Vermögensfragen

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Die Vermögensfrage

Flugzeuge bieten keinen Anlass zur Freude

Von Volker Looman

27. Januar 2008 Die Berg-und-Tal-Fahrt der Aktienkurse beschert zahlreichen Privatleuten schlaflose Nächte. Im vergangenen Jahr ist der deutsche Aktienindex zwar um gut 20 Prozent gestiegen, doch in den vergangenen Tagen hat sich der hübsche Zuwachs mehr oder weniger wieder in Luft aufgelöst. Die heftigen Gewitter haben das Vertrauen in die Aktienmärkte dermaßen erschüttert, dass viele Privatleute von der Börse nicht mehr viel wissen wollen. Momentan sind „ruhige“ Anlagen gefragt, doch die Suche nach Investitionen, die auf lange Sicht eine jährliche Rendite von 6 bis 8 Prozent abwerfen, gleicht der Suche nach Stecknadeln im Heuhaufen.

Die festverzinslichen Anleihen bringen im Augenblick etwa 4 bis 4,5 Prozent je Jahr, und mit Immobilien sind, wenn die Geschäfte gut laufen, jährlich 5 bis 6 Prozent zu verdienen. Vor diesem Hintergrund rücken Beteiligungen an Flugzeugen, Schiffen, Solaranlagen und Windkraftwerken wieder stärker in den Vordergrund. Hier winken Renditen von 7 bis 8 Prozent im Jahr, doch die verlockenden Werte sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch Beteiligungen ihre Risiken enthalten. Hinzu kommt die Tatsache, dass Mobilien andere Zahlungsströme auslösen und ein Vergleich mit Aktien nicht einfach ist, wie in folgendem Beispiel deutlich wird.

Muss das eingesetzte Geld jeden Tag verfügbar sein?

Ein Anleger ist 45 Jahre alt und möchte 100.000 Euro langfristig, rentabel und sicher anlegen. Das Geld soll 15 bis 20 Jahre investiert werden. Es sollte nach Steuern eine Rendite von 4 bis 5 Prozent im Jahr abwerfen, und der Einsatz sollte sich nicht in Luft auflösen. Die drei Forderungen scheinen auf den ersten Blick banale Wünsche zu sein, doch bei genauem Hinsehen stellen sich viele Fragen. Was bedeutet zum Beispiel das Verlangen, dass sich das Kapital nicht in Luft auflösen soll? Muss auf dem Konto jeden Tag das eingesetzte Geld verfügbar sein? Oder sind während der Laufzeit der Anlage auch Schwankungen erlaubt? Konkret geht es um die Überlegung, ob Mobilien bei der Forderung nach Kapitalerhalt die richtige Anlageform sind, weil Flugzeuge, Schiffe und Windkraftwerke im Laufe der Zeit natürlichem Verschleiß unterliegen.

Das Verlangen nach einer jährlichen Rendite von 4 bis 5 Prozent führt schnell zu der Frage, in welchem Zeitraum die Verzinsung gewünscht wird. Wird das Ergebnis zum Beispiel fest und jedes Jahr erwartet? Oder sind auch wechselnde Resultate erlaubt, in einem Jahr möglicherweise 2 Prozent, in einem anderem Jahr vielleicht 7 Prozent? Oder sind die 4 bis 5 Prozent die Vorgabe, dass das Kapital während der Gesamtlaufzeit um 4 bis 5 Prozent je Jahr wachsen soll? Was passiert mit den Erträgen und Zuwächsen? Müssen sie von Zeit zu Zeit ausgeschüttet werden, weil der Anleger immer wieder Geld benötigt, oder müssen die Ausschüttungen wieder angelegt werden, weil das Kapital gar nicht gebraucht wird?

Beteiligungen sind mit gewisser Vorsicht zu genießen

Die meisten Anleger haben für die Fragen durchaus Verständnis, doch bei den Antworten schleichen sie vielfach wie die Katze um den heißen Brei. Das Geld soll eben langfristig, rentabel und sicher angelegt werden. Das läuft bei Menschen, die im Berufsleben stehen und Geld verdienen, in der Regel auf die Maximierung des Endwertes hinaus. Die eingesetzten 100.000 Euro sollen im Verlauf der 15 bis 20 Jahre auf 200.000 bis 250.000 Euro anwachsen.

Bei den Anlegern, die nicht mehr im Beruf stehen und die laufenden Erträge brauchen, steht der Wunsch im Mittelpunkt, jedes Jahr zwischen 4 und 5 Prozent zu bekommen. Hier muss außerdem die Frage geklärt werden, ob das Kapital erhalten oder verzehrt wird. Im vorliegenden Fall will der 45 Jahre alte Anleger in den nächsten 15 bis 20 Jahren so viel wie möglich aus dem Startkapital herausholen. Das heißt im Klartext, dass laufende Erträge und gelegentliche Kursschwankungen keine Rolle spielen. Es zählt allein die Tatsache, was vorne hineingesteckt wird und hinten herauskommt.

In solchen Lebenslagen sind Beteiligungen mit gewisser Vorsicht zu genießen. Das liegt in erster Linie am Zahlungsstrom der Beteiligung. Im Augenblick wird zum Beispiel ein Flugzeugfonds angeboten, der eine Laufzeit von 17 Jahren hat. Der Initiator will in den nächsten Wochen rund 40 Millionen Dollar einsammeln. Der Betrag soll mit Hilfe eines Kredits auf 81 Millionen Dollar aufgestockt werden. Mit dem Geld sollen zwei Flugzeuge gekauft und 17 Jahre lang an eine amerikanische Luftfahrtgesellschaft vermietet werden. Danach sollen die beiden Maschinen zu einem Satz von 43 Prozent des Anschaffungspreises wieder verkauft werden.

Ein Traum, im wahrsten Sinne des Wortes

Für einen Privatanleger, der sich mit 100.000 Euro an diesem Geschäft beteiligen will, geht die Geschichte mit 105.000 Euro los, weil ein Agio von 5 Prozent erhoben wird. Anschließend fließen dem Investor zwölf Jahre lang Erträge von jeweils 8000 Euro zu. Danach wird mit Erträgen von einmal 11.000 Euro, einmal 12.000 Euro, einmal 15.000 Euro und zweimal 17.000 Euro gerechnet. Am Ende sollen dem Anleger durch den Verkauf noch 86 000 Euro zufließen, so dass der Zahlungsstrom in den Grundzügen an eine Anleihe erinnert. Zunächst muss etwas mehr als 100.000 Euro angelegt werden, unterwegs fließen im Durchschnitt jährlich 10.000 Euro zurück, und am Ende kommt ein bisschen weniger als der Einsatz zurück.

Die jährliche Verzinsung dieser Zahlungsreihe beträgt 8,15 Prozent. Die Erträge bleiben zum Großteil steuerfrei, weil die Abschreibungen und Schuldzinsen die Erträge neutralisieren. Genauso muss der Verkaufserlös nicht versteuert werden, weil der Handel kein Gewerbebetrieb ist, sondern nach Paragraph 22 des Einkommensteuergesetzes zu den sonstigen Einkünften zählt. Dadurch fallen kaum Abgaben an, so dass die Verzinsung nach Steuern bei einem Jahreseinkommen von 75.000 Euro und Grundtabelle noch 7,35 Prozent beträgt.

Das ist für den Anleger im wahrsten Sinne des Wortes ein Traum. Das Ergebnis ist verlockend, doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Das Ergebnis wird auf 5,5 bis 6 Prozent sinken, weil der Anleger die Erträge nicht braucht. Das heißt im Klartext, dass er die Rückflüsse irgendwie und irgendwo wieder anlegen muss. Die einzelnen Beträge sind klein, so dass große Geschäfte nicht möglich sind und das Geld mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Investmentfonds landen wird. Wenn in diesem Topf jährlich 3 Prozent erwirtschaftet werden, kommen am Schluss etwa 264.000 Euro zusammen, so dass sich die anfänglichen 105.000 Euro im Verlauf der 17 Jahre mit jährlich 5,6 Prozent rentiert haben. Bei einer Wiederanlage zu 5 Prozent kommen unter dem Strich etwa 6,4 Prozent heraus.

Der Blick auf die effektive Anlage sollte zum Nachdenken anregen

Die tatