28. Mai 2008 Die amerikanische Billigfluggesellschaft Jetblue Airways hat den Kauf von 21 Airbus-Flugzeugen vom Typ A320 um vier bis fünf Jahre zurückgestellt. Dave Barger, der Vorstandsvorsitzende der Fluggesellschaft, an der die Deutsche Lufthansa mit knapp 20 Prozent beteiligt ist, begründete die Entscheidung in San Francisco mit den steigenden Treibstoffpreisen.
Auf der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin (ILA) wurde diese Nachricht als Zeichen für eine Konjunkturabkühlung gewertet. Airbus-Verkaufschef John Leahy rechnet mit einigen Verschiebungen und sehr wenigen Abbestellungen, wie er vor der Presse sagte. Aufschübe durch Fluggesellschaften könnten vor allem vom heftig umkämpften indischen Markt kommen, berichtete Leahy. Er setzte auch seine Prognose für den Absatz des Großraumflugzeuges A380 in diesem Jahr von 30 auf 20 Maschinen herunter.
2008 ein weiteres starkes Jahr
Mit den neuesten Schätzungen bewegt sich Airbus jedoch weiterhin innerhalb der konservativen Prognose vom Jahresbeginn. Bis Ende April 2008 hat Airbus 397 feste Bestellungen erhalten. Dies entspricht nicht nur einem Marktanteil von 53 Prozent, sondern auch mehr als der Hälfte der Jahresprognose von 700 Flugzeugen für das Gesamtjahr. Die anhaltende Nachfrage zeigte sich auf der ILA in einem neuen Auftrag der Fluggesellschaft Gulf Air aus Bahrain über 35 Airbus-Flugzeuge, darunter 20 A330-300 sowie 15 A320. Laut Listenpreis beläuft sich der Auftragswert auf rund 5 Milliarden Dollar.
2008 werde ein weiteres starkes Jahr werden, sagte der Airbus-Vorstandsvorsitzende Tom Enders vor Journalisten in Berlin. Der aktuelle Auftragsbestand laste das Unternehmen mehr als sechs Jahre lang aus. Dabei entwickle sich der Ingenieursmangel aber zu einem Nadelöhr. Airbus will in diesem Jahr 500 neue Ingenieure einstellen. In Deutschland braucht die Branche 4000 zusätzliche Ingenieure und 2000 Facharbeiter.
Weniger staatliche Hilfe als Boeing?
Doch nicht nur Fachkräfte fehlen dem Flugzeughersteller, sondern auch staatliche Hilfen, meint das europäische Unternehmen - jedenfalls dann, wenn es sich mit Boeing vergleicht. In der Frage nach staatlichen Entwicklungskrediten für das geplante Langstreckenflugzeug A350 erneuerte Enders die Forderung nach gleichen Rahmenbedingungen für Boeing und Airbus. Er ist der Ansicht, dass das Konkurrenzmodell 787 von Boeing das am höchsten bezuschusste Modell der modernen Luftfahrtgeschichte ist. Die für Airbus zuständigen Minister aus Frankreich, Großbritannien, Spanien und Deutschland haben bisher keinen Beschluss über die Zuschüsse gefasst, aber gefordert, dass der Schwerpunkt der Entwicklung in Europa stattfinde.
Enders dagegen will sich von dieser Einengung freimachen, da sich Airbus internationaler aufstellen und in der ganzen Welt Ingenieurszentren eröffnen müsse. Bisher hat Airbus offiziell noch keine Subventionen beantragt. Sie könnten den Streit mit Boeing vor der Welthandelsorganisation (WTO) erschweren. Der Konflikt schwelt vorerst weiter. Enders erinnerte daran, dass Airbus bis heute die erhaltene Entwicklungsförderung einschließlich Zinsen und Lizenzgebühren fristgerecht zurückgezahlt habe. Die Regierungen hätten damit ein gutes Geschäft gemacht.
Proteste nicht zu vermeiden
Der Airbus-Chef ging auch auf die in Frankreich kursierende Kritik an einer angeblichen Bevorzugung der deutschen Beschäftigten und Standorte im Airbus-Konzern ein. Proteste seien nicht zu vermeiden, wenn man Einschnitte vornehmen müsse, sagte er. Ich bin nicht zu beunruhigt, wenn einige Leute meinen, sie hätten ihre Rechte verloren. Er beharrte darauf, dass man die Belastungen den Airbus-Beschäftigten in gleichmäßiger Weise zumute. Französische Gewerkschaften, die Industrie- und Handelskammer von Toulouse und sozialistische Abgeordnete der Nationalversammlung hatten die Airbus- und EADS-Führung kritisiert.
In Frankreich sind bereits 2000 Arbeitsplätze abgebaut worden, in Großbritannien 850, doch in Deutschland noch kein einziger, sagte der sozialistische Abgeordnete Gérard Bapt aus Toulouse. Der EADS-Vorstandsvorsitzende Louis Gallois begründete dies mit den deutschen Sozialplänen, die mehr Zeit in Anspruch nähmen. Er sagte aber, dass dies korrigiert werden muss. Am heutigen Donnerstag will er sich nach Toulouse begeben, um mit Betroffenen und Amtsträgern vor Ort zu sprechen.
Enders wies daraufhin, dass Airbus auch in Deutschland unter Druck stehe. Der niedersächsische Ministerpräsident Christan Wulff hatte in einem Brief staatliche Hilfen an die Bedingung geknüpft, dass die Führung einer neu gegründeten Tochtergesellschaft für Strukturteile in Hamburg angesiedelt sein solle.
Text: chs. / F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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