Von Volker Looman
18. Mai 2009 In den letzten 20 Jahren war die Welt für Sparer in Ordnung. Sie haben mit Hilfe privater Rentenversicherungen jährliche Renditen von mehr als 5 Prozent erzielt, wie Manfred Poweleit, der Herausgeber des map-report, in seiner jüngsten Analyse erläutert. Er hat sich die Ablaufleistungen von 21 privaten Rentenversicherungen angesehen, die vor 20 Jahren abgeschlossen und in die jährlich 1200 Euro - also 100 Euro je Monat - einbezahlt worden sind. Im Schnitt sind 42.000 Euro herausgekommen. Das ist eine Rendite von 5,1 Prozent je Jahr. Die beste Gesellschaft ist der Volkswohlbund mit einer Ablaufleistung von 46.000 Euro. Das entspricht einer Verzinsung von 5,8 Prozent pro Jahr. Schlußlicht ist die Bayerische Beamtenversicherung mit einer Kapitalabfindung von 39.000 Euro beziehungsweise einer Rendite von 4,4 Prozent pro Jahr.
Von solchen Ergebnissen können die heutigen Sparer nur noch träumen. Die Zinsen sind in den Keller gefallen, und die Ablaufleistungen sind nicht mehr steuerfrei. In Zukunft unterliegt die Hälfte der Erträge der persönlichen Besteuerung, wenn die Ablaufleistung nicht verrentet wird. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob es sich lohnt, heute eine Rentenversicherung mit einer Laufzeit von 20 Jahren abzuschließen. Die Antwort ist nicht einfach. Wer einfache und solide Sparverträge sucht, ist mit den Policen nicht schlecht bedient, doch wer hohe Zinsen sucht, sollte sich die Sache genau überlegen. Das wird in der Analyse einer Rentenversicherung der Cosmos aus Saarbrücken deutlich.
In aller Deutlichkeit: Es gehen noch Steuern ab
Die Gesellschaft ist eine Direktversicherung ohne Außendienst, so dass für den Kunden keine Provisionen anfallen. Wer zum Beispiel heute 47 Jahre alt ist und diesem Unternehmen in den nächsten 20 Jahren jeweils 1200 Euro überweist, kann laut des Internet-Rechners der Gesellschaft mit einer Kapitalabfindung von 41.000 Euro rechnen. Das würde zu einer Verzinsung von 4,8 Prozent je Jahr führen. Wie die Gesellschaft, die in Deutschland zu den führenden Unternehmen zählt, dieses Ergebnis erzielen will, steht freilich nicht im Internet. Das bleibt der Phantasie der Privatleute überlassen. Die heutigen Zinssätze für Wertpapiere liegen bei 4 bis 4,5 Prozent pro Jahr, so dass schon ein kleines Wunder geschehen müsste, um in 20 Jahren auf eine Ablaufleistung mit einer jährlichen Rendite von 4,8 Prozent zu kommen.
Aus diesem Grund ist es sinnvoll, sich einmal die garantierte Abfindung anzusehen. Hier werden 29.000 Euro genannt. Das entspricht einer Leistung von 1,9 Prozent je Jahr. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das tatsächliche Ergebnis irgendwo in der Mitte bei 3,4 Prozent liegen. Das wären ungefähr 35.000 Euro. Von diesem Betrag gehen aber, um das noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen, noch Steuern ab. Die Erträge von 11.000 Euro sind zur Hälfte steuerpflichtig, so dass bei einem Steuersatz von 30 Prozent schätzungsweise 1650 Euro abzuführen sind. Das führt unter dem Strich zu einer Verzinsung von genau 3 Prozent nach Steuern.
Wo winken höhere Zinsen?
Das ist im Vergleich zu den alten Rentenversicherungen eine Einbuße von rund 5000 Euro, so dass es auf der Hand liegt, nach Alternativen zu suchen. Vor allem in Zeiten, in denen Inflationsraten von 4 bis 5 Prozent drohen, weil sich der Staat über beide Ohren hinaus verschulden will, stellt sich die Frage, wo höhere Zinsen winken. Die Antwort ist ganz einfach: Nirgendwo. Wer auf Sicherheit bedacht ist, muss sich zur Zeit und wahrscheinlich auch in Zukunft mit niedrigen Zinsen zufriedengeben. Da hilft kein Blick in die Vergangenheit, und da hilft auch kein Blick in die Zukunft, weil der heutige Markt ist, wie die Verhältnisse eben sind.
Bei der ING-DIBA, einer Direktanlagebank in Frankfurt, gibt es für Sparverträge mit Laufzeit von 15 bis 20 Jahren zur Zeit einen Festzins von 2,8 Prozent je Jahr. Davon ist die Abgeltungsteuer abzuziehen, so dass jährliche Zinsen von 2,1 Prozent winken. In Euro und Cent führen 20 jährliche Sparraten von jeweils 1200 Euro am Ende der Laufzeit zu einem Guthaben von 30.000 Euro. Das sind im Vergleich zu der Rentenversicherung rund 3350 Euro weniger, so deutlich wird, dass die Zinsen auch in Banken nicht in den Himmel wachsen.
