Vermögensfragen

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Die Vermögensfrage

Klassische Basisrenten bringen hohe Renditen

Von Volker Looman

19. April 2008 Die Basis- oder Rürup-Rente ist in den vergangenen Monaten in steuerlicher Hinsicht verbessert worden. Trotzdem bleiben die Spar- und Rentenverträge eine durchwachsene Sache. Sie bieten auf der einen Seite sowohl Angestellten als auch Selbständigen die Möglichkeit, einen Teil der Altersversorgung mit Hilfe hoher Steuervorteile aufzubauen. Doch auf der anderen Seite ist die Rürup-Rente ein Knebelvertrag.

Das angesparte Geld wird lediglich nur als Rente ausbezahlt, und der Vertrag ist nur in Maßen vererbbar. Die beiden Nachteile sind für viele Anleger so wunde Punkte, dass die Steuervorteile in den Hintergrund treten und die Rente ein Schattendasein fristet. Im Vergleich zur Riester-Rente sind die Verkaufszahlen der Basisrente kaum der Rede wert, und ob sich daran in Zukunft viel ändern wird, steht in den Sternen. Die Chancen und Risiken der Verträge sind in folgendem Beispiel erkennbar.

Ein schlichter Spar- und Rentenvertrag

Ein 50 Jahre alter Freiberufler will in den nächsten 15 Jahren monatlich 2000 Euro fürs Alter auf die hohe Kante legen. Hierfür bietet sich nach Angaben der Stiftung Warentest die Basisrente der Cosmos Lebensversicherung AG in Saarbrücken an. Das Unternehmen steht in den Analysen neutraler Beobachter seit Jahren an der Spitze, und auch in der jüngsten Untersuchung der Stiftung ist die Gesellschaft wieder auf dem ersten Platz gelandet.

Wer auf die Internetseite des Direktversicherers geht und die passenden Daten eingibt, bekommt zur Antwort, dass dieser Anleger vom 65. Geburtstag an mit einer lebenslangen Rente von 2703 Euro im Monat rechnen kann. Außerdem gibt das Unternehmen eine Rendite von 4,44 Prozent an. Das sieht auf den ersten Blick verlockend aus, doch wer sich ein bisschen in der Finanzmathematik auskennt und den Rechner aus der Tasche holt, wird bald merken, dass die Verzinsung nicht den Tatsachen entspricht.

Das Geschäft ist ein schlichter Spar- und Rentenvertrag. Erst überweist der Anleger monatlich Geld nach Saarbrücken, dann fließt monatlich Geld zurück. Bei den Einzahlungen stehen die Zahlungsdauer und die Prämien fest; im vorliegenden Fall sind es 180 Raten von jeweils 2000 Euro. Die Höhe und die Dauer der Renten stehen aber nur auf dem Papier. Erstens werden die monatlichen 2703 Euro nicht garantiert, und zweitens ist lebenslang ein relativer Begriff. Wer früh stirbt, wird nicht viel bekommen haben, und wer lange lebt, wird der Gesellschaft kräftig auf der Tasche gelegen haben.

Der Pferdefuß der Basisrente

Im Mittel werden die Menschen, die heute schon 50 Jahre auf dem Buckel haben, etwa 85 bis 90 Jahre alt, so dass die monatliche Rente voraussichtlich 20 bis 25 Jahre fließen wird. Bei einer Dauer von 240 Monaten beträgt die Rendite jährlich 3,47 Prozent, und bei einer Leistung von 300 Monaten sind 4,30 Prozent erzielbar. Die stolzen 4,44 Prozent der Cosmos beruhen auf dem Trick, lediglich die Verzinsung der Einzahlungen zu berechnen. Das Unternehmen erläutert im Internet, dass nach 180 Sparraten von jeweils 2000 Euro voraussichtlich 508.000 Euro für die Verrentung zur Verfügung stehen werden. Wenn diese Werte in Beziehung zueinander gesetzt werden, ergibt sich eine jährliche Verzinsung von 4,44 Prozent.

Mit dieser Zahl kann der Anleger in der Praxis freilich nichts anfangen, weil er nicht an das Geld herankommt. Das Kapital fließt, das ist der Pferdefuß der Basisrente, nur in Form einer Rente zurück. Daher können die 4,44 Prozent manchen Anleger in die Irre führen. Die Stiftung Warentest ist bei ihrer Analyse ziemlich radikal. Sie fragt weder nach dem Kapital am Ende der Sparzeit, noch will sie wissen, wie hoch die Rente eines Tages sein könnte. Sie stellt allein die Garantierente in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Bei der Cosmos gibt es eine Festrente von 1620 Euro im Monat. Wenn das wirklich alles ist, hätte der Anleger mit Sicherheit ein miserables Geschäft gemacht, weil eine Rendite von 0,44 Prozent im Jahr wahrlich kein Anlass zum Jubeln ist.

