Von Volker Looman
05. April 2009 Die Turbulenzen auf den Kapitalmärkten und in der Politik sorgen bei vielen Anlegern für Unruhe. Auf der einen Seite brennt Investoren die Sicherheit des Geldes auf den Nägeln, und auf der anderen Seite geht es um die Frage, wie die drohende Inflation bekämpft werden kann. Die beiden Ziele sind, um es in aller Deutlichkeit zu sagen, nicht miteinander vereinbar, weil zum Beispiel sicheres Bargeld eben doch keine Sicherheit bietet, wenn es jedes Jahr um 3 oder 4 Prozent dahinschwindet. Mit der Aussage, dass Sachwerte in solchen Lebenslagen vorteilhafter als Geldanlagen seien, sollten die Anleger vorsichtig umgehen, weil die Hoffnungen, die sich dahinter verbergen, in vielen Fällen nicht erfüllt werden. Die Suche nach der besten Geldanlage wird in folgendem Beispiel deutlich.
Ein vermögender Anleger ist 55 Jahre alt und hat vor kurzem 500.000 Euro geerbt. Der Mann steht noch mit beiden Beinen im Berufsleben, verdient etwa 200.000 Euro pro Jahr, so dass in naher Zukunft weder das Kapital noch die Erträge benötigt werden.
Das heißt im Klartext, dass das Erbe für 10 Jahre weggesperrt werden kann, und alle Erträge, die in dieser Zeit anfallen werden, in irgendeiner Form wieder angelegt werden müssen. Maßgebend ist allein der Endwert der Geldanlage in zehn Jahren, um die Inflation und die Steuern - so gut es eben geht - zu bekämpfen.
Sparbriefe hintereinander kleben
Die einfachste Geldanlage ist ein zehnjähriger Sparbrief mit Ansammlung der Zinsen. In der Praxis gibt es jedoch so lange laufende Sparbriefe nicht, so dass der Anleger zwei Sparbriefe mit einer Laufzeit von je fünf Jahren hintereinander kleben muss. Der Verlauf der Gesamtanlage wird in der Tabelle deutlich. Der Anleger steckt die kompletten 500.000 Euro fünf Jahre in den ersten Sparbrief. Dafür wird es pro Jahr etwa 3 Prozent Zinsen geben. So wächst das Kapital im Verlauf der ersten Halbzeit auf 579.637 Euro.
In der Pause meldet sich der Fiskus. Er begehrt von den Zinsen, in diesem Fall also 79.637 Euro, ein Viertel nebst Solidaritätszuschlag. Daher sinkt das Kapital auf 558.633 Euro. Dieser Betrag wird in den zweiten Sparbrief investiert, und wenn sich der Zinssatz in fünf Jahren nicht geändert haben wird, wird es weiterhin 3 Prozent pro Jahr geben. Auf diese Weise klettert das Erbe auf 647.608 Euro.
Leider steht vor der Abfahrt wieder eine Mautstelle. Dieses Mal sind 23.467 Euro an den Fiskus abzuführen, so dass für den Anleger nach 10 Jahren effektiv 624.141 Euro übrig bleiben.
Die Geldentwertung kommt
Die effektive Verzinsung der Anlage ist das Verhältnis des Endwertes zum Anfangsbetrag, Das sind im vorliegenden Fall ungefähr 2,2 Prozent pro Jahr. Der Zins ist sicher und unsicher zugleich. Auf der einen Seite hat der Anleger gute Karten, dass in 10 Jahren etwa 624.000 Euro auf dem Konto stehen werden, doch bei einer jährlichen Geldentwertung von 3 oder 4 Prozent wird der Endwert mit tödlicher Sicherheit unter den Anfangswert sinken.
Die Inflation wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Problem der Zukunft sein. Der Finanzminister dieses Landes kann bei nüchterner Analyse der Lage keine Kredite mehr aufnehmen. Weder ist er in der Lage, die Zinsen zu bezahlen, noch wird er die Kredite tilgen können. Trotzdem verlängern die Politiker die Abwrackprämie für alte Autos, und mit Sicherheit werden ihnen im Wahlkampf weitere Ideen einfallen, um die Wähler auf ihre Seite zu ziehen.
Bei diesen Perspektiven ist nicht viel Phantasie notwendig, was in den nächsten Jahren passieren muss, um die Verschuldung in den Griff zu bekommen. Erstens muss die Geldpresse angeworfen werden, und zweitens sind die Steuern zu erhöhen. Anders geht es einfach nicht. Offen ist bestenfalls die Höhe der künftigen Geldentwertung.
Ausschüttungen müssen wieder anlgelegt werden
Bei einem Satz von 3 Prozent wird das Erbe des Anlegers in 10 Jahren noch 464.000 Euro wert sein, und bei einem Schwund von 4 Prozent werden 422.000 Euro übrig bleiben. Umgekehrt muss das Erbe in 10 Jahren mindestens 672.000 beziehungsweise 740.000 Euro wert sein, um den heutigen Startwert zu behalten. Wie schwierig das werden wird, zeigen die weiteren Geldanlagen.
Wer sich mit einfachen Sparbriefen nicht zufrieden- gibt, kann zum Beispiel auf diverse Staats- und Unternehmensanleihen ausweichen. Hier winken zur Zeit etwa 4 Prozent pro Jahr. Bei diesen Anlagen werden die Zinsen jedes Jahr ausgeschüttet. Genauso fordert der Fiskus den Tribut jedes Jahr. Das bedeutet für den Anleger, dass ihm nach Abzug der Abgeltungsteuer jährlich 14.725 Euro zufließen.
