Von Volker Looman
25. November 2007 Die gesetzliche Rente wird langsam zur Lachnummer. In dieser Woche haben Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und mehrere Volkswirte die Meinung vertreten, dass das Eintrittsalter in den Ruhestand auf mindestens 70 Jahre angehoben werden müsse, um das Niveau der heutigen Rente in Zukunft zu halten. Es bleibt das Geheimnis der Experten, wie dieser Vorschlag in die Praxis umgesetzt werden soll. Kein Geheimnis mehr, sondern bittere Wahrheit ist die Notwendigkeit, dass die Menschen ihre Altersversorgung selbst in die Hand nehmen müssen.
Hier ein bisschen Staatsrente, da ein wenig Riesterrente, obendrein eine Mini-Versicherung sind auf alle Fälle besser als nichts, doch sie dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass sie im Ruhestand bestenfalls für Brot und Wasser reichen. Wer mehr möchte - daran führt kein Weg vorbei -, muss mehr auf die Seite legen, doch mit dem Willen zum Sparen allein ist es nicht getan, es kommt auch darauf an, den richtigen Weg einzuschlagen.
Studien über das Verhalten privater Anleger
Wer heute 45 Jahre alt ist, noch 20 Jahre arbeiten will und eine zusätzliche Monatsrente von 1000 Euro anstrebt, muss sich an große Zahlen gewöhnen. Das liegt am Zins, an der Inflation und der langen Versorgungsdauer. Wenn die Inflation das Geld jedes Jahr um 2 Prozent entwertet, wird der Wert der 1000 Euro im Verlauf der nächsten 20 Jahre auf 673 Euro sinken. Umgekehrt muss die Rente auf 1486 Euro steigen, um ihren Wert zu behalten. Sollen die Bezüge im Alter 20 Jahre lang bis zum Alter von 85 Jahren fließen, müssen in den nächsten 20 Jahren rund 328.000 Euro auf die Seite gebracht werden. Das ist viel Geld, und wer in der glücklichen Lage ist, die Aufgabe zu meistern, hat sich mit drei Dingen zu beschäftigen: Erstens kommen keine Einmalanlagen, sondern nur Sparverträge in Betracht, zweitens geht es um die Disziplin beim Sparen, und drittens stellt sich die Frage nach der Rentabilität und der Sicherheit der Verträge.
Der mit Abstand heikelste Punkt ist die Disziplin. Es gibt viele Studien über das Verhalten privater Anleger, und jedes Mal, wenn es ums langfristige Sparen geht, kommt derselbe Befund heraus: Es fehlt nicht am Willen, etwas fürs Alter zu tun, sondern es mangelt an der Disziplin, die Sparverträge durchzuhalten. Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass die Besitzer von Immobilien im Alter scheinbar reicher sind als vergleichbare Investoren, die ihr Geld in freie Anlagen gesteckt haben. Der anhaltende Druck, die Immobilien zu entschulden, sorgt im Laufe der Zeit für kleine Vermögen.
Die aufgeschobene Leibrente
Aus dieser Erkenntnis hat der Staat Lehren gezogen. Er fördert Spar- und Rentenverträge mit der Pflicht zum Sparen und dem Zwang zur Verrentung in besonderem Maße. Der bekannteste Spar- und Rentenvertrag ist die aufgeschobene Leibrente. Hier wird zunächst Geld angespart, danach wird das Kapital bis zum Lebensende verrentet. Wenn im Laufe von 20 Jahren ungefähr 300.000 Euro angesammelt werden sollen, sind bei einem Zinssatz von 4 Prozent monatlich 822 Euro notwendig, um das Ziel zu erreichen.
Die Erträge der Versicherung bleiben steuerfrei, wenn das Kapital verrentet wird. Wird das Guthaben jedoch auf einen Schlag abgehoben, schlägt das Finanzamt zu. Falls der Vertrag vor dem 60. Geburtstag fällig wird, muss künftig die normale Abgeltungssteuer von 25 Prozent bezahlt werden. Kommt die Police nach dem 60. Geburtstag zur Auszahlung, muss die Hälfte der Zinsen dem persönlichen Steuersatz unterworfen werden.
Eine Basisrente als Alternative
Bei der Verrentung verzichtet der Staat auf die Besteuerung der Habenzinsen während der Sparzeit. Während der Auszahlung werden die Renten mit dem Ertragsanteil belastet. Das sind bei einem Anleger, der 65 Jahre alt ist, jährlich 18 Prozent der Renten, so dass die Abgaben kaum der Rede wert sind. Dadurch kommt beim Spar- und Rentenplan - bestehend aus 240 Einzahlungen à 822 Euro und 240 Auszahlungen, die bei 1444 Euro beginnen und jedes Jahr um 2 Prozent steigen - eine Gesamtverzinsung von 3,75 Prozent pro Jahr heraus.