Bei anderen Gesellschaften kann freilich noch weniger Geld fließen, so dass Basisrenten im schlimmsten Fall fragwürdige Wechselgeschäfte sind. Es kommt hinten heraus, wie der gemeine Landarzt sagt, was vorne hineingesteckt worden ist. Die Diagnose führt zu klaren Therapien. Pessimisten schauen auf die Garantierente und sollten die Finger von der Basisrente lassen, Optimisten sehen auf die Überschussrente und sollten die Frage stellen, wie hoch die Verzinsung nach Steuern ist.

Es winken Steuervorteile bis zu 9000 Euro im Jahr

Die jährlichen Aufwendungen für die Basisrente können bei Ehepaaren bis zu einer Höhe von 40.000 Euro als steuerliche Sonderausgaben geltend gemacht werden. Von diesem Betrag werden 2008 genau 66 Prozent angesetzt, und dieser Satz steigt bis 2025 jedes Jahr um 20 Basispunkte. Im Gegenzug ist die Basisrente erst 2026 in voller Höhe steuerpflichtig. Bis dahin gelten niedrigere Sätze, und wer zum Beispiel in 15 Jahren in den Ruhestand gehen wird, muss von der Basisrente nur 83 Prozent versteuern.

Der Abzug der Prämien als Sonderausgaben und die Belastung der Renten als Einkünfte führen im vorliegenden Fall zu 15 Steuervorteilen und 20 Steuernachteilen. Die Höhe der einzelnen Zahlungen richtet sich nach dem Einkommen des Anlegers. Wenn der Investor bis zur Pensionierung zum Beispiel jährlich 100.000 Euro versteuert, winken Steuervorteile von 6000 bis 9000 Euro im Jahr, und bei einem Einkommen von 30.000 Euro im Ruhestand stehen dem Anleger jährliche Abgaben von 8000 Euro ins Haus.

Die Alternativen sind in der Regel bescheiden

Das führt zu einer Rendite von 4,11 Prozent im Jahr. Dies ist für eine Geldanlage, die auf festverzinslichen Anleihen aufbaut, ein hervorragendes Ergebnis. Trotzdem zeigen die meisten Privatleute, vor allem die mit hohem Einkommen, der Basisrente die kalte Schulter, weil sie keine Lust haben, sich vom Staat die Gestaltung der Altersversorgung vorschreiben zu lassen. Das ist verständlich, doch es ist bemerkenswert, dass gerade die Anleger, die kein Steuersparmodell auslassen und auf hohe Renditen versessen sind, solchen Wert auf finanzielle Freiheit legen.

Die Alternativen sind in der Regel bescheiden. Der Spar- und Rentenvertrag ist zum Beispiel über reine Anleihen darstellbar. Hierfür winken im Augenblick rund 4 Prozent im Jahr, und wenn die Zinsen der Abgeltungsteuer unterworfen werden, bleiben davon 3 Prozent übrig. Das ist im Vergleich zur Basisrente ein Minus von 40 000 Euro, so dass klar wird, wie viel die Freiheit kostet. Umgekehrt stellt sich die Frage, welche freien Anlagen notwendig sind, um im Verlauf von 35 Jahren auf eine jährliche Rendite von 4,12 Prozent zu kommen. Die Antwort liegt auf der Hand. Renditen von mehr als 4 Prozent nach Steuern für Spar- und Rentenverträge sind nur mit einer Mischung aus Anleihen und Aktien erzielbar Doch das treibt zahlreichen Anlegern den Schweiß auf die Stirn. Rendite plus Flexibilität zuzüglich Sicherheit und Steuervorteilen sind aber ein bisschen zu viel auf einmal. Weniger freundlich ausgedrückt, heißt die Feststellung, dass der Wunsch nicht erfüllbar ist. Das ist ähnlich wie in der Ehe. Wer im Leben die totale Freiheit sucht, muss dafür einen Preis bezahlen, und wer zur Bindung bereit ist, wird mit entsprechenden Vorteilen belohnt.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.-Kai

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