Das mag auf den ersten Blick erfreulich sein. Weil der Investor das Geld gar nicht braucht, muss er die jährlichen Ausschüttungen aber wieder anlegen.
Verlust bleibt Verlust
Die Wiederanlage der einzelnen Ausschüttungen (14.725 Euro) wird auf einen Sparvertrag hinauslaufen. Der Anleger wird sich zwar Mühe geben, die kleinen Beträge spätestens nach drei oder vier Jahren in eine große Anlage mit höherem Zins umzuschichten, doch damit wird das Problem nicht gelöst, weil noch kleinere Ausschüttungen wieder angelegt werden müssen. Daher legen vorsichtige Rechner die einzelnen Überschüsse auf einem Sparkonto an, das mit bestens 2 Prozent vor Steuern und maximal 1,5 nach Steuern verzinst wird.
Bei diesem Vorgehen kommen auf dem zweiten Kapitalkonto, das aus Staats- und Unternehmensanleihen besteht, am Ende der Laufzeit insgesamt 657.000 Euro zusammen. Das ist zwar ein bisschen mehr als auf dem Konto mit den Sparbriefen, gleichzeitig aber immer noch viel weniger als die 740.00 Euro, die bei einer Inflation von 4 Prozent für den Erhalt des Kapitals notwendig sind. 657.000 Euro führen bei dieser Geldentwertung zu einem realen Endwert von 444.000 Euro, und das entspricht einer jährlichen Verzinsung von minus 1,2 Prozent.
Der Endwert von 740.000 Euro wird in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht einmal mit einer Mischung erreicht, die zu gleichen Teilen aus Kapitalversicherungen und Aktien besteht. Trotz optimistischer Annahmen von 3,5 Prozent für Kapitalpolicen und 6 Prozent für Aktien werden am Ende der Veranstaltung lediglich 698.000 Euro herauskommen. Dadurch sinkt zwar bei einem Schwund von 4 Prozent die jährliche Verzinsung auf minus 0,6 Prozent, doch Verlust bleibt Verlust, da helfen weder Jammern noch Schimpfen.
Alle Anzeichen sprechen für Immobilien mit maßvollem Kredit
Der Erhalt des Kapitals ist bei diesen Erwartungen nur mit Hilfe von Immobilien und Krediten möglich. Das wird die Liebhaber dieser Anlagen in ihrem Urteil bestätigen, dass es zu Beton auf Pump kaum Alternativen gibt, doch die Begeisterung wird sich in Grenzen halten, wer sich die Bedingungen ansieht.
In der Tabelle ist eine Immobilie abgebildet worden, die eine Million Euro kostet. Sie wird jeweils zur Hälfte mit Eigenkapital und Krediten finanziert. Der Kredit kostet 4 Prozent pro Jahr und wird durch eine Tilgung von 2 Prozent pro Jahr schrittweise abgebaut. Das Mehrfamilienhaus wirft jedes Jahr einen Ertrag von 50.000 Euro ab. Davon werden nach Abzug der Instandhaltungs- und Verwaltungskosten ungefähr 40.000 Euro übrig bleiben. Sie sollen jedes Jahr um 1 Prozent steigen. Genauso soll der Wert der Immobilie um 1 Prozent pro Jahr klettern.
Die Kombination beschert jährliche Überschüsse von jeweils 8.000 Euro und einen Endsaldo von ungefähr 814.000 Euro. Das ist im Vergleich zu den Alternativen der höchste Endwert, so dass alle Anzeichen für Immobilien mit maßvollem Kredit sprechen.
Brauchen wir am Ende ein Vermögen?
Dafür sind freilich, um die Risiken beim Namen zu nennen, fünf Faktoren notwendig. Erstens: Der Anleger muss zur Kreditaufnahme bereit sein. Zweitens: Der Investor sollte wissen, dass die Vermietung kein Honigschlecken ist. Drittens: Das Objekt muss eine jährliche Bruttomiete von 5 Prozent des Gesamtaufwandes abwerfen.
Viertens: Die Erträge und der Wert der Immobilie müssen während der Vermietung steigen. Fünftens: Das Objekt sollte, wenn das Volumen über 25 Prozent des Gesamtvermögens liegt, auch wieder verkaufbar sein, weil damit zu rechnen ist, dass der Verkäufer im Alter sowohl Kapital als auch Erträge verzehren will.
Wem diese Vorgaben nicht schmecken, wer aus Prinzip kreditfinanzierte Geldanlagen ablehnt, wird sich bei hoher Inflation damit abfinden müssen, dass Geldanlagen ihren Wert verlieren. Hier bietet nur die Philosophie gewissen Trost: Der Mensch kommt ohne Geld auf die Welt.
Er gibt sich in der Regel nicht mit dem zufrieden, was er zum Leben braucht, sondern er strebt hohe Überschüsse an. Hat er wirklich das Recht, die Welt am Ende des Lebens mit einem Vermögen wieder zu verlassen?
Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., F.A.Z.-Kai
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Euro-Aktien-Index23.12.2009 17:35 |
145,73 | 141,42 | 130,49 |
Dass wir uns Politiker mit einer derartigen Einstellung leisten ist schlimm,
16:55@Herr Merck über 50% der Bevölkerung sind Transferleistungsempfänger
16:54 16:38Das ist Opposition, aber was machen sie wenn sie wieder regieren?