Von Volker Looman
13. Oktober 2007 Die private Altersversorgung bleibt ein heißes Eisen. Rund ein Viertel aller Deutschen spart fürs Alter keinen Cent. Die durchschnittliche Rate der Sparer liegt bei 183 Euro, und wer sich die Leistungen im Detail ansieht, stößt auf die üblichen Verdächtigen: Selbständige bringen 376 Euro auf die Seite, Beamte legen 231 Euro auf die hohe Kante, Arbeiter und Angestellte legen 197 Euro zurück. Das sieht auf den ersten Blick nicht schlecht aus, doch bei genauer Analyse stellen sich Fragen: Wie lange wird gespart, und zu welchem Zinssatz legen die Sparer ihr Geld an?
Die private Altersvorsorge ist harter Konsumverzicht, und Zeit und Zinsen sind seit Jahr und Tag das Salz in der Suppe. Wer die 183 Euro über 40 Jahre hinweg zu 3 Prozent jährlich anspart, wird am Ende der Veranstaltung auf 168.000 Euro kommen, doch wer denselben Betrag in 15 Jahren erreichen will, muss die Raten zu 12 Prozent Rendite jährlich anlegen. Bei einem jährlichen Zinssatz von 6 Prozent, einem nur mit Aktien erzielbaren Wert, kommen am Schluss lediglich 83.000 Euro zusammen. Ebendeshalb kommt es bei der Altersvorsorge in besonderem Maße darauf an, so früh wie möglich damit anzufangen.
Altersvorsorge ist ein Thema, das stets zur Unzeit zu kommen scheint
Davon sind viele Anleger aber Lichtjahre entfernt. Die private Altersvorsorge ist ein Thema, das stets zur Unzeit kommt. Wer jung ist, träumt von Auto und Wohnung, wer kleine Kinder hat, weiß bald, dass Nachwuchs die schönste Anlage ist, aber mächtig ins Geld geht. Wer Schulden tilgt, hat keine Mittel für Sparverträge, und in den letzten Jahren vor dem Ruhestand ist die Verlockung, sich etwas zu gönnen, größer als der Wunsch, die Rente aufzubessern. Daher sind Sparverträge in der Regel harte Opfer und in vielen Fällen von kurzer Dauer. Sie laufen im Durchschnitt 15 bis 20 Jahre, und die Verzinsung hält sich in Grenzen, weil oft die Bereitschaft zum Risiko fehlt.
Hinzu gesellt sich die Schwierigkeit, dass viele Privatleute nicht recht wissen, wie sie ihre Sparraten anlegen sollen: Riester hier, Rürup da, obendrein Sparverträge aller Art - das ist zu viel auf einmal, so dass die Ratlosigkeit groß ist. Nun kommt auch noch die Abgeltungssteuer hinzu. Sie ist für viele Anleger ein gefräßiges Ungetüm, in besonderem Maße für Aktienliebhaber. Sie sind die Hühner, welche der Fiskus in Zukunft am meisten rupfen wird, doch die Alternativen sehen beileibe nicht so rosig aus, wie viele Privatleute glauben. Das wird am Beispiel einer vermieteten Immobilie, einer gemischten Kapitallebensversicherung und eines klassischen Aktiensparplans deutlich.
Im Mittelpunkt steht ein verheirateter Mittvierziger, der jährlich 75 000 Euro verdient. Er hat 25 000 Euro auf dem Girokonto, und er will 15 Jahre monatlich 300 bis 400 Euro sparen. Da bietet sich der Kauf einer Eigentumswohnung an, die 125.000 Euro kostet. Ein Fünftel entfällt auf das Grundstück, und das Gebäude schlägt mit 80 Prozent zu Buche. Hinzu kommen die Grunderwerbsteuer und die Notariatsgebühren, so dass der Aufwand um 4,5 Prozent auf 130.625 Euro klettert. Dafür winken dem Anleger monatliche Erträge von jeweils 400 Euro. Sie sollen jährlich um 1,5 Prozent steigen, und in 15 Jahren wird mit einem Erlös von 150.000 Euro gerechnet. Das entspricht einer Wertsteigerung von 1,22 Prozent pro Jahr.
Die Immobilie wird mit Hilfe der Barschaft (25.000 Euro) und einer Hypothek (105.625) bezahlt. Der Kredit kostet 5,25 Prozent jährlich. Der Sollzins gilt für die ganze Laufzeit, so dass 180 Monatsraten zu 849 Euro notwendig sind, um die Schulden innerhalb von 15 Jahren zu tilgen. Die Einnahmen und Ausgaben des Geschäftes führen unter dem Strich zu einem Sparvertrag. Die Mieten sind in voller Höhe steuerpflichtig. Die Schuldzinsen sind zu 100 Prozent als Werbungskosten absetzbar. Hinzu kommt die Abschreibung der Gebäudekosten, und der Saldo unterliegt der persönlichen Besteuerung.
