Vermögensfragen

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Die Vermögensfrage

Die meisten Dachfonds sind ein miserables Geschäft

Von Volker Looman

06. April 2008 Die Kenntnisse der Deutschen über die künftige Abgeltungsteuer sind dürftig. Etwa 60 Prozent der Anleger wissen, wie Umfragen verschiedener Meinungsforscher ergeben haben, überhaupt nicht, was im Jahr 2009 auf sie zukommen wird, und 40 Prozent haben von der neuen Steuer zumindest schon einmal etwas gehört. Lediglich 4 Prozent der Befragten fühlen sich über die Abgaben gut informiert, die vom nächsten Jahr an bei Anleihen und Aktien zu bezahlen sind.

Das karge Wissen bietet Verkäufern aller Art ideale Voraussetzungen, um in den nächsten Monaten fragwürdigen Dachfonds an die Frau beziehungsweise den Mann zu bringen. Die Produkte gelten als Wunderwaffen im Kampf gegen die Abgeltungsteuer. Doch in erster Linie füllen sie die Taschen der Vermittler und Verwalter. Bisher haben sich die Vertreter mit ihren Offerten zurückgehalten, doch jetzt kommt die Maschinerie allmählich auf Touren. Und von Sommer an ist damit zu rechnen, dass die Anbieter zum Angriff blasen werden. So verlockend die Offerten zum Teil sein mögen, so klar ist bereits heute das Urteil, das nüchterne Fachleute über die Dachfonds gefällt haben: Die Idee ist gut, doch der Kauf der Produkte ist für die Anleger in der Regel ein miserables Geschäft.

Regel gilt für Einzeltitel und für Investmentfonds

Dachfonds sind alte Hüte und haben lange Zeit ein kümmerliches Dasein in den Regalen der Investmentgesellschaften gefristet. Auslöser für die neuen Anstrengungen, die Ladenhüter unters Volk zu bringen, ist die Entscheidung der Bundesregierung, auf Kursgewinne von Aktien, die von 2009 an gekauft werden, eine pauschale Abgabe von 25 Prozent nebst Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer zu erheben. Bislang sind diese Gewinne steuerfrei, und die Zuwächse sollen auch in Zukunft steuerfrei bleiben, wenn die Papiere, die am 31. Dezember 2008 im Depot eines Investors liegen, in Zukunft nicht umgeschichtet werden. Falls am Ende dieses Jahres 50.000 Euro in Aktien investiert sind, können diese Papiere in fünf oder zehn Jahren steuerfrei verkauft werden, selbst wenn die Kurse bis dahin auf 80.000 oder 90.000 Euro gestiegen sein sollten.

Umgekehrt sind die Kursgewinne steuerpflichtig, wenn Aktien nach dem 1. Januar 2009 erworben werden. Wer also vorhandene Papiere zum Beispiel in zwei oder drei Jahren in andere Titel tauscht, weil dort höhere Chancen winken, muss die Kursgewinne der neuen Anlagen beim späteren Verkauf versteuern. Die Regel gilt sowohl für Einzeltitel als auch für Investmentfonds, nicht aber für Dachfonds, und das ist der Grund, warum Banken diese Produkte jetzt dermaßen über den Klee loben. Wer in diesem Jahr noch Geld in einen Dachfonds investiert, kann das Kapital auch in Zukunft nach Belieben umschichten. Die Kursgewinne bleiben steuerfrei. Trotz der Vorteile sind aber massive Zweifel angebracht, ob sich das Geschäft für die Anleger lohnen wird, weil in den Dachfonds hohe Kosten enthalten sind, die das Geschäft in der Regel vermasseln. Das wird am Beispiel weniger Zahlen deutlich.

Drei Annahmen

Die einfachste und preiswerteste Art, einen Teil des Vermögens in Aktien zu stecken, ist und bleibt der Kauf von Indexfonds. Wer zum Beispiel einen Betrag von 100.000 Euro zur Hälfte in Europa und zu jeweils einem Viertel in Amerika und in Asien anlegen will, erwirbt am besten drei Indexfonds. Der Kauf kostet, falls es hochkommt, ein halbes Prozent, und wenn die Papiere jährlich 8 Prozent abwerfen, kann sich der Anleger in 15 Jahren über einen Endwert von 230.000 Euro freuen.

Dahinter stecken drei Annahmen. Erstens: Der Investor ist ein unruhiger Zeitgenosse und schichtet von Zeit zu Zeit um. Zweitens: Die Dividenden und die Kursgewinne unterliegen in voller Höhe der Abgeltungsteuer, so dass vom Bruttoertrag lediglich 6 Prozent übrigbleiben Drittens: Die Verwaltung der Indexfonds kostet jährlich 0,25 Prozent. Das führt unter dem Strich zu einer Nettoverzinsung von 5,75 Prozent, und wenn das Startgeld von 99.500 Euro insgesamt 15 Jahre lang mit diesem Satz aufgezinst wird, werden am Ende der Veranstaltung rund 230.000 Euro herauskommen.

