18. September 2007 Der Auftakt zur Quartalssaison der amerikanischen Investmentbanken ist besser ausgefallen als erwartet. Die viertgrößte Investmentbank Lehman Brothers hat mit ihrem Ergebnis für das dritte Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen. Verluste im Hypotheken- und Anleihegeschäft wurden durch robuste Resultate im Aktienhandel und Investmentbanking, also der Beratung von Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen, kompensiert. Der Aktienkurs von Lehman Brothers reagierte im frühen Handel an der New Yorker Börse mit Aufschlägen.
Nach den jüngsten Turbulenzen an den Kreditmärkten wird den Ergebnissen der großen Investmentbanken große Aufmerksamkeit zuteil. Investmentbanken gelten als Trendindikator für die gesamte Börse. Am heutigen Mittwoch wird Morgan Stanley das Quartalsergebnis veröffentlichen, am Donnerstag folgen dann Goldman Sachs und Bear Stearns.
Bedeutsame Belastung erwartet
Lehman wies für das Ende August zu Ende gegangene Quartal einen gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent auf 887 Millionen Dollar zurückgegangenen Nettogewinn aus. Das entsprach 1,54 Dollar je Aktie. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Gewinn von 1,47 Dollar gerechnet. Die Resultate beinhalteten einen Sonderaufwand von 37 Millionen Dollar wegen Umstrukturierungen in der Hypothekensparte. Lehman hatte den Bereich für zweitklassige, sogenannte Subprime-Hypotheken geschlossen und insgesamt rund 2500 Stellen im Hypothekenbereich gekürzt. Der Aktienkurs von Lehman hatte sich in diesem Jahr wegen der Verwerfungen im Hypothekenmarkt um 25 Prozent ermäßigt. Das ist ein ordentliches Ergebnis trotz der dramatischen Schwäche in der Handelsparte für festverzinsliche Wertpapiere, kommentiere Analyst Douglas Sipkin von der Bank Wachovia. Analysten hatten die Prognosen für Lehman Brothers in den vergangenen Wochen um durchschnittlich 16 Prozent zurückgenommen.
Unterdessen haben das zweitgrößte amerikanische Kreditinstitut Bank of America und die große Direktbank E-Trade Financial ihre Aktionäre auf negative Auswirkungen der aktuellen Finanzkrise vorbereitet. Der Finanzchef der Bank of America, Joe Price, erwartet wegen der Marktturbulenzen eine bedeutsame Belastung der Gewinnwicklung. Die Einkünfte aus dem Wertpapierhandel der Bank seien von bisher nicht dagewesenen Verwerfungen im Markt für kreditfinanzierte Übernahmen, Subprime-Hypotheken sowie bei Unternehmensanleihen mit kurzer Laufzeit in Mitleidenschaft gezogen worden.
Jede Woche kommen mehr und mehr Daten zum Vorschein
Gestiegene Kreditausfälle im Segment von Hypotheken für Kunden minderer Bonität hatten in einer Kettenreaktion für eine Vertrauenskrise an den Kreditmärkten und für starke Schwankungen an den Aktienbörsen geführt. Die Hypotheken werden von Investmentbanken verbrieft, also in festverzinsliche Anleihen umgewandelt, und an institutionelle Investoren weitergereicht. Mehrere Großanleger, darunter Hedge-Fonds und deutsche Banken, waren wegen der Wertverluste dieser Papiere in Schieflage geraten. Das hatte zu einer Vertrauenskrise unter Banken geführt, da wegen der Intransparenz des Marktes nicht klar war, wie viele dieser Risikopapiere in den Depots der Banken liegen. Jede Woche kommen mehr und mehr Daten zum Vorschein, die den Rahmen für den gesamten Umfang der Probleme im Kreditmarkt abstecken, sagte Michael Barron, der Chef des Vermögensverwalters Knott Capital Management.
E-Trade hat wegen Verlusten im Geschäft mit Immobiliendarlehen ihre Gewinnprognose um 25 Prozent gesenkt. Noch in der vergangenen Woche hatte die Direktbank die Qualität ihres Hypothekenportfolios verteidigt. E-Trade will sich zudem aus dem Großhandelsgeschäft mit Hypotheken zurückziehen. E-Trade war ursprünglich ein reines Discount-Wertpapierhaus, hatte aber das während des Aufschwungs des Immobilienmarktes lukrative Hypothekengeschäft kräftig ausgebaut. Der Vorstandschef von E-Trade, Mitchell Caplan, rechnet nicht mit einem baldigen Ende der Hypothekenkrise vor 2009. Wir erwarten im Markt für Kredite und Wertpapiere ein Anhalten dieser Situation für den Rest des Jahres und für das gesamte kommende Jahr, sagte Caplan in einer Telefonkonferenz mit Analysten.
Die Investmentbank Merrill Lynch kündigte am Dienstag Stellenkürzungen bei der auf die Finanzierung von Subprime-Hypotheken spezialisierten Tochtergesellschaft First Franklin an. Merrill Lynch hatte First Franklin erst im Dezember für 1,3 Milliarden Dollar gekauft. Am vergangenen Freitag hatte Merrill von einem schwierigen Umfeld im Kreditmarkt gesprochen, das Wertberichtigungen bei Wertpapieren erfordere. Einige Analysten haben bereits in Frage gestellt, ob die Banken die Bewertung der mit Subprime-Hypotheken besicherten Anleihen ausreichend zurückgenommen haben. Zur Debatte steht die Bewertung von Wertpapieren, für die es angesichts ausbleibender Nachfrage von Investoren keinen Markt mehr gibt.
Text: nks. / F.A.Z., 19.09.2007, Nr. 218 / Seite 15
Bildmaterial: AP
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