Der Zahlungsplan beginnt mit der Einlage von 25.000 Euro. Danach folgen, wenn die Mieten, die Tilgungen und die Steuern miteinander verrechnet werden, monatliche Zahlungen, die bei 365 Euro beginnen und im Laufe der Zeit auf 468 Euro steigen. Der Lohn der Bemühungen ist eine lastenfreie Wohnung im Wert von voraussichtlich 150.000 Euro, so dass die Rendite des Sparvertrags bei 4,5 Prozent nach Steuern liegt.
Wichtig ist die Bereitschaft, mit dem Sparen so früh wie möglich anzufangen
Im Vergleich zu der Immobilie ist die klassische Kapitalversicherung ein Langweiler geworden. Wer mit einer Einlage von 25.000 Euro und 180 Prämien nach 15 Jahren auf 150.000 Euro kommen will, muss bei einem Zinssatz von 4 Prozent, mit dem die meisten Unternehmen zur Zeit arbeiten, monatlich 428 Euro auf den Tisch blättern. Die Habenzinsen bleiben während der Anlage steuerfrei, doch am Ende der Sparzeit sind 50 Prozent des Gewinns steuerpflichtig. Im vorliegenden Fall führen die Einzahlungen von 107.040 Euro und die Auszahlung von 150.000 Euro zu einem Überschuss von 42.960 Euro, der zur Hälfte der Individualbesteuerung unterworfen wird und zu einer Abgabe von fast 10.000 Euro führt. Dadurch kommt unter dem Strich eine Rendite von lediglich 3,33 Prozent nach Steuern heraus.
Die größte Hoffnung kann der Anleger in Aktien setzen. Wenn der Startbetrag und die monatlichen Sparraten in einen Aktienindexfonds gesteckt werden, können mit etwas Glück jährlich 8 Prozent erzielt werden. Davon werden nach Abzug der Abgeltungssteuer noch 6 Prozent übrigbleiben, so dass insgesamt 180 Raten zu 314 Euro aufgebracht werden müssen, um die Zielsumme von 150.000 Euro zu erreichen. Das ist im Vergleich zur Immobilie und der Versicherung der niedrigste Aufwand, so dass Anleger die Sache drehen und wenden können, wie sie wollen. Selbst vor dem Hintergrund, dass die Dividenden und Kursgewinne in Zukunft der Abgeltungssteuer unterliegen, wird in den nächsten Jahren kein Weg an der Aktienanlage vorbeiführen.
Versicherungen sind Investitionen in Anleihen, Immobilien sind Anlagen in Sachwerte, Aktien sind Beteiligungen am Produktivvermögen. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, und die Renditen sprechen eine klare Sprache. Die Abstände der Verzinsungen bleiben erhalten, nur die absoluten Werte sind kleiner geworden. Bei festverzinslichen Anleihen winken nach Steuern zwischen 3 und 3,5 Prozent, bei Liegenschaften können es 4 bis 4,5 Prozent sein, und bei Aktien sind 5,5 bis 6 Prozent denkbar. Das führt bei den Sparplänen, wenn sie mit der Aktienrendite von 6 Prozent abgezinst werden, zu Barwertdifferenzen von 10.000 bis 20.000 Euro.
Die einzelnen Anlagen sind, das liegt in der Sache der Natur, nicht nur mit Chancen, sondern auch mit Risiken verbunden. Bei der Versicherung legt der Sparer sein Geld in eine schwarze Kiste. Er weiß zwar, dass die Unternehmen die Prämien zum Großteil in Anleihen investieren, doch er hat keinen Einfluss darauf, wie viel ihm von den Erträgen gutgeschrieben wird. Die Kosten der Gesellschaften bleiben im Dunklen. Bei der Immobilie setzt der Sparer auf drei Karten. Er hofft auf einen Mieter, er spekuliert auf Wertsteigerung, und er vertraut auf seine Arbeitskraft, weil hohe Steuervorteile hohe Einkünfte voraussetzen. Wenn ein Strick reißt, geht die Welt zwar nicht unter, doch die Anlage läuft aus dem Ruder, so dass die Verzinsung einknickt. Das gilt auch für die Aktienanlage: Dividenden und Gewinne im Wert von 8 Prozent jährlich setzen Mut zum Risiko voraus. Noch wichtiger ist nur die Bereitschaft, mit dem Sparen so früh wie möglich anzufangen.
Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.
Text: F.A.Z., 13.10.2007, Nr. 238 / Seite 22
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.-Kai
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Was der Sachverständigenrat..........
18:21 18:20Mit Banken geschäften ohne Vertrauen... wie soll das gehen ?