Vermögensfragen

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Die Vermögensfrage

Beteiligungen und Kredite sind eine hochexplosive Mischung

Von Volker Looman

02. Dezember 2007 Die Kapitalmärkte stürzen viele Anleger in ein Wechselbad der Gefühle. Gehen die Kurse und Zinsen nach oben, ist die Freude groß, doch bei fallenden Werten werden die Gesichter lang. Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass Beteiligungen in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen haben. Investitionen in Flugzeuge, Schiffe und Windkraftanlagen verbinden Anleger mit der Hoffnung, sich von den Berg-und-Tal-Fahrten der Kapitalmärkte abkoppeln und stabile Erträge erzielen zu können.

Momentan sind Investitionen in die öffentliche Infrastruktur wie beispielsweise Autobahnen, Kläranlagen und Wasserkraftwerke groß in Mode. Die dürfte noch nach der Bundesratssitzung am Freitag belebt werden. Künftig können sich auch Privatanleger an Infrastrukturfonds beteiligen, die über öffentlich-private Partnerschaften finanziert werden. Bei Infrastrukturfonds besteht die Hoffnung, über lange Zeiträume hinweg Erträge von 8 bis 12 Prozent pro Jahr einzustreichen und auf diese Weise die Rentabilität des Privatvermögens zu steigern.

Rückflüsse aus Erträgen und Kapital

Bei diesen Zahlen ist es kein Wunder, dass pfiffige Vermittler auf die Idee gekommen sind, die Beteiligungen mit Krediten zu garnieren, um die Rentabilität der Anlagen zu erhöhen. So lassen sich auf dem Papier leicht Renditen in zweistelliger Höhe erzielen, doch die Kombinationen sind, wie in folgendem Beispiel deutlich wird, gefährliche Mischungen. Ein Anleger will sich mit 100.000 Euro an einem Geschäft beteiligen, das 25 Jahre bestehen soll. In dieser Zeit wird mit jährlichen Erträgen gerechnet, die bei 8.000 Euro beginnen und im Rhythmus von fünf Jahren um jeweils 1.000 Euro steigen. Insgesamt erhält der Anleger, wie in der zweiten Spalte der Tabelle deutlich wird, 250.000 Euro zurück, so dass sich die Frage stellt, wie hoch die Verzinsung des Geschäftes ist.

Die Division sämtlicher Rückflüsse (250.000 Euro) durch die Laufzeit (25 Jahre) führt zu einem Mittelwert von 10.000 Euro. Das sind 10 Prozent der Investition, so dass die Antwort auf der Hand liegt, dass die Verzinsung eigentlich auch 10 Prozent pro Jahr betragen müsse. Das ist aber ein Trugschluss, weil das eingesetzte Geld am Ende der Laufzeit verbraucht ist. Umgekehrt bedeutet diese Aussage, dass die laufenden Rückflüsse nicht nur aus Erträgen, sondern aus Erträgen und Kapital bestehen.

Höhere Zahlungen führen nicht automatisch zu höheren Renditen

Beteiligungen sind keine Geldanlagen wie Anleihen oder Immobilien, bei denen das eingesetzte Kapital am Ende der Laufzeit wieder zurückfließt, sondern sie sind Entnahme- oder Rentenpläne, bei denen das Kapital im Laufe der Zeit aufgezehrt wird, weil die Anlagen am Ende nichts mehr wert sind. Dafür sind die jährlichen Rückflüsse höher als die Erträge der Anlagen mit Kapitalerhalt. Die höheren Zahlungen führen aber nicht automatisch zu höheren Renditen. Im vorliegenden Fall rentiert sich die Beteiligung mit 7,89 Prozent pro Jahr.

Hinter dem internen Zinsfuß steckt ein Kapitalkonto, das mit 100.000 Euro beginnt. Nach einem Jahr gibt es Zinsen von 7.890 Euro. Dadurch steigt das Guthaben kurzfristig auf 107.890 Euro. Weil dem Anleger aber 8.000 Euro zufließen, sinkt der Saldo am Tag auf 99.890 Euro. Diese Berg-und-Tal-Fahrt - erst die Zinsen, dann die Ausschüttung - wiederholt sich von Jahr zu Jahr, und wenn die Rechnung korrekt ist, muss das Konto mit einer Null enden.

Oft einfache Antworten

Die Struktur des Zahlungsplans, bestehend aus einer Einzahlung und 25 Auszahlungen, zeigt in aller Deutlichkeit, dass die Geldanlage in erster Linie für Investoren in Frage kommt, die auf hohe Rückflüsse angewiesen sind. Das können beispielsweise Leute sein, die sich im Alter von 60 Jahren zur Ruhe setzen und mit Hilfe solcher Finanzgeschäfte ihre Rente aufbessern wollen. Genauso kommen solche Konstruktionen aber auch für Menschen in Frage, die einen Teil ihres Vermögens auf diese Weise anlegen müssen, weil sie das Geld zum Leben benötigen. In beiden Fällen wird die Rendite stets 7,89 Prozent betragen, weil die Rückflüsse verzehrt werden.

