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Deutsche Börse gibt Euronext auf

Zieht die Notbremse: Deutsche Börse-Chef Reto Francioni

Zieht die Notbremse: Deutsche Börse-Chef Reto Francioni

15. November 2006 Die erhoffte europäische Börsenfusion wird es nicht geben: Die Deutsche Börse hat ihre Übernahmepläne für die Mehrländerbörse Euronext aufgegeben. Das teilte die Betreiberin des Frankfurter Handelsplatzes am Mittwoch mit. Dies entspricht einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die am Dienstag abend gemeldet hatte, der Vorstand des Frankfurter Börsenkonzerns diskutiere darüber, das Übernahmeangebot zurückzuziehen und werde Entscheidung über den Ausstieg noch am Mittwoch bekanntgeben.

Die Entscheidung beruhe auf der Einschätzung, daß eine von beiden Seiten erwünschte Transaktion nicht erreichbar sei, hieß es. Euronext habe die Gespräche mit der Deutschen Börse nicht wieder aufgenommen, obwohl sich Politiker, Anteilseigner und Aufsichtsbehörden für eine europäische Lösung ausgesprochen hätten.

Scheitern am Widerstand von Théodore

Bleibt wahrscheinlich selbständig: die Deutsche Börse in Frankfurt

Bleibt wahrscheinlich selbständig: die Deutsche Börse in Frankfurt

„Zusammenschlüsse in unserer Branche können nur dann erfolgreich sein, wenn sie sowohl vom Management beider Seiten als auch von der Industrie unterstützt werden“, sagte Deutsche-Börse-Vorstandschef Reto Francioni.

Der Kurs der Deutsche-Börse-Aktien war am Dienstag um fast 2 Prozent gefallen, womit sie die Verliererliste des Dax angeführt hatte. Einer der Auslöser für den Rückzug ist offenbar der zuletzt fehlgeschlagene Versuch französischer Emittenten und Händler, den Vorstandsvorsitzenden der Pariser Euronext, Jean-François Théodore, zu einem Umdenken zu bewegen. Théodore favorisiert ein konkurrierendes Angebot der amerikanischen New York Stock Exchange (Nyse). Auch vom Widerstand aus den Reihen der französischen Politik und der französischen Finanzplatzlobby Europlace hatte er sich nicht davon abbringen lassen.

Erfolgreich mit dem Status quo

Beobachter hatten zuvor die Chance der Deutschen Börse auf eine Übernahme der Euronext ohnehin nur noch als gering eingestuft. Denn dank des zuletzt kräftig gestiegenen Aktienkurses der Nyse hatte letztere mit ihrer konkurrierenden Offerte seit einigen Wochen deutlich die Nase vorn. Sowohl das Angebot der Deutschen Börse als auch das der Nyse ist an deren jeweiligen Aktienkurs gekoppelt. Während der Nyse-Vorstandsvorsitzende John Thain eine mögliche Aufstockung des Gebotes signalisiert hatte, war eine finanzielle Verbesserung des Angebots der Deutschen Börse in Finanzkreisen ausgeschlossen worden. Auch eine feindliche Offerte galt angesichts der politischen Dimension einer europäischen Börsenfusion als unmöglich. Zudem hatte es die Deutsche Börse nicht geschafft, die Borsa Italiana als Verbündete für eine Dreierallianz mit Euronext zu gewinnen.

Am Montag hatte Hessens Ministerpräsident Roland Koch gesagt, die Deutsche Börse sei stark genug, um allein Erfolg zu haben. Das hatte der Vorstandschef der Deutschen Börse, Reto Francioni, ebenfalls stets betont. „Wenn wir keine besseren Alternativen haben, können wir auch mit dem Status quo sehr erfolgreich sein“, hatte er bereits im Februar der F.A.Z. gesagt. Mit dem Rückzug setzt sich Francioni gegen seinen Aufsichtsratschef Kurt Viermetz und einige wichtige Aktionäre durch. Viermetz habe „auf Teufel komm raus“ eine Fusion mit Euronext durchdrücken wollen, heißt es in Finanzkreisen. Damit entsprach er dem Wunsch einiger an der Börse beteiligter Hedge-Fonds, die durch eine europäische Fusion einen Ausstieg aus ihrer Beteiligung einfädeln wollten.

Derweil erwägt Euronext, ihre Handelsgebühren im Falle einer Fusion mit Nyse zu senken. Eine Kürzung der Gebühren um 10 bis 15 Prozent sei dank erwarteter Synergien möglich, teilte Euronext mit. Die Aktionäre sollen nach Angaben einer Sprecherin noch vor Weihnachten auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über das Nyse-Gebot abstimmen.

Text: da., F.A.Z., 15.11.2006, Nr. 266 / Seite 23 und Material der dpa
Bildmaterial: AP, ddp

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