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Die Vermögensfrage

Bausparen kann sich für junge Leute lohnen

Von Volker Looman, Reutlingen

23. Mai 2009 Bausparverträge haben bei jungen Akademikern nicht den besten Ruf. Teils gelten sie als hausbackene Verträge mit geringer Verzinsung, teils wird ihnen nachgesagt, dass sie beim Bau oder Kauf von Eigenheimen bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein seien, teils wird behauptet, Bauverträge seien während der Rückzahlung wegen der hohen Tilgung eine Gefahr für Leib, Leben und Geldbeutel. Die einzelnen Aussagen sind in Ansätzen richtig, falls das Bausparen übertrieben wird, doch wenn die Kirche im Dorf bleibt, wie es so schön heißt, sind und bleiben Bausparverträge für Investitionen, die in der Zukunft liegen, durchaus eine Überlegung wert. Das gilt vor allem für junge Sparer, die besonderen Wert auf Sicherheit legen.

Bei der Anlage nicht auf Abwege geraten

Ein diplomierter Ingenieur ist 27 Jahre alt. Er ist ledig und hat ein Nettoeinkommen von 1.800 Euro im Monat. Damit liegt er im Mittel, weil sich die Anfangsgehälter junger Ingenieure zwischen 38.000 und 48.000 Euro bewegen. Bei einem Gehalt von beispielsweise 42.000 Euro bleibt nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern rund die Hälfte übrig, so dass in den ersten Jahren monatlich knapp 1.800 Euro in die Kasse fließen.

Dem Jungingenieur schwebt vor, in einigen Jahren eine kleine Wohnung zu kaufen. Später soll das Objekt einmal in ein Eigenheim getauscht werden. Am Ende soll freies Kapital für die Altersversorgung aufgebaut werden.

Man kann darüber streiten, ob der Vermögensaufbau in dieser Form sinnvoll ist oder nicht. Maßgebend ist letztlich der Wille des Anlegers, und wer solche Ziele verfolgt, sollte nach Möglichkeit nicht auf Abwege geraten. Kapitalpolicen, Leibrenten, Riester-Verträge und Rürup-Renten sind, auch wenn alle Welt davon redet, in diesem Fall mit Vorsicht zu genießen.

Die Angebote sind Maßnahmen für die Altersvorsorge, und die Sparer bekommen ihr Geld in Form lebenslanger Renten zurück. Das wird in vielen Fällen ein Segen sein, doch wer in seine Lebensplanung auch Eigenheime und Kredite einbindet, fährt mit dem Wechsel kurzer Sparverträge und schneller Kredittilgung besser.

Optimisten fangen schon früh an zu sparen

Noch wichtiger sind jedoch Fortbildung und Karriere. Wenn die Eigentumswohnung zum Beispiel in acht Jahren, also mit Mitte dreißig, gekauft werden soll und 200.000 Euro kostet, sollte Eigenkapital in Höhe von 50.000 Euro vorhanden sein, weil es sonst Ärger mit der Bank geben wird.

Das Ziel fordert bei dem gegenwärtigen Zinssatz von etwa 2,5 Prozent für sichere Verträge monatliche Sparraten von knapp 500 Euro, und da ist es kein Wunder, dass junge Menschen hin und her gerissen sind.

Manche Anleger behaupten, dass Nettogehälter von 1.800 Euro völlig unrealistisch seien. Andere Sparer hauen sich vor Lachen auf die Schenkel, wie man von 1.800 Euro regelmäßig 500 Euro sparen soll. Die dritte Gruppe der Berufseinsteiger hat Zweifel, ob Wohneigentum sinnvoll ist.

Solchen Leuten ist in der Tat schwer zu helfen, doch es gibt auch andere Fraktionen, die sich sagen: Anfangen ist besser, als gar nichts zu tun, Optimismus und Vertrauen ist das halbe Leben, gute Leute werden immer gebraucht, und wenn die Leistung stimmt, wird auch das Gehalt in Ordnung sein.

Die Optimisten werden mit monatlichen Sparraten von 100 oder 200 Euro beginnen und versuchen, die Beträge durch beruflichen Aufstieg auf 400 oder 500 Euro zu erhöhen. Wer bei diesen Perspektiven zusätzlich das Eigenheim im Visier hat, sollte sich intensiv mit Bau- und Banksparverträgen beschäftigen, weil die Alternativen gefährlich sind.

Abgeltungssteuer und Solidaritätszuschlag fällig

Die Bausparkasse in Schwäbisch Hall, das größte Unternehmen seiner Art in Deutschland, bietet ihren Standardtarif mit einem Mindestsparguthaben von 50 Prozent an. Wer in Hall einen Bausparvertrag über 30.000 Euro abschließen will, muss zunächst 1 Prozent auf den Tisch legen.

Werden die 300 Euro nicht bar entrichtet, wird die Abschlussgebühr mit den ersten Sparraten verrichtet. Die monatlichen Regelsparraten betragen 5 Promille der Bausparsumme, so dass im vorliegenden Fall monatlich 150 Euro fällig sind.