Fast schon Nulldiät
Magerkost droht auch den Anlegern, die von Anfang an planen, das Endguthaben in eine lebenslange Rente umzuwandeln. Die Cosmos schreibt im Internet, dass ein Kunde, der heute 47 Jahre alt ist und 20 Jahresraten à 1200 Euro einbezahlt, ab dem 67. Lebensjahr mit einer monatlichen Garantierente von 125 Euro rechnen könne. Das ist fast schon Nulldiät, weil die Rendite unter der Voraussetzung, dass diese Rente bis zum 85. Lebensjahr fließen wird, bei 0,3 Prozent je Jahr liegt. In diesem Fall würde sich der Griff zum Füllhalter gar nicht mehr lohnen, weil Kunden für einfachen Geldwechsel eigentlich keine Hilfe brauchen.
Die Versicherungen kennen diese Zahlen, doch sie machen um solche Betrachtungen einen großen Bogen. Erstens hoffen sie, dass bei den Erträgen mehr als die garantierten Zinsen herauskommen, und zweitens verweisen sie auf die Pflicht, die Renten lebenslang bezahlen zu müssen. Durch die Verwendung falscher Sterbetafeln haben sich die Gesellschaften in den letzten Jahren so blutige Nasen geholt, dass sie heute über die Maßen vorsichtig geworden sind und die Lebenserwartung stark erhöht haben.
Wer schlichte Sparverträge sucht, findet Magerkost
Die Zurückhaltung bringt aber den Anlegern, die mit dem Garantiezins und einer Lebenserwartung von 85 Jahren rechnen, keinerlei Nutzen. Sie können nur beten, dass die Erträge höher sein werden. Hier macht die Cosmos zwei Angebote. Sie stellt auf der einen Seite eine gleichmäßige Monatsrente von 217 Euro in Aussicht, und sie macht Hoffnung auf eine dynamische Monatsrente, die bei 172 Euro beginnt und jedes Jahr um 2 Prozent steigt. Wer die Zahlen in einen Computer steckt, kommt auf Ergebnisse von 3,3 und 2,8 Prozent je Jahr. In beiden Fällen gibt die Gesellschaft die Garantie, die Renten mindestens 10 Jahre zu bezahlen. Stirbt der Kunde zum Beispiel mit 71 Jahren, wird die Rente den Hinterbliebenen noch sechs Jahre lang bezahlt.
Von beiden Renditen sind für die Steuern auf die Ertragsanteile jeweils 30 Basispunkte abzuziehen, so dass jährliche Ergebnisse von 2,5 bis 3 Prozent übrigbleiben. Die Resultate werden mit hoher Wahrscheinlichkeit unter den Inflationsraten der kommenden Jahre liegen, doch für alle Sparer, die hohen Wert auf einfache und sichere Verträge legen, gibt es kaum Alternativen. Da helfen keine Hinweise auf Aktiensparpläne, die vielleicht mehr Ertrag abwerfen, da nützen keine Verweise auf Immobiliensparpläne, die möglicherweise Schutz vor Geldentwertung liefern. Wer schlichte und stabile Sparverträge sucht, muss sich mit Magerkost abfinden.
Mineralwasser und Schwarzbrot sind die beste Versicherung
Basisrenten und Rentenfonds sind ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Bei den ersten Verträgen sind die Prämien bis zum Rentenbeginn steuerlich als Sonderausgaben abzugsfähig, doch die Bezüge sind in hohem Maße steuerpflichtig, so dass die anfänglichen Vorteile im Laufe der Zeit wieder verpuffen. Die Rentenfonds liefern unter Strich kaum bessere Ergebnisse, weil die Ausgabeaufschläge und die jährlichen Verwaltungskosten an der Rendite nagen.
Bei diesen Perspektiven wird sich mancher Sparer fragen, ob sich die Vorsorge überhaupt lohnt. Die Zweifel sind berechtigt, doch wer das Geld lieber auf den Kopf haut, frei nach dem Motto, dass das Leben nicht erst mit 66 Jahren beginnt, muss im Alter den Gürtel, so bitter das klingt, eben etwas enger schnallen. Thilo Sarrazin, der knorrige Bundesbankvorstand, könnte sicherlich schon heute Trost spenden: Autos und Urlaube müssen im Alter nicht mehr sein, und Mineralwasser und Schwarzbrot sind die beste Versicherung gegen Fettleibigkeit und Herzinfarkte!
Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Kai
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Die Kommentare sind um Klassen besser als der Artikel
22:23Man hätte doch jemanden zum Löschen....
22:21 22:19 22:16Obama, Merkel und Röttgen haben die Klimakatastrophe scheitern lassen