Vermögensfragen

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Die Vermögensfrage

Steuern und Zulagen führen auf Abwege

Von Volker Looman

30. März 2008 Die Auswahl der richtigen Sparverträge ähnelt der Eröffnung des Schachspiels. Stimmen die ersten Züge, ist die Partie schon halb gewonnen. Doch wird der Auftakt verpatzt, bleibt der Erfolg mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. Das ist beim Sparen nicht anders. Hier zählen nicht Subventionen, Steuern oder Abgaben, sondern in erster Linie kommt es darauf an, was die Anleger mit dem Geld vorhaben und wie hoch die Chancen und Risiken sind, das Ziel zu erreichen.

Diese schlichte Weisheit ist jedoch vielen Sparern nicht zu vermitteln. Sie jagen lieber der Riester-Rente hinterher, weil der Staat ein paar Groschen verschenkt, oder sie flüchten in irgendwelche Dachfonds, weil ihnen erzählt wird, dass dort keine Abgeltungsteuer anfalle. Das ist alles Unfug. Beim langfristigen Aufbau des Vermögens zählen weder Abgaben noch Zulagen, sondern einzig und allein die Ziele und der Ertrag. Das kommt in folgenden Überlegungen zum Ausdruck.

Wie lange soll der Sparprozess dauern?

Ein junger Mann ist 30 Jahre alt und möchte jeden Monat etwa 200 Euro sparen. Die Palette der Angebote ist groß. Noch größer ist freilich die Gefahr, vor lauter Bäumen den Wald nicht zu sehen. Angebote wie Basisrente, Bausparvertrag, Immobiliensparplan, Investmentfonds, Kapitalpolicen, Rentenversicherung oder Riester-Rente sind interessante Offerten, doch solange der Anleger nur weiß, dass er monatlich 200 Euro sparen will, ist das Risiko hoch, auf Abwege zu geraten und im Laufe der Zeit die Pferde zu wechseln. Der Tausch ist aber mit hohen Kosten verbunden, so dass sich der Erfolg in Grenzen halten wird. Günstiger ist die Auswahl des richtigen Produkts auf der Grundlage von fünf Überlegungen.

Dreh- und Angelpunkt des richtigen Vertrags ist das Ziel. Geht es um den Aufbau von Rücklagen? Muss Geld fürs Auto angespart werden? Ist Kapital für ein Eigenheim gefragt? Oder soll für den Ruhestand vorgesorgt werden? Die einzelnen Ziele helfen bei der Überlegung, wie lange der Sparprozess dauern soll. Rücklagen und Autokauf führen zu kurzen Laufzeiten, das Eigenheim ist in vielen Fällen ein mittelfristiges Vorhaben, und der Aufbau der Altersvorsorge ist in aller Regel ein langfristiger Sparvorgang.

Die Steuern spielen eine untergeordnete Rolle

Der nächste Punkt ist das Risiko beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit, das gesteckte Ziel bei definierter Laufzeit zu erreichen. Hier kommt es in der Praxis zu den größten Verwerfungen, weil unter dem Risiko in erster Linie die Mentalität des Anlegers verstanden wird. Das ist aber nicht richtig. Es gibt viele Leute, die zu hohen Risiken bereit sind, doch die Wahrscheinlichkeit, mit Aktien oder Hedge-Fonds innerhalb von zwei oder drei Jahren ein Vermögen aufzubauen, ist in der Regel gering. Umgekehrt verschenken ängstliche Anleger viel Geld, wenn sie bei einem Sparprozess, der 25 oder 30 Jahre dauert, auf Aktien verzichten, weil die Wahrscheinlichkeit, mit Hilfe der Börse auf lange Sicht ordentlich Geld zu verdienen, sehr hoch ist.

Im Gegensatz zum Ziel, zur Laufzeit und zum Risiko spielen die Steuern eine untergeordnete Rolle. Die Gesetze und Verordnungen sind in den vergangenen Jahrzehnten dermaßen oft geändert worden, dass auf den Staat kein Verlass ist und es keinen Zweck hat, das Sparen auf steuerlichen Überlegungen aufzubauen. Das gilt auch für die Abgeltungsteuer. Sie ist in den Augen vieler Anleger ein finsteres Ungetüm, doch bei nüchterner Betrachtung sind die Dinge halb so schlimm wie vermutet. Das wird zum Beispiel an einem Sparvertrag für die Altersvorsorge deutlich.

Festverzinsliche Anleihen

Wenn der junge Mann die monatlichen Raten von jeweils 200 Euro fürs Alter anlegen will, wird die Anlage sicherlich 30 bis 35 Jahre dauern. Die lange Laufzeit bietet exzellente Aussichten, mit Hilfe von Anleihen und Aktien ein kleines Vermögen aufzubauen. Hier ist die Wahrscheinlichkeit hoch, nach Abzug der Steuern auf eine jährliche Rendite von 5 Prozent zu kommen. Das heißt zum Beispiel, nach 30 Jahren etwa 164.000 Euro auf dem Konto zu haben. Wer jedoch auf Aktien verzichtet, muss auch auf Erträge im Ruhestand verzichten.

Die Versicherer bieten zur Zeit private Rentenversicherungen an, die vor Steuern eine jährliche Verzinsung von 4,9 Prozent pro Jahr bringen sollen. Hinter den Policen verbergen sich festverzinsliche Anleihen, und es wird kein Versicherungsschutz geboten. Bei einem Zinssatz von 4,4 Prozent für langfristige Anleihen ist viel Phantasie nötig, wie die Kunden knapp 5 Prozent erhalten sollen, doch angesichts der Tatsache, dass die Unternehmen einen Teil der Sparraten in Kredite anlegen und höhere Zinsen erwirtschaften, kann für die Sparer unter dem Strich auch mehr herausspringen.

Die monatlichen Sparraten von 200 Euro und die Prognose, dass der Betrag zu 4,9 Prozent angelegt wird, führen nach 30 Jahren zu einem Endguthaben von 161.000 Euro. Die Differenz zu den eingezahlten 72.000 Euro gilt als Ertrag. Die 89.000 Euro unterliegen nicht der Abgeltungsteuer, sondern müssen zur Hälfte der persönlichen Besteuerung unterworfen werden. Bei einem Steuersatz von 30 Prozent sind 13.350 Euro an den Fiskus abzuführen, so dass dem Anleger noch 148.000 Euro bleiben. Das ergibt eine Rendite von 4,4 Prozent pro Jahr.

Die Entnahme von Kapital ist überhaupt nicht möglich

Im Vergleich zur Rentenversicherung kann der Anleger sein Glück auch in Investmentfonds suchen, die das Geld ihrer Sparer in Anleihen investieren. Hier freilich droht die Abgeltungsteuer, was auf den ersten Blick fatale Auswirkungen hat. Bei einem identischen Zinssatz von 4,9 Prozent fließt jedes Jahr ein Viertel der Erträge an die Staatskasse, so dass nur 3,7 Prozent übrigbleiben. Dadurch werden nach 30 Jahren lediglich 131.000 Euro auf dem Sparkonto des Anlegers stehen.

Die Bandbreite der Endwerte zeigt in aller Deutlichkeit, dass der Anleger vorrangig auf den Inhalt des Sparplans und nachrangig auf die Verpackung achten muss. Die Mischung von Anleihen und Aktien bringt auf Dauer mehr als die Beschränkung auf Obligationen. Wer freilich von Aktien nichts wissen möchte, muss sich mit Anleihen zufriedengeben. In diesem Fall ist die private Rentenversicherung vorteilhafter als der "nackte" Investmentfonds. Die höhere Verzinsung wird um den Preis begrenzter Flexibilität erworben. Bei der Rentenpolice muss der Anleger jeden Monat konstante Raten abliefern. Änderungen wie zum Beispiel die Aussetzung, Erhöhung oder Senkung der Zahlungen sind nicht vorgesehen.

Die Entnahme von Kapital ist überhaupt nicht möglich. Wenn diese Freiheiten wichtige Aspekte sind, gerät der Anleger in die Zwickmühle. Entweder gibt er sich mit dem geringen Endkapital des Investmentfonds zufrieden, oder er steigt auf den Mischfonds um.

Differenz zwischen Sparraten und Ablaufleistung zur Hälfte steuerpflichtig

Vor ähnliche Entscheidungen wird nicht nur der Renten-, sondern auch der Aktienliebhaber gestellt. Wenn die 360 Raten von jeweils 200 Euro zu 8 Prozent in Aktien investiert werden, winken vor Steuern rund 284.000 Euro. Von diesem Betrag werden in einer Aktienfondspolice und bei einem persönlichen Steuersatz von 40 Prozent ungefähr 242.000 Euro übrigbleiben, weil die Differenz zwischen den Sparraten und der Ablaufleistung wieder zur Hälfte steuerpflichtig ist.

Die direkte Anlage in Investmentfonds bringt durch die Abgeltungsteuer lediglich 6 Prozent beziehungsweise 196.000 Euro. Das sind 46.000 Euro weniger, doch für den Barpreis von 7000 Euro hat der Anleger wieder alle Optionen. Er kann anlegen, doch er muss nicht sparen, er darf Geld entnehmen, doch er kann das Konto auch aufstocken. Die kleinen Freiheiten bieten Chancen und Risiken, doch die Tatsache, dass gerade lange Lebensversicherungspolicen in der Regel nicht durchgehalten werden, spricht für einen Vermögensaufbau mit Investmentfonds.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.



Text: F.A.Z., 29.03.2008, Nr. 74 / Seite 22
Bildmaterial: F.A.Z.-Kai

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