Finanzmarkt

Francioni wird Chef der Deutschen Börse

Reto Francioni kehrt zurück nach Frankfurt

Reto Francioni kehrt zurück nach Frankfurt

09. September 2005 Die Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Börse AG ist beendet: Reto Francioni, derzeit noch Chef der Schweizer Börse in Zürich, soll nach Informationen dieser Zeitung Nachfolger von Werner Seifert in Frankfurt werden. Ein entsprechender Vorschlag liegt offenbar dem Personalausschuß des Aufsichtsrats vor, der am Montag kommender Woche zusammentrifft. Neben dem Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Breuer gehören dem Ausschuß der ehemalige Chef der Fondsgesellschaft DWS Udo Behrenwaldt, der Privatbankier Friedrich von Metzler sowie der Betriebsratsvorsitzende Hans-Peter Gabe an. Sie werden der bisher streng geheimen Nominierung wohl zustimmen, heißt es in Kreisen der Deutschen Börse. Offiziell soll der neue Vorstandsvorsitzende nach den bisherigen Plänen am 10. Oktober bekanntgegeben werden.

Mit der Ernennung von Francioni würde das Vakuum geschlossen, das im Zuge des Machtkampfs von Seifert und Breuer mit Hedge-Fonds unter Führung der britischen TCI in diesem Frühjahr entstanden war. In dessen Verlauf hatte Seifert am 9. Mai seinen Rücktritt vom Vorstandsvorsitz bekanntgegeben. Breuer seinerseits hatte seine Bereitschaft erklärt, spätestens bis zum Jahresende aus dem Aufsichtsrat auszuscheiden. Die Auseinandersetzungen in der Deutschen Börse waren ein Spiegelbild der Machtausübung in einem Unternehmen. Diesen Kampf hatten die Aktionäre unter dem Rebellen Chris Hohn von TCI gegen Vorstand und Aufsichtsrat gewonnen. Obwohl Breuer offiziell noch mit der Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden beauftragt worden war, scheint die Nominierung von Francioni vor allem das Werk des designierten Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Viermetz zu sein. Die Personalie besitzt eine weitere persönliche Note von Brisanz: Seifert drängte Francioni einst mit der Unterstützung von Breuer aus der Deutschen Börse. Offenbar muß Viermetz in London noch einige Überzeugungsarbeit für seinen Kandidaten leisten, aber er soll, so hört man, nicht zuletzt die Unterstützung von TCI haben.

Schaulaufen Prominenter aus dem Finanzgewerbe

Der Machtkampf um die Deutsche Börse hatte sich an dem Versuch Seiferts entzündet, die Londoner Börse zu übernehmen. Die Gegner hielten dies für einen strategischen Fehler und drängten auf eine Ausschüttung der umfangreichen Barmittel, die die Börse für die weitere Expansion angesammelt hatte. Für die Aktionäre der Deutschen Börse war der Machtkampf nicht von Schaden: Der Aktienkurs gewann in diesem Jahr mehr als 70 Prozent. Die Aktie ist damit im bisherigen Verlauf des Jahres der weitaus stärkste Wert im Dax gewesen.

Die Suche nach dem Seifert-Nachfolger war in den Medien ein Schaulaufen von Prominenten aus dem deutschen Finanzgewerbe. Immer wieder wurden Namen kolportiert, von denen aber einige nie in der engeren Wahl gewesen waren. Besondere Aufmerksamkeit erregte eine Liste der mit der Suche beauftragten Personalberatung Spencer Stuart, die an die Öffentlichkeit geriet. Auf ihr standen Namen wie Paul Achleitner, Vorstand des Versicherungskonzerns Allianz, Deutsche-Bank-Vorstand Hermann-Josef Lamberti und Stefan Jentzsch, Vorstandsmitglied der Hypo-Vereinsbank.

Neben dem Vorstandsvorsitzenden muß die Deutsche Börse neue Kandidaten für insgesamt 8 ihrer 14 Aufsichtsratssitze finden. Am Mittwoch hatten Mehmet Dalman (früher Commerzbank) vom Hedge-Fonds WMG, Hessel Lindenbergh, ehemals bei der ING Bank, sowie Jentzsch ihren Rücktritt erklärt. Die acht neuen Aufsichtsratsmitglieder sollen ebenfalls am 10. Oktober vorgestellt werden. Offizielle Gründe für die Rücktritte werden nicht angegeben, doch TCI hatte in der Hochphase des Börsen-Streits den Austausch von acht Aufsichtsratsmitgliedern verlangt. Seifert selbst pokert um seine Abfindung, die ihm zugestandenen 8 Millionen Euro aus seinem Vorstandsvertrag hält er für zu gering. Daneben hat er ein mit Spannung erwartetetes Buch geschrieben. Es soll auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober vorgestellt werden.

Text: du., F.A.Z., 9. September 2005
Bildmaterial: AP

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