Vermögensfragen
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Die Vermögensfrage

Wie finanziert man das Studium der Kinder?

Von Volker Looman, Reutlingen

06. Juni 2009 Die solide Ausbildung der Kinder ist, wenn sie an einer Hochschule stattfinden soll, für viele Eltern mit Entbehrungen verbunden. Ein zehnsemestriges Studium kostet nach Angaben des Deutschen Studentenwerkes etwa 45.000 Euro. Die Aufwendungen dürften neben dem Eigenheim und der Altersvorsorge zu den größten Belastungen im Leben vieler Eltern gehören, so dass sich die Frage stellt, wie die Investition „richtig“ finanziert wird.

Bei genauem Hinsehen besteht die Frage sogar aus mehreren Problemen. Auf der einen Seite geht es um die Grundsatzfrage, wie die Ausbildung in die großen Zahlungsströme des Lebens eingebunden wird, und auf der anderen Seite geht es um die Frage, welche Finanzprodukte für die Finanzierung in Betracht kommen. Die beiden Aspekte werden in folgendem Fall beleuchtet.

Keine Unterstützung von Selbstfindungskursen

Ein Diplom-Ingenieur ist 43 Jahre alt und mit einer Lehrerin verheiratet, die 40 Jahre jung ist. Das Ehepaar hat drei Kinder, die neun, sieben und fünf Jahre alt sind. Die kleinen Orgelpfeifen sollen, wenn sie eines Tages groß sind, natürlich studieren. Der Wunsch der Eltern wird stark ins Geld gehen, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Die „schnellsten“ Studenten sind Juristen mit einer Studiendauer von zwölf Semestern. Kunsthistoriker brauchen dagegen 16 Semester.

Angesichts dieser Perspektiven bleibt kostenbewussten Eltern nur eine Mischung aus Härte und Hoffnung. Sie sollten ihren Kindern keine Selbstfindungskurse bezahlen, die bei allgemeiner Betriebswirtschaft beginnen und nach drei Fakultätswechseln bei spezieller Zoologie enden, sondern sie müssen darauf vertrauen, dass ein vernünftiges Studium nach fünf Jahren erfolgreich beendet werden kann.

Die Summe von 135.000 Euro für drei Kinder sollte den Eltern nicht den Schlaf rauben. Mit solchen Schwierigkeiten sind auch andere Generationen fertig geworden. Doch die Wahl der richtigen Finanzierung ist nicht einfach. Der Vater bringt zur Zeit monatlich 5.500 Euro nach Hause, und die Mutter verdient etwa 2.500 Euro pro Monat. Von den 8.000 Euro bleiben nach Abzug der Sozialabgaben und der Steuern etwa 5.000 Euro übrig.

Eine finanzielle Berg- und Talfahrt

Der Konsum fordert 1.500 Euro. Die Tilgung des Hauskredits (162.000 Euro) schlägt mit 1.100 Euro zu Buche. Die beiden Autos verschlingen 700 Euro. Die Kosten des Eigenheims liegen bei 500 Euro, der Urlaub belastet die Kasse mit 400 Euro. Die Versicherungen führen zu Ausgaben von 200 Euro. Das sind zusammen 4.400 Euro, so dass rund 600 Euro übrig bleiben.

Das mag nach viel Geld aussehen, doch bei genauem Hinsehen wird die Familie keine Probleme haben, das Geld unter die Leute zu bringen: Die Autos sind alt, das Haus ist renovierungsbedürftig, die Kinder werden größer, und die Altersversorgung der Eltern ist noch karg.

Seit einigen Wochen beschäftigen sich die Eheleute mit der Frage, wie sie die Ausbildung der Kinder bezahlen sollen. Sie rechnen damit, dass die Sprösslinge in zehn, zwölf und vierzehn Jahren ein Studium beginnen werden, das jeweils 60 Monate dauern wird. Wenn die Annahme richtig ist und die heutigen Aufwendungen - pro Kind und Monat etwa 800 Euro - unterstellt werden, kommt auf die Eltern in zehn Jahren im wahrsten Sinne des Wortes eine Berg-und-Tal-Fahrt zu, die neun Jahre dauern wird.

Jeweils zwei Jahre sind monatlich 800 und 1.600 Euro aufzuwenden. Dann kommt das Spitzenjahr mit Ausgaben von 2.400 Euro pro Monat. Am Ende kommen wieder zweimal zwei Jahre mit jeweils 1.600 und 800 Euro.

Altersvorsorge bleibt auf der Strecke

Wenn dieser Zahlungsstrom in einen Computer gesteckt und mit 3 Prozent pro Jahr verzinst wird, sind zwei Lösungen denkbar: Erstens ein Sparplan mit einer Laufzeit von zehn Jahren und ein Entnahmeplan mit einer Laufzeit von neun Jahren, zweitens ein Ein- und Auszahlungsplan über volle 19 Jahre.