Anders sieht die Sache aus, wenn die Anleger die jährlichen Rückflüsse gar nicht brauchen. In solchen Lebenslagen stellt sich natürlich die Frage, warum das Geld in Beteiligungen angelegt wird. Die Antworten sind in vielen Fällen einfach. Erstens lockt die hohe Rendite, zweitens gefällt vielen Anlegern die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt, und drittens gibt es keine Beteiligungen, die statt laufender Ausschüttungen hohe Einmalbeträge am Ende der Laufzeit zurückzahlen. Das bedeutet im Klartext, dass sich alle Anleger selbst um die Wiederanlage der Rückflüsse kümmern, wenn das Geld nicht benötigt wird.

Eine Geldanlage mit einmaliger Rückzahlung

Die Wiederanlage hat Auswirkungen auf die Rentabilität. Wer zum Beispiel nach einem Jahr die erste Ausschüttung wieder anlegt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit für 8.000 Euro keine Beteiligung finden, die 24 Jahre läuft. Genauso wenig kann der Anleger damit rechnen, die ersten 12.000 Euro vier Jahre zu einem hohen Zinssatz anlegen zu können. Das führt in der Regel dazu, dass das Kapital anfangs in Geldmarktfonds angesammelt und im Laufe der Zeit in Anlagen mit höheren Zinsen umgeschichtet wird.

Wenn die einzelnen Ausschüttungen im Durchschnitt zu 3 Prozent wieder anlegt werden, werden sich auf dem Konto im Laufe der 24 Jahre insgesamt 354.000 Euro ansammeln. Durch diese Technik wird aus der Beteiligung und ihren Folgegeschäften eine Geldanlage mit einmaliger Rückzahlung. Eingesetzt werden 100.000 Euro, zurück fließen 354.000 Euro. Das führt für den Anleger zu einer Realrendite von 5,19 Prozent. Das Ergebnis sieht danach aus, dass die schöne Beteiligung schlechtgerechnet werden soll, doch das stimmt bei nüchterner Betrachtung der Dinge nicht.

Ergebnisse lassen sich steigern

Jeder einzelne Anleger, der in seinem Leben mit einem bestimmten Geldbetrag startet und die Rückflüsse nicht verbraucht, wird das Kapital nicht in der Schublade bunkern, sondern er wird die Rückflüsse in irgendeiner Form wieder anlegen und nach einigen Jahren die Frage stellen, was eigentlich aus dem Startbetrag geworden ist. Damit reduziert sich die Betrachtung - unabhängig von den konkreten Finanzgeschäften - auf den Vergleich von Einsatz und Rückfluss und die Höhe der Realrendite.

Die Ergebnisse lassen sich mit Hilfe von Fremdkapital steigern, und das ist ein gefundenes Fressen für Verkäufer und Vermittler von Geldanlagen. Wenn die 100.000 Euro zum Beispiel mit einem Kredit von 40 Prozent unterlegt werden, muss der Anleger nur 60.000 Euro einsetzen, wie in der mittleren Spalte der Tabelle deutlich wird. Dafür muss der Investor die Schulden nebst Zinsen zurückzahlen. Dies sind bei einem Sollzins von 5,5 Prozent jährlich 2.982 Euro, so dass die Rückflüsse der Beteiligung um diese Beträge sinken. Dafür klettert die Rendite dieses Geschäftes, bestehend aus der Einzahlung von 60.000 Euro und den 25 Rückflüssen von 5.000 bis 9.000 Euro, beim Verbrauch der Überschüsse auf 9,19 Prozent pro Jahr.

Es muss sich ein „dummer“ Kreditgeber finden

Bei solchen Verzinsungen ist es kein Wunder, dass viele Beteiligungen mit Krediten bezahlt werden. Die Verschuldung bietet freilich nicht nur Chancen, sondern enthält auch Risiken. Was passiert zum Beispiel, wenn die Rückflüsse ins Wanken geraten? Wie endet die Geschichte, wenn die Rückzahlungen ganz ausbleiben? Unabhängig davon stellt sich die Frage, was die Anleger, die ursprünglich Geld anlegen wollten und wegen der scheinbar höheren Verzinsung in letzter Sekunde auf den Kreditzug aufgesprungen sind, mit ihrem Kapital machen. Verbrauchen sie das Geld, oder legen sie Kapital in andere Geschäfte an?

Ihre volle Schönheit entfaltet die Beteiligung in der rechten Spalte. Hier wird die Anlage zu 100 Prozent auf Pump gekauft, und das Ergebnis erinnert an das Schlaraffenland: Nichts tun, nur leben! Der Anleger setzt kein Kapital ein und erhält Jahresrenten, die bei 500 Euro beginnen und im Laufe der Zeit auf 4.500 Euro steigen. Bei diesem Zahlungsstrom kann wegen der Null am Anfang gar keine Rendite berechnet werden.

Das ist auch nicht schlimm, weil bei diesem Geschäft ganz andere Dinge wichtig sind. Erstens muss sich ein „dummer“ Kreditgeber finden, der sein Geld nicht in Beteiligungen, sondern in Anleihen investiert, und zweitens braucht der Anleger den starken Glauben, dass bei diesem Handel nichts anbrennt.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.



Text: F.A.Z., 01.12.2007, Nr. 280 / Seite 22
Bildmaterial: F.A.Z.-Kai, FAZ.NET

 
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