Der Habenzins liegt bei 1 Prozent pro Jahr und wird für die gesamte Sparzeit garantiert. Seit dem 1. Januar 2009 unterliegen die Zinsen jenseits des Freibetrages von 801 Euro der Abgeltungsteuer und dem Solidaritätszuschlag.

Das kann 26,375 Prozent der Erträge kosten, doch im vorliegenden Beispiel fallen keine Abgaben an, weil der Freibetrag noch in voller Höhe zur Verfügung steht. Daher wird es nach der Barzahlung der Gebühr voraussichtlich 98 Monate dauern, bis das Mindestsparguthaben von 15.000 Euro erreicht worden sein wird.

Aus Spar- und Kreditverträgen keine Summen bilden

Nach der Sparphase kommt die Tilgungszeit. Zugeteilt wird ein Darlehen von knapp 15.000 Euro. Gebühren bei der Auszahlung der Kredite gehören in Deutschland der Vergangenheit an, so dass der Bausparkredit zum Kurs von 100 Prozent valutiert werden wird.

Der Sollzins liegt bei 3,95 Prozent, und die Rate für Zins und Tilgung beträgt 6 Promille der Bausparsumme oder 180 Euro pro Monat. Die monatliche Zins- und Tilgungsverrechnung der Rückzahlungen fordert von dem Schuldner genau 96 Raten, bis das Darlehen vollständig getilgt ist.

Für den Bausparer reduzieren sich die Konditionen auf zwei Abschnitte. Erst sind 98 Raten à 150 Euro fällig, dann folgen 96 Raten à 180 Euro. Die 194 Raten sollten nach Möglichkeit nicht addiert werden, weil die Bildung von Summen bei Spar- und Kreditverträgen im Chaos endet.

Stattdessen sollten die Zahlungen auf den Sparvertrag einer Bank übertragen werden. Anschließend wird die Frage gestellt, wie hoch der Sollzins eines freien Darlehens sein darf, wenn zur Rückzahlung dieses Kredites die Raten der Bausparkasse verwendet werden.

Kredit darf nicht teurer als Bausparkasse sein

Ein Blick ins Internet zeigt, dass Sparverträge im Augenblick nur noch mit 2,50 bis 2,75 Prozent pro Jahr verzinst werden. Bei einem Mittelwert von 2,75 Prozent entfallen wegen des Freibetrages weiterhin Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag.

Auch ist bei den Banken keine Abschlussgebühr zu bezahlen, so dass alle Zahlungen in den Spartopf wandern. Dadurch steigt das Vermögen innerhalb von 98 Monaten auf knapp 16.000 Euro. Sie mindern das nötige Darlehen auf ungefähr 14.000 Euro.

Der Kredit muss bei einer Bank aufgenommen werden, und der Sollzins ist weder bekannt noch garantiert. Berechenbar ist nur die Höhe des kritischen Sollzinses. Wenn dieser Kredit mit 96 Raten von jeweils 180 Euro bedient wird, kommen 5,2 Prozent heraus. So viel darf der Kredit in acht Jahren höchstens kosten, um nicht teurer als die Bausparkasse zu werden.

Wenn die Zinsen in acht Jahren für ein Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung wie zurzeit bei 4 bis 4,5 Prozent liegen, ist die freie Spar- und Kreditkombination günstiger. Sollten die Zinsen zu diesem Zeitpunkt jedoch bei 5 oder 5,5 Prozent pro Jahr liegen, wird die Bausparkasse vorteilhafter sein.

Mit zwei Einkommen leichter zu schaffen

Die Unsicherheit über die künftige Zinsentwicklung ist für die meisten Privatleute das entscheidende Argument für den Abschluss eines Bausparvertrages, und wenn die Kirche im Dorf bleibt, um das Bild noch einmal in Erinnerung zu rufen, sind Bausparverträge durchaus sinnvoll. Damit ist es aber nicht getan. Der Bausparvertrag liefert in acht Jahren ein Eigenkapital von 15.000 Euro, so dass weitere 35.000 Euro nötig sein werden, falls es bei angepeilten 50.000 Euro bleibt.

Wenn mit dem nächsten Vertrag zum Beispiel in drei Jahren begonnen wird, wird die Sparzeit auf fünf Jahre sinken. Das erfordert bei einem Zins von 2,75 Prozent monatliche Raten von je 555 Euro. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, weil bei einer Sparquote von 20 Prozent brutto 60.000 Euro verdient werden sollten. Unmöglich ist das Ziel aber nicht. Entscheidend sind Optimismus und Vertrauen in die Zukunft.

Ergänzend sollte die Wahl des Ehepartners mit gewisser Ernsthaftigkeit betrieben werden. Erstens setzt Liebe viel Energie frei, und zweitens sind hohe Berge mit zweitem Einkommen etwas schneller zu überwinden.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.-Kai

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