Alternativ kann der Anleger eine Basisrente vereinbaren. Der Bauplan der Anlage ist deckungsgleich mit dem Prinzip der aufgeschobenen Leibrente. Zuerst wird gespart, danach wird verrentet. Die entscheidende Differenz sind die Steuern. Die Sparraten können in hohem Maß als Sonderausgaben geltend gemacht werden, die Rentenbezüge müssen fast in voller Höhe versteuert werden. Dadurch ist die Basisrente interessant für Anleger, die während des Berufslebens viel Geld verdienen und im Ruhestand mit Bezügen rechnen, die deutlich niedriger sind.
Attraktive Zinshebel in Bewegung setzen
Vom nächsten Jahr an können die Sparraten zum Beispiel zu 66 Prozent als Werbungskosten geltend gemacht werden. In den Folgejahren steigt die Abzugsfähigkeit um 200 Basispunkte pro Jahr, so dass 2025 die volle Abzugsfähigkeit erreicht sein wird. Der Ertragsanteil der Renten wird im vorliegenden Fall bei 88 Prozent liegen. Das führt bei einem Einkommen von 75.000 Euro während des Berufslebens und 25.000 Euro während des Ruhestandes zu einer Rendite von 4,29 Prozent pro Jahr. Das ist im Vergleich zur Leibrente ein Plus von 14.000 Euro.
Noch höhere Renditen lassen sich mit guten Immobilien erzielen, die während des Berufslebens vermietet und entschuldet und mit Beginn des Ruhestands in eine Leibrente getauscht werden. Gekauft werden Immobilien im Wert von 300.000 Euro. Davon sollten nach Möglichkeit höchstens 20 Prozent auf das Grundstück entfallen, um die steuerliche Abschreibung der Gebäudekosten zu maximieren. Außerdem sollten die Immobilien monatliche Erträge von mindestens 1250 Euro abwerfen. Das sind unter Berücksichtigung der Kosten rund 6 Prozent des Kaufpreises, so dass nicht jede Wohnung in Frage kommt. Falls die Erträge und der Wert der Immobilien jedes Jahr um ein Prozent steigen, erzielt der Anleger eine Basisrendite von 5,8 Prozent. Das ist die Voraussetzung, um mit Hilfe von Krediten attraktive Zinshebel in Bewegung zu setzen.
Beim Eintritt in den Ruhestand: Immobilien verkaufen
Wenn im selben Zeitraum der Zins für ein Festdarlehen jährlich 5 Prozent beträgt und die Rendite einer Kapitalversicherung, die zur Tilgung der Schulden eingesetzt wird, bei 4 Prozent liegt, ist unter dem Strich eine Verzinsung von 6,6 Prozent möglich. Das liegt an den Werten der einzelnen Bausteine nach Steuern. Bei einem Einkommen von 75.000 Euro bringt die Immobilie jährlich 4,5 Prozent, und der Kredit kostet im selben Zeitraum nur 3,3 Prozent.
Beim Eintritt in den Ruhestand müssen die Immobilien verkauft werden, weil das Kapital verrentet werden soll. Die Einzahlung des Verkaufserlöses in eine Leibrente beschert dem Anleger monatliche Zuwendungen, die bei 1660 Euro beginnen und jedes Jahr um 2 Prozent klettern. Steuerlich werden die Erträge wieder mit dem Ertragsanteil von 18 Prozent belastet. Durch die geschickte Besteuerung der beiden Phasen - hohe Vorteile während der Vermietung und niedrige Abgaben während des Ruhestandes - verzinst sich das Paket mit einer Rendite von 5,3 Prozent pro Jahr.
Das Ergebnis lässt sich um weitere 40 Basispunkte verbessern, wenn der Anleger die Besteuerung der Tilgungsversicherung vermeidet. Wird bei der Aufnahme des Kredits eine Police mit aufgeschobener Leibrente abgeschlossen, müssen beim Übergang in den Ruhestand keine Abgaben entrichtet werden, so dass die Verzinsung auf 5,7 Prozent klettert.
Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.
Text: F.A.Z., 24.11.2007, Nr. 274 / Seite 22
Bildmaterial: F.A.Z.-Kai
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