen sollen am Mittwoch fortgesetzt werden.

Onur klagt gegen holländische Behörden

Laut türkischen Medienberichten sagten türkische Behördenvertreter nach ihrem Treffen mit Repräsentanten der niederländischen Luftfahrtbehörde am Montag, die niederländische Seite habe keine hinreichenden Gründe für das Flugverbot vorgelegt. Die Niederländer hätten Probleme an ein oder zwei Onur-Maschinen als „Vorwand“ benutzt, um ein Landeverbot für die gesamte Flotte auszusprechen. Onur Air will gegen die niederländischen Behörden vor Gericht ziehen.

Die Welle von Flugverboten gegen die Chartergesellschaft hatte am vergangenen Donnerstag in den Niederlanden begonnen. Einem Zeitungsbericht zufolge geht das Flugverbot auf wiederholte Probleme mit defekten Triebwerken und abgefahrenen Reifen zurück. Darüber hinaus fehlten Versicherungspolicen, die an Bord mitgeführt werden müßten, berichtete die „Bild am Sonntag“ unter Bezug auf niederländische Luftfahrtkreise. Einige Piloten hätten ihre Fluglizenzen nicht mit im Cockpit gehabt. Von der Fluggesellschaft in Deutschland war zu dem Bericht keine Stellungnahme zu erhalten.

Onur Air flog bisher fast alle großen Flughäfen in Deutschland an. Von dem Verbot sind laut Onur Air und der Reisebranche mehr als 2000 Deutsche betroffen. Die großen deutschen Reiseveranstalter bieten bereits seit Freitag Ersatzplätze in zusätzlichen Maschinen sowie in regulären Flügen an.

Text: FAZ.NET mit Material von AFP, dpa, Reuters
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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