Automobile

Bosch legt BMW-Produktion lahm

Produktion des neuen 1er-BMW

Produktion des neuen 1er-BMW

28. Januar 2005 Ein fehlerhaftes Zulieferteil von Bosch legt die Produktion tausender Autos lahm. Die Hersteller müssen die Fertigung von Diesel-Fahrzeugen anhalten, weil ein von Bosch geliefertes Teil der Einspritztechnik Mängel aufweist.

Am stärksten betroffen ist offenbar BMW. Die über Fasching geplanten Werksferien in Dingolfing müßten um drei Tage verlängert werden, weil der Nachschub an fehlerfreien Einspritzpumpen fehle, bestätigte ein BMW-Sprecher auf Anfrage. In dieser Zeit könnten 3600 Autos nicht gebaut werden. Außerdem seien seit Dezember 13000 Fahrzeuge mit den mangelhaften Teilen ausgestattet worden. Diese seien aber erst teilweise ausgeliefert worden. Was mit diesen Fahrzeugen passiere, werde noch überprüft. Möglicherweise könne das fehlerhafte Teil beim nächsten Werkstattbesuch ausgetauscht werden. Ein Sicherheitsproblem gebe es nicht. Das größte Risiko sei eine Panne. Betroffen sind 6-Zylinder-Diesel-Modelle der Baureihen 5, 7, X3 und X5.

BMW: „Wir müssen dafür gerade stehen“

Bei Mercedes-Benz kann man nicht beziffern, wie viele Fahrzeuge schon mit den fehlerhaften Pumpen gebaut worden sind. Da der Mangel erst Anfang Dezember aufgetreten sei, habe man allenfalls einen kleinen Teil ausgeliefert. Betroffen sind die 6-Zylinder der E- und S-Klasse, die 5-Zylinder der E-Klasse und die 4-Zylinder-Motoren der C- und E-Klasse sowie der kleinen Nutzfahrzeuge Vito und Viano. "Bei uns kann aber durch die hohe Flexibilität in den Werken die Produktion aufrecht erhalten werden", sagte ein Sprecher der Daimler-Chrysler AG in Stuttgart. Bis wieder fehlerfreie Hochdruckpumpen geliefert würden, werde man verstärkt andere Modelle bauen. "Und wir werden die Rückstände aufholen können." Das ist auch bei BMW geplant. Die Rede ist von zusätzlichen Schichten, auch Samstags.

Weder Mercedes noch BMW wollten den Lieferanten der fehlerhaften Teile nennen. "Auf dem Auto steht BMW, also müssen wir auch dafür gerade stehen", sagte ein BMW-Sprecher. In der Branche ist aber nur von Bosch die Rede. Bei Robert Bosch selbst wollte niemand Stellung nehmen.

Schaden je Auto im vierstelligen Bereich

Der Zulieferer war im vergangenen Jahr bereits von zwei großen Rückrufaktionen betroffen. Zunächst mußte Mercedes 680000 Fahrzeuge wegen Problemen mit der Hochleistungsbremse SBC zurückrufen, dann meldete Volvo Probleme mit der Steuerung der Motorkühlung aus dem Hause Bosch, die zum Rückruf von 460000 Autos führte.

Aktuell sind offenbar noch Audi, Toyota und Opel von Problemen mit der Kraftstoffzufuhr betroffen, allerdings nicht jeweils mit den gleichen Teilen. Die Kraftstoffversorgung, die beim Diesel engsten Toleranzen unterliegt, ist ein besonders teurer Teil des Motors. Der Schaden je Auto liegt also nach Schätzungen von Fachleuten im vierstelligen Bereich.

Text: sup., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2005, Nr. 24
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

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