Vermögensfragen

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Die Vermögensfrage

Anleger sollten auf neue Bausparverträge verzichten

Von Volker Looman

25. Mai 2008 Das Frühjahr ist seit Jahrzehnten die Zeit des Eigenheims. Mieter mit Geld in der Hand suchen Grundstücke und Häuser, und Hausbesitzer ohne Geld im Rücken legen Hand an, um ihre Objekte, die in die Jahre gekommen sind, wieder auf Vordermann zu bringen. Insofern ist es kein Wunder, dass die Banken und Bausparkassen lukrative Geschäfte wittern und mit Hochdruck für ihre Angebote werben.

Wer in diesen Tagen durchs Internet streift, wird sich zum Teil die Augen reiben, wie die Kreditgeber um Kunden werben. Da ist zum Beispiel die Spardabank in Stuttgart. Die Bank der Angestellten und Beamten glänzt seit Jahren mit hausbackenen Standardprodukten, doch jetzt heißt es dort: Bauen, modernisieren, kaufen, umschulden, und zwar zu Top-Zinsen. Die Zinsen von 4,64 Prozent für ganze 15 Jahre seien die Riesen-Kreditchance, so trommeln die Schwaben, und die dürfe auf keinen Fall vergeben werden, um das persönliche Sommermärchen wahr zu machen.

Nur Nachteile für Privatleute

In dieselbe Richtung trompetet die Bausparkasse in Schwäbisch Hall. Dort gibt es - professioneller und ruhiger verpackt - bis zum 31. August 2008 das Sonderkreditprogramm für jeden Bedarf. Die Konditionen mögen auf den ersten Blick toll aussehen, doch die Privatleute, die wirklich an die Modernisierung oder den Umbau ihres Hauses denken, sollten trotz der frühlingshaften Temperaturen einen kühlen Kopf bewahren, weil nirgendwo mehr geflunkert wird als auf hoher See, vor Gericht und bei Finanzgeschäften. Das Angebot der Bausparkasse, das Modell Fuchs Modernisierung 15, ist bei nüchterner Analyse der Dinge keine schlaue Idee, sondern ein uralter Hut.

Es geht um die Aufnahme eines Darlehens, das nicht Monat für Monat, sondern in neun Jahren mit Hilfe eines Bausparvertrages zurückgezahlt werden soll. Fachleute wissen seit Jahr und Tag, dass solche Modelle vielen Privatleuten nur Nachteile bringen, doch die Bausparkassen ficht diese Kritik nicht an. Sie loben mit stoischer Gelassenheit die günstigen Konditionen, und sie preisen die schnelle Rückzahlung. Sonderzahlungen seien zu allen Zeiten möglich, und in Schwäbisch Hall werde, so ist im Internet zu lesen, nun auch auf die Zuschläge für Kleindarlehen verzichtet. Das ist eine noble Geste, doch wer den Bleistift spitzt, erkennt, dass solche Lockrufe ihr Geld nicht wert sind.

Die große Bausparkasse wirbt für kleine Darlehen von 25.000 Euro. Die Kredite kosten jährlich 4,65 Prozent, und die Konditionen sind für neun Jahre fest. Das heißt im Klartext, dass für die 25.000 Euro monatlich 96,88 Euro zu entrichten sind. Die Zinsen müssen am Monatsanfang fällig sein, weil im Internet ein effektiver Jahreszins von 4,77 Prozent angegeben wird. Für die Tilgung der 25.000 Euro wird ein Bausparvertrag in gleicher Höhe abgeschlossen. Der Eintritt in den Club der Füchse kostet 250 Euro, doch von dieser Aufnahmegebühr werden die meisten Anleger nicht viel spüren, weil der Betrag nicht bar eingetrieben, sondern mit den ersten Sparraten verrechnet wird. Die monatlichen Leistungen liegen bei 112 Euro, und der Habenzins beträgt ein Prozent im Jahr. Das führt im Laufe der Jahre zu einem Endguthaben von 12.386 Euro und dem nüchternen Fazit, dass sich das Geschäft unter dem Strich mit 0,5 Prozent im Jahr verzinsen wird.

Sicher, preiswert und gut?

Die spärliche Rendite wird nirgendwo erwähnt, und selbst wenn der Magerzins in irgendeiner Fußnote auftauchen würde, sind Zweifel angebracht, ob sich die Sparer von diesem Trauerspiel beeinflussen lassen würden, weil sie nur den niedrigen Zinssatz des Bauspardarlehens vor Augen haben. Er wird 1,95 Prozent im Jahr betragen, so dass die Welt wieder in Ordnung ist. Der Umstieg auf den preiswerten Kredit fordert weiterhin Tilgungsraten von 209 Euro im Monat. Bereits nach 63 Monaten werden die Schulden vom Tisch sein, so dass sich der arglose Modernisierer zu Recht fragt, was bei dieser Finanzierung anbrennen soll.

Die Lunte für den finanziellen Schwelbrand wird in den ersten Jahren gelegt. Der Anleger nimmt einen Kredit auf, der jährlich 4,77 Prozent kostet und nicht getilgt wird. Statt dessen bezahlt der Anleger die Tilgung in einen Topf ein, der mit 0,5 Prozent verzinst wird. Das ist ein jährliches Minus von 427 Basispunkten, so dass selbst nach dem Genuss von zwei Flaschen ordentlichen Trollingers deutlich werden müsste, dass das Geschäft nicht laufen kann. Doch beim Bausparen gelten seit Generationen andere Gesetze. Die Angebote sind in den Augen der meisten Privatleute sicher, preiswert und gut, und dieses Urteil ist härter als der Beton, für den die Verträge verwendet werden.

Die Einschätzung ist richtig, wenn es um Investitionen geht, die in der Zukunft liegen, doch falls das Geld sofort benötigt wird und der Sparvertrag sofort mit einem Kredit verknüpft wird, kann der Schuss nur nach hinten losgehen. Die negative Zinsdifferenz bis zur Zuteilung des Bauspardarlehens dauert 63 Prozent der gesamten Laufzeit und zieht den Sparer so in den Keller, dass die Verluste nicht mehr aufholbar sind. Daher kostet die Modernisierung weder günstige 4,77 Prozent, wie das Vorausdarlehen vorgaukelt, noch preiswerte 3,5 Prozent, die sich aus dem Mittelwert des Vorauskredites und des Bausparkredites ergeben. Der nackte Zahlungsstrom von einer Auszahlung von mehr als 25.000 Euro und 171 Einzahlungen von je 209 Euro schlägt mit 5,6 Prozent zu Buche, und das ist im Vergleich zu den aktuellen Alternativen viel Geld.

Persönliche Liebhaberei

Die Alternative zu diesem teueren Spaß kann das Angebot der Spardabank sein. Dort kosten die 25.000 Euro mit einer Zinsbindung von 15 Jahren zur Zeit nominal 4,65 Prozent. Das bedeutet unter dem Strich eine Rückzahlung von 180 Raten von jeweils 193 Euro im Monat. Die monatliche Differenz von 16 Euro sieht auf den ersten Blick nach wenig Geld aus, doch auch Kleinvieh produziert im Laufe der Zeit ordentlich Mist. Im Verhältnis zum Einsatz ist die Differenz hoch. Wenn die Differenzen zur Tilgung verwendet werden, könnte der Kreditzins der Bank vom neunten Jahr an, wenn das „günstige“ Bauspardarlehen zugeteilt wird, bis auf 14 Prozent klettern, so dass deutlich wird, wie schwer die Zinsverluste der ersten Jahre wiegen und der Anleger tatsächlich Geld verschwendet, wenn er die Offerte der Bank verschmäht.

Trotzdem ist auch diese Lösung nur zweite Wahl. Doch das liegt nicht an den Konditionen der Bank, sondern an der Frage, warum die Rückzahlung der Schulden überhaupt 15 Jahre dauern soll. Modernisierungen oder Umbauten des Eigenheims sind allen Unkenrufen zum Trotz selten Maßnahmen, welche den Wert des Hauses erhöhen. In aller Regel sind Renovierungen persönliche Liebhaberei. Dagegen ist nichts einzuwenden, doch Privatleute sollten nicht darauf vertrauen, dass sie das Geld eines Tages wiedersehen. Diese Investitionen sind mehr Konsum als Investition, und daher drängt sich die Frage auf, warum die Finanzierung des Umbaus insgesamt 15 Jahre dauern soll.

Falls die Antwort lautet, dass mehr als 200 Euro zur Zeit gar nicht tragbar seien, sollte das ganze Vorhaben zur Diskussion gestellt werden, weil die Anleger finanziell am Abgrund stehen. Und wenn die Antwort lautet, dass der Zinssatz so niedrig sei, neigen die Investoren - gelinde gesagt - zu maßloser Übertreibung, weil mit sicheren Anlagen nicht mehr Geld verdient werden kann. Kurzum: Modernisierungen sind Konsum, und die Schulden sollten so schnell wie möglich getilgt werden, am besten binnen fünf bis zehn Jahren. Bei solchen Laufzeiten sind Einsparungen von 20 bis 30 Basispunkten denkbar, so dass der Traum vom neuen Bad oder dem schöneren Garten zu halbwegs akzeptablen Preisen wahr werden kann.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.-Kai

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