Die Indexfonds sind nach Meinung vieler Fachleute die besten Produkte, um Geld breit und kostengünstig zu streuen. Doch zahlreichen Privatleuten sind diese Anlagen einfach zu langweilig. Daher vertrauen sie ihre Euro lieber einem Vermögensverwalter an, der mit dem Geld wie ein Eichhörnchen von Baum zu Baum springt und durch reges Handeln versucht, so viel wie möglich aus dem Kapital herauszuschlagen. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden, doch es steht völlig in den Sternen, ob die Rechnung aufgeht. Die meisten Verwalter sind, wie ein Blick in die Statistik zeigt, nicht besser als der Markt, so dass die Hoffnung des Anlegers, mit Hilfe von Aktien jährlich 8 Prozent zu verdienen, zunächst einmal auch für jeden Vermögensverwalter gilt.

Ein fragwürdiges Vorhaben

Von diesen 8 Prozent geht durch den ständigen Handel wiederum ein Viertel an die Staatskasse, so dass die Verzinsung auf 6 Prozent sinkt. Hinzu kommen die Gebühren des Verwalters. Sie liegen in der Regel bei einem Prozent im Jahr, so dass der Anleger mit 5 Prozent zufrieden sein muss. Wenn der Einstieg in einzelne Aktien wie bei den Indexfonds ein halbes Prozent kostet, wird der Vermögensverwalter das Startkapital von 99.500 Euro im Laufe der 15 Jahre auf 207.000 Euro steigern.

Das ist im Vergleich zu den Indexfonds ein Minus von 23.000 Euro, so dass sich die Frage stellt, warum der Anleger diesen Weg wählt. Die Antwort wird in 90 Prozent aller Fälle lauten, dass beim Verwalter die Hoffnung bestehe, besser als der Markt zu sein, doch diese Aussicht ist trügerisch. Wer in effiziente Märkte investiert, wer das Geld in Amerika oder in Euro anlegt, hat durch die heutige Informationstechnik keinen Wissensvorsprung mehr, so dass die Wahrscheinlichkeit äußerst gering ist, die Börsenindizes zu schlagen.

Die nüchterne Erkenntnis gilt für jeden Anleger und für jeden Vermögensverwalter, und vor diesem Hintergrund ist die Geldanlage in Dachfonds ein fragwürdiges Vorhaben. Hier wird das Geld letzten Endes auch in Aktien gesteckt. Doch der Anleger beauftragt mehrere Verwalter mit der Vermehrung seines Geldes. Das sind auf der einen Seite die Manager des Zielfonds, und das sind auf der anderen Seite die Verwalter des Dachfonds. Die einen sind Feldwebel, die für bestimmte Märkte zuständig sind, und die anderen sind Offiziere, die nach dem Appell festlegen, mit welchen Kräften sie in die Schlacht ziehen.

Die beste Anlage: Ein breites Portfolio mit niedrigen Jahresgebühren

Das sieht auf den ersten Blick toll aus, doch bei genauem Hinsehen wird schnell deutlich, dass die Maschinerie viel Geld verschlingt. Der Eintritt in den Dachfonds kostet im Schnitt rund 2,5 Prozent. Dann wollen die Feldwebel und die Offiziere für ihre Arbeit jedes Jahr mit jeweils 1,5 Prozent entlohnt werden, so dass die jährliche Verzinsung von 8 auf 5 Prozent sinkt. Von diesem Ergebnis sind für die Abgeltungsteuer auf die Dividenden und Zinsen weitere 50 Basispunkte abzuziehen, so dass dem Anleger nur 4,5 Prozent bleiben. Bei dieser Verzinsung kommen nach 15 Jahren nur 189.000 Euro heraus, so dass in aller Deutlichkeit klar wird, dass die Dachfonds heikle Anlagen sind.

Die Anbieter sehen ihre Produkte, das liegt in der Natur der Sache, natürlich in einem anderen Licht. Sie vertreten die Ansicht, das Geld besonders breit zu streuen und auf Dauer besser als die Märkte zu sein, und sie verweisen auf die Steuerfreiheit der künftigen Kursgewinne. Die Hinweise mögen in Ausnahmefällen zutreffen, doch sie ändern nichts an der Tatsache, dass die meisten Märkte auf Dauer kaum zu schlagen und die Verwaltungskosten in der Regel höher als die Steuervorteile sind. Vor diesem Hintergrund sollten die Liebhaber von Aktien auch in diesem Jahr kühlen Kopf bewahren.

Die beste Anlage bleibt ein breites Portfolio mit niedrigen Jahresgebühren, und Dachfonds lohnen sich nur, wenn die Verwalter erstens zu moderaten Preisen und zweitens mit Indexfonds arbeiten. Falls der Offizier für die jährliche Verwaltung lediglich 0,75 Prozent verlangt und die Feldwebel für 0,25 Prozent arbeiten, wird der Dachfonds mit einem Prozent je Jahr belastet. Dadurch kann das Vermögen trotz gelegentlicher Umschichtungen im Laufe der 15 Jahre auf 251.000 Euro steigen. Das ist der höchste Endwert, doch für die meisten Anleger werden solche Erwartungen ein Traum bleiben, weil die Dachfonds auf der Grundlage börsengehandelter Indexfonds in Deutschland leider Mangelware sind.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.-Kai

IndexPunkteProzent
Europa
Dax 6.370,38 -17,50
STOXX 50 3.318,53 -24,43
FTSE 100 5.320,90 -17,49
CAC 40 4.328,49 -26,40
Welt
DowJones 11.349,28 -17,26
Nasdaq 2.280,11 -13,55
Nikkei 225 13.334,76 -24,43
Hang Seng 22.740,71 -1,64
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DAXSECTOR CHEMICALS -1,39
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