Von Volker Looman
31. Mai 2008 Bei der Finanzierung von Immobilien hat sich in den vergangenen Jahren die direkte Tilgung durchgesetzt. Trotzdem ist die Rückzahlung der Schulden mit Hilfe von Geldanlagen wie Bausparverträgen, Investmentfonds oder Kapitalversicherungen nicht ganz aus der Mode gekommen. Die Bausparkassen zum Beispiel verdanken ihr Neugeschäft in starkem Maße fragwürdigen Zinsdifferenzgeschäften. Und auch die Assekuranz gibt sich redlich Mühe, ihre Policen ins Spiel zu bringen. Die Kombination von Festkredit und Versicherung wird vom kommenden Jahr an mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder an Bedeutung gewinnen, weil die Erträge der Policen nicht der Abgeltungsteuer, sondern lediglich dem persönlichen Steuersatz unterliegen. Die Chancen und Risiken dieses Klassikers im neuen Gewand“ werden in folgendem Beispiel deutlich.
Ein Anleger will 200.000 Euro aufnehmen und das Geld in eine Immobilie stecken, die 15 Jahre vermietet werden soll. In dieser Zeit soll der Kredit getilgt werden. In solchen Fällen greifen die meisten Investoren zur Zeit zu einfachen Annuitätendarlehen. Sie nehmen das Geld zum Kurs von 100 Prozent auf, und der Nominalzins – im Augenblick etwa 5,25 Prozent im Jahr – wird für die gesamte Laufzeit festgeschrieben. Das führt bei monatlicher Zins- und Tilgungsverrechnung zu 180 Raten von jeweils 1608 Euro. Der effektive Jahreszins beträgt 5,38 Prozent vor Steuern. Weil die jährlichen Schuldzinsen aber als Werbungskosten absetzbar sind, sind die Kosten nach Steuern niedriger. Bei alleinstehenden Investoren, die jedes Jahr beispielsweise etwa 100.000 Euro versteuern, sinken die Aufwendungen auf 3 Prozent nach Steuern.
Die Begeisterung hält sich bei vielen Anlegern in Grenzen
Dieser Zinssatz nach Steuern ist der Dreh- und Angelpunkt bei allen Überlegungen, ob sich die Aussetzung der Tilgung lohnt. Wer das Geld direkt an die Bank zurückzahlt, legt jeden Euro zu dieser Rendite an, weil er durch die Tilgung künftig Sollzinsen in dieser Höhe sparen wird. Wenn es möglich ist, die laufenden Rückzahlungen in Sparverträge zu stecken, deren Verzinsung nach Steuern höher ist, kann sich die Aussetzung der Tilgung lohnen. Sonst wird der Schuss nach hinten losgehen.
In der Vergangenheit funktionierte dieses Spiel am besten mit Kapitalversicherungen, weil deren Erträge steuerfrei blieben. Heute gelten aber andere Gesetze, so dass die Banken und Versicherungen ihr Glück mit Fondspolicen aller Art versuchen. Die Begeisterung hält sich bei vielen Anlegern jedoch in Grenzen. Der Grund ist einfach: Die Kredite sind sichere Geldanlagen, doch die fondsgebundenen Versicherungen sind durch hohe Aktienanteile unsichere Geldanlagen. Daher sind Investoren, die hohen Wert auf Sicherheit legen, für den Abschluss fondsgebundener Policen nur schwer zu gewinnen.
Das dürfte sich aber im Jahr 2009 wegen der Abgeltungsteuer wieder ändern. Auslöser dieser Vermutung ist die Tatsache, dass die Schuldzinsen der Kredite weiterhin der persönlichen Besteuerung unterliegen und je nach Steuersatz zu Entlastungen von 30, 35 oder 40 Prozent führen. Die Erträge der Sparverträge sollen jedoch nur mit einem Pauschalsatz von 25 Prozent nebst Solidaritätszuschlag besteuert werden, so dass auf den ersten Blick interessante Differenzen winken. Wer jedoch mit spitzem Bleistift nachrechnet, wird bald merken, dass sich die Vorteile in Grenzen halten.
Zweite Alternative: fondsgebundene Kapitalversicherungen
Die erste Alternative zum traditionellen Annuitätendarlehen sind Festdarlehen und Banksparpläne. Die Hypothek wird wieder zum Kurs von 100 Prozent aufgenommen, und der jährliche Nominalzins von 5,25 Prozent gilt für die gesamte Laufzeit. Das ergibt 180 monatliche Zinsraten von jeweils 875 Euro. Hinzu kommen die Sparraten des Banksparplans. Internetbanken bieten zum Beispiel bei Laufzeiten von 15 Jahren derzeit Festzinsen von 4,1 Prozent. Davon bleiben nach Abzug der Abgeltungsteuer etwa 3 Prozent im Jahr übrig. Bei diesem Satz müssen jeden Monat rund 883 Euro gespart werden, um nach 15 Jahren auf einen Endwert von 200.000 Euro zu kommen.
