Von Volker Looman
21. März 2008 Die aktuelle Krise auf den Finanzmärkten sorgt bei vielen Privatanlegern für große Aufregung. Sie ziehen ihr Geld aus Aktien und Fonds ab, weil sie Angst haben, dass in naher Zukunft weitere Banken ins Trudeln geraten werden. Die Sorge mag in Einzelfällen berechtigt sein, doch die Gefahr, das Kind mit dem Bad auszuschütten, ist weit größer. Wer sein Vermögen breit angelegt hat, muss sich über den Kollaps einzelner Unternehmen keine Gedanken machen, weil Aufstieg und Fall von Unternehmen zum Alltag der Wirtschaft gehören.
Das gilt zum Beispiel auch für grüne Unternehmen, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Biogasanlagen, Solarfelder und Windkraftwerke mögen in den Augen einzelner Romantiker ethische Anlagen sein, doch bei nüchterner Betrachtung der Dinge wird schnell deutlich, dass auch in dieser Branche letztlich nur der Profit zählt. Wie hoch die Renditen der Geschäfte sind, vor allem die Verzinsung von Beteiligungen, bleibt in vielen Fällen ein Geheimnis, weil die Initiatoren von ihren Kollegen der alten Märkte abgeschrieben haben.
Sie werfen Zahlen unters Volk, die mit Renditen wenig zu tun haben, und die Gefahr ist groß, dass einzelne Privatanleger auf der Suche nach umweltverträglichen Anlagen auf finanzielle Abwege geraten. Die Risiken grüner Beteiligungen von der Stange werden in folgendem Beispiel deutlich.
Die Zahlen geraten ins Wanken
Ein badischer Initiator bietet Privatleuten die Möglichkeit, sich an 13 Biogasanlagen zu beteiligen, die über ganz Deutschland verstreut sind. Sie sind in seinen Augen absolute Favoriten, weil sie mit Gesamtauszahlungen von 300 Prozent - und damit in der Regel um 20 Prozent über Windkraftwerken und um 60 Prozent über Photovoltaikanlagen - die profitabelste Möglichkeit böten, mit erneuerbaren Energien ordentlich Geld zu verdienen. Die Werte sehen auf den ersten Blick interessant aus, doch bei genauem Hinsehen geraten die Zahlen gewaltig ins Wanken und stellen sich viele Fragen.
Die reinen Anlagen kosten etwa 7,5 Millionen Euro. Hinzu kommen die üblichen Gebühren der Beteiligungswirtschaft. Im vorliegenden Fall heißen sie Ausgleich, Bank, Finanzierung, Infrastruktur, Marketing, Projektentwicklung, Unvorhergesehenes, Vermittlung und Vertrieb. Sie summieren sich auf stolze 2,7 Millionen Euro, so dass ein Viertel des Gesamtaufwandes weiche Kosten sind.
Das Vorhaben wird zu 30 Prozent mit Eigenkapital bezahlt. Die offenen 70 Prozent werden über einen Kredit dargestellt, der etwa 5 Prozent kostet und nach einem tilgungsfreien Jahr innerhalb von 13 Jahren in gleichen Raten getilgt werden soll.
Die Ursache der Merkwürdigkeiten
Die Biogasanlagen werden, wenn alles klappt, insgesamt 21 Jahre lang Strom und Erträge liefern. Die jährlichen Ausschüttungen beginnen bei 6 Prozent, weil am Anfang das Darlehen zu tilgen ist, und klettern am Ende der Laufzeit - nach der Rückzahlung des Kredites - bis auf 45 Prozent des Eigenkapitals. Insgesamt sollen dem Anleger nach Angaben des Initiators rund 300 Prozent der Einlage zufließen. Die einzelnen Zahlen, vor allem die 300 Prozent, dürften manchen Privatmann unter Strom setzen. Wer die Rückflüsse durch die Laufzeit teilt, kommt auf einen Mittelwert von 14 Prozent pro Jahr, doch wer die Zahl ins Verhältnis zur Einlage von 100.000 Euro setzt, sollte einen kräftigen Schlag verspüren, weil die jährliche Verzinsung niemals 14 Prozent beträgt. Völlig unter die Räder wird kommen, wer von den 300 Prozent die Einlage abzieht, den Rest durch die Laufzeit teilt und die Meinung vertritt, dass die Verzinsung jährlich 9,5 Prozent im Jahr betrage.
Die echte Rendite vor Steuern beträgt, um die Verwirrung auf die Spitze zu treiben, zwischen 7 und 8 Prozent im Jahr, und die Ursache der Merkwürdigkeiten liegt in der Frage, wie hoch der Anteil der Schulden ist. Die 7 Prozent gelten bei Barzahlung, und die 8 Prozent sind die Rendite, wenn die Anlage - wie im Prospekt vorgeschlagen - zu 70 Prozent mit Kredit bezahlt wird. Bei nüchterner Betrachtung der Dinge haben Kredite bei der Beurteilung, wie vorteilhaft Geldanlagen sind, aber nichts zu suchen. Das sind alte Kamellen, wie der Rheinländer sagt, doch sie gelten auch für grüne Investoren.
An diesem Ergebnis führt kein Weg vorbei
Im vorliegenden Fall geht es um eine Anlage, die effektiv 10,2 Millionen Euro kostet. Dafür winken den Investoren über 21 Jahre hinweg Reinerträge von 927.000 Euro im Jahr, weil der Strom nach dem Gesetz über erneuerbare Energien erstens so lange und zweitens so hoch absetzbar sein soll. Was danach kommt, steht in den Sternen. Die Geschichte muss nicht zu Ende sein, doch sie kann zu Ende sein, so dass kühle Kaufleute unterstellen, dass weitere Zahlungen ausbleiben und die Anlage nichts mehr wert sein wird.
Die Gegenüberstellung der eingesetzten 10,2 Millionen Euro und der 21 jährlichen Rückflüsse von 927.000 Euro führen zu einer Verzinsung von 7 Prozent vor Steuern. Das ist die Basisverzinsung der Anlage, und an diesem Ergebnis führt kein Weg vorbei. Es ist egal, ob ein Großanleger die Anlagen alleine stemmt und ob sich an der Investition, wie vom Initiator angeboten, auch Anleger mit Beträgen von 10.000 Euro an beteiligen. Die Verzinsung vor Steuern wird in allen Fällen jährlich 7 Prozent betragen, und dieser Wert ist die Grundlage für den Vergleich mit anderen Geldanlagen.
Gas bleibt Gas, und Strom bleibt Strom
Kredite können das Ergebnis verbessern, doch sie dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass dadurch die Anlage besser werden würde. Gas bleibt Gas, und Strom bleibt Strom. Wer um jeden Preis den Kredit in die Rendite einbinden möchte, muss beim Vergleich mit anderen Geldanlagen darauf achten, dass dort mit denselben Verbindlichkeiten gearbeitet wird. Sonst werden Äpfel und Birnen miteinander verglichen.
Unter Berücksichtigung der Abgaben an das Finanzamt verschieben sich die Ergebnisse. Die Einnahmen aus dem Verkauf des Stroms sind Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Sie können mit der Abschreibung der Anlagen und den Schuldzinsen der Kredite verrechnet werden, so dass der steuerliche Überschuss sinkt. Folglich hängt die Höhe der Verzinsung sowohl von der Höhe der Beteiligung als auch von der Höhe des Einkommens ab. Wer beispielsweise 100.000 Euro anlegt und 50.000 Euro versteuert, muss mit 5,8 Prozent Rendite im Jahr zufrieden sein, und wer sich mit 10.000 Euro beteiligt und 20.000 Euro versteuert, darf sich über eine jährliche Rendite von 6,8 Prozent freuen.
Nichts für junge Sparer
Genauso wichtig wie das Urteil über die Verzinsung ist die Frage, für wen sich diese Geldanlagen überhaupt eignen. Der nackte Zahlungsstrom zeigt in aller Deutlichkeit, dass die Anlage eine Entnahme mit steigenden Renten ist. Der Privatmann legt eine bestimmte Summe auf den Tisch. Er bekommt 21 Jahre gewisse Beträge zurück. Die anfänglichen Rückzahlungen sind niedrig, so dass 14 Jahre verstreichen, bis der Nominalbetrag getilgt worden sein wird. Erst danach winken die Früchte. Das heißt im Klartext, dass die Anlagen im wahrsten Sinne des Wortes eine Investition in die Zukunft sind. Weniger freundlich ausgedrückt, bedeutet das, dass zuerst der Initiator verdient, dann die Bank und am Ende schließlich erst der Anleger.
In 21 Jahren wird die Geschichte für alle Parteien zu Ende gehen. Folglich eignen sich die Biogasanlagen vorzugsweise für mittlere Semester um die 50, die in ihrer Jugend die Umwelt verpestet haben, für die kommenden 14 Jahren ökologische Besserung gelobt haben und im Ruhestand die Welt verbessern wollen. Ungeeignet ist die Anlage für junge Anleger, welche Verzinsung im konkreten Einzelfall auch gelten mag. Sie brauchen Sparverträge, weil sie fürs Alter vorsorgen müssen und am Ende der Sparzeit verrentbares Kapital benötigen.
Das wird bei diesen Biogasanlagen aber nicht mehr zur Verfügung stehen. Daher sind Anlagen mit solchen Zahlungsstrukturen nichts für junge Sparer. Sie sind mit Investmentfonds, die das Geld ihrer Kunden in Umweltprojekte anlegen, besser bedient. Erstens sind auf diese Weise sowohl Spar- und Rentenpläne darstellbar, und zweitens dürften in diesen Fonds ähnliche Verzinsungen erzielbar sein, wenn die Unternehmen, das ist die Voraussetzung, auch in 30 oder 40 Jahren noch auf dem Markt sein werden.
Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.
Text: F.A.Z., 22.03.2008, Nr. 69 / Seite 22
Bildmaterial: F.A.Z.-Kai
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