Spitzelaffäre

Gelähmte Telekom

Von Johannes Winkelhage

Die Spitzelaffäre ist auch schlecht fürs Geschäft. Denn draußen dreht sich die Welt weiter

Die Spitzelaffäre ist auch schlecht fürs Geschäft. Denn draußen dreht sich die Welt weiter

05. Juni 2008 Während sich die Deutsche Telekom in Bonn mit dem Spitzelskandal beschäftigen muss und dort einen großen Teil der Managementkapazität bindet, dreht sich draußen die Welt weiter. Und sie dreht sich schneller, als es der Telekom lieb sein kann. Mit der Ankündigung, Telia Sonera kaufen zu wollen, macht sich France Télécom an eines der Filetstücke auf dem europäischen Markt heran – ohne dass die Telekom Gelegenheit hätte, dem etwas entgegenzusetzen.

Auch wenn dies vielleicht noch nicht in seiner ganzer Hässlichkeit sichtbar ist: Der Skandal schwächt das Unternehmen in seinen Expansionsabsichten. Es ist wahrscheinlich, dass es weitere Interessenten für Telia Sonera gibt, da sich Gelegenheiten wie diese auf dem europäischen Markt nicht mehr oft bieten.

Konsolidierung steht an

In Europa steht eine erste Runde der Konsolidierung unter den ehemaligen Monopolisten an, die alle noch zu einem guten Teil in staatlicher Hand sind. Welcher Staat aber könnte es rechtfertigen, seine Anteile an ein Unternehmen zu verkaufen, das sich solcher Methoden bedient hat wie die Telekom?

Gleiches gilt für die Vereinigten Staaten. Hier ist die Telekom im Mobilfunk gut im Geschäft – fällt aber durch die Fusion von Verizon mit Alltel auf den letzten Platz der größeren Anbieter zurück. Dabei waren in der Telekom offenbar Überlegungen im Gange, den Wettbewerber Sprint zu kaufen. Eine smarte Idee, die aber bis zur Aufarbeitung der Spitzelaffäre auf Eis gelegt sein dürfte. Dieser Skandal lähmt das Unternehmen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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