Die Verknüpfung des Kredites und des Sparplans führt zu einem Zahlungsstrom, der vor Steuern aus 180 Monatsraten von jeweils 1758 Euro besteht. Werden die Steuervorteile in die Zahlungsreihe eingebunden, sinken die Ausgaben auf ungefähr 1370 Euro im Monat. Der effektive Jahreszins dieser Raten beträgt 2,98 Prozent. Das sind zwei Basispunkte weniger als bei dem Annuitätendarlehen. In Euro und Cent verheißen die beiden Basispunkte einen Barwertvorteil von 242 Euro, so dass sich die Begeisterung der Massen in Grenzen halten dürfte.
Die zweite Alternative können die fondsgebundenen Kapitalversicherungen sein, doch auch diese Lösung will gut überlegt sein. Erstens ist die Verzinsung unsicher, und zweitens drücken die versteckten Gebühren die Rendite gewaltig in den Keller. Das wird aber erst beim Blick hinter die Kulissen deutlich. Wenn die Schulden von 200.000 Euro zu gleichen Teilen durch Anleihen und Aktien getilgt werden sollen, sind aus jedem Topf genau 100.000 Euro notwendig. Das führt letzten Endes zu zwei Sparverträgen, weil die Zinssätze verschieden sind.
Der Schwund des Kapitals beginnt mit den Provisionen
Bei den Anleihen kann zum Beispiel mit einem Wert von 4 Prozent gerechnet werden, so dass 180 Sparraten von jeweils 409 Euro notwendig sind, um nach 15 Jahren auf einen Endwert von 100.000 Euro zu kommen. Bei den Aktien werden die Sparraten niedriger sein, weil mit höheren Erträgen gerechnet wird. Sollten sich die Aktien in den kommenden 15 Jahren mit jeweils 8 Prozent rentieren, werden 180 Raten von jeweils 296 Euro benötigt, um am Ende der Sparphase auf die notwendigen 100.000 Euro zu kommen.
Mit den beiden Sparraten, insgesamt 705 Euro, ist die Geschichte freilich noch nicht zu Ende. Erstens fallen während der Sparzeit monatliche Gebühren an, und zweitens wird der Fiskus in 15 Jahren seine Hand aufhalten. Der Schwund des Kapitals beginnt mit den Provisionen. Sie sind die dunkle Seite vieler Fondspolicen, weil die Gebühren in der Regel nirgendwo ausgewiesen werden. Bei den Investmentfonds steht im Kleingedruckten, wie hoch die Ausgabeaufschläge sind, doch bei den meisten Versicherungen bleiben diese Kosten im Dunkeln. Wer sich aber ein bisschen auskennt, weiß längst, dass die Provision je Rate mindestens 5 Prozent beträgt. Das heißt im Klartext, dass die effektiven Sparraten um mindestens 35 Euro auf schätzungsweise 740 Euro steigen.
Die Bedeutung der Abgeltungsteuer wird in der Regel überschätzt
Bei der Fälligkeit der Police droht weiteres Unheil. Die Differenz zwischen den Einzahlungen und dem Rückfluss muss zur Hälfte versteuert werden. Im vorliegenden Fall werden 180 Raten von jeweils 740 Euro in den Spartopf fließen, und am Ende sollen 200.000 Euro zurückkommen. Das ergibt Zinsen von 66.8000 Euro. Sie unterliegen nicht der Abgeltungsteuer, sondern müssen zur Hälfte der persönlichen Besteuerung unterworfen werden. Dadurch müssen im Schlussjahr ungefähr 12.000 Euro an die Staatskasse abgeführt werden.
Durch die Gebühren und Abgaben sinkt die Rendite des Sparvertrages auf 4,19 Prozent im Jahr. Im selben Zeitraum kostet der Kredit aber 3 Prozent, so dass sich die Zinsdifferenz in Grenzen hält. Die gesamten Kosten belaufen sich auf 2,24 Prozent nach Steuern, so dass im Vergleich zu der direkten Tilgung durchaus Vorteile winken. Umgekehrt besteht aber das Risiko, dass der Vorsprung von 11.000 Euro schmilzt, wenn die Renditen der Geldanlagen oder die Höhe der Steuerbelastung sinken. Das zeigt in aller Deutlichkeit, dass die Rückzahlung von Schulden mit Hilfe von Geldanlagen auch in Zukunft durchwachsen bleibt. Die Bedeutung der Abgeltungsteuer wird in der Regel überschätzt, und bei der Flucht in Fondspolicen werden viele Anleger vom Regen in die Traufe kommen, weil die meisten Verträge undurchsichtige Geschäfte sind.
Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F. A.Z.-Kai
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