Die erste Lösung führt zu einer monatlichen Sparrate von 905 Euro pro Monat, die zehn Jahre lang bezahlt werden muss. Danach ist Schluss, weil das Kapital ausreicht, um die folgenden Verpflichtungen zu bezahlen. Die zweite Lösung verlangt von den Eltern monatliche Raten von 539 Euro, doch dieser Betrag muss über die gesamten 19 Jahre entrichtet werden.

In dem heutigen Budget der Familie sind 600 Euro für „sonstige“ Ausgaben enthalten. Das hat zur Folge, dass die erste Lösung - die „schnelle“ Bereitstellung der Studiengelder - mangels Masse nicht möglich ist.

Umgekehrt bedeutet das für die Eltern, dass ihre Altersvorsorge frühestens in 19 Jahren in Angriff genommen werden kann. Das ist nicht besonders erfreulich, denn wenn die Einnahmen der Eltern in den nächsten Jahren nicht gewaltig steigen, werden sich die Senioren mit bescheidenen Renten abfinden müssen.

Erst Kredit tilgen, dann sparen

Bei der Gestaltung des Budgets in den kommenden 19 Jahren hat die Familie zwei Möglichkeiten. Sie kann die beiden großen Aufgaben - Hauskredit und Studienfinanzierung - parallel oder nacheinander anpacken.

Bei der ersten Lösung fließen 1.100 Euro in die Tilgung der Schulden und 500 bis 600 Euro in den Aufbau des Studienkontos, und bei der zweiten Lösung wird die Rückzahlung der Schulden auf 1.600 bis 1.700 Euro erhöht, so dass die Schulden nach zehn bis elf Jahren vom Tisch sein werden. Anschließend fließen die Raten in gleicher Höhe in die Ausbildung der Kinder.

Finanzmathematisch ist die zweite Lösung etwas günstiger, weil die Eltern die Zinsdifferenz zwischen Darlehensvertrag und Sparplan nutzen. Der Kredit kostet zur Zeit jährlich 4,5 Prozent. In drei Jahren wird die Zinsbindung enden, und der Anschlusszins darf auf höchstens 5 Prozent ansteigen, um die Restschuld in den restlichen sechs bis sieben Jahren mit monatlichen Raten von je 1.650 bis 1.700 Euro tilgen zu können.

Im selben Zeitraum werden für die Sparraten bestenfalls 3 Prozent zu bekommen sein, so dass es lohnender ist, zuerst die Schulden zu tilgen und dann die Ausbildung der Kinder in Angriff zu nehmen.

Nicht in „Töpfen“ denken

Der Vorschlag wird bei vielen Eltern und Banken auf wenig bis gar keine Gegenliebe stoßen. Die meisten Anleger denken in Behältern, und je mehr Eimer und Töpfe in den Schränken stehen, desto wohler fühlen sie sich. Daher ist es kein Wunder, dass Eltern dazu neigen, schon bald nach der Geburt ihrer Kinder Sparbücher anzulegen oder Sparverträge abzuschließen.

Banken, Bausparkassen und Versicherungen sind willige Helfer, weil jeder Vertrag neue Erträge bringt. Besonders pfiffig ist dieser Ansatz aber nicht. Vernünftiger wären die Erhöhung der Risikoabsicherung bei Invalidität und Tod und die Beschleunigung der Schuldentilgung.

In den meisten Haushalten gibt es zu dem Ansatz - erst die Schulden, dann das Vermögen - keine Alternativen, weil einfach die finanziellen Mittel fehlen, um bei der Anlage höhere Risiken eingehen zu können. Daher ist die gestaffelte Lösung - erst das Haus, dann die Kinder, schließlich die Rente - am sinnvollsten.

Einfache Lösung wohl am sinnvollsten

Wem die einfache Lösung jedoch nicht schmeckt, muss sich auf die Suche nach „sicheren“ Geldanlagen machen. Aktien mögen ordentliche Renditen abwerfen, doch es ist zweifelhaft, ob sie für die Finanzierung der Kinderausbildung die richtige Lösung sind.

Die klassischen Kapitalversicherungen haben seit Einführung der Besteuerung der Erträge viel Glanz eingebüßt; im vorliegenden Fall kommen sie gar nicht in Frage, weil die Verzahnung mit den Entnahmen überhaupt nicht möglich ist. Aus diesem Grund bleiben für die Finanzierung der Kinderausbildung eigentlich nur Spar- und Entnahmepläne übrig. Alternativ eignen sich Investmentfonds, die das Kapital in Anleihen investieren.

Ohne Kosten und Risiken sind die Verträge jedoch nicht zu haben, so dass sich „vernünftige“ Eltern doch noch einmal überlegen sollten, ob die einfache Lösung - erst Hauskredit, dann Kinderausbildung - nicht doch vorteilhafter ist.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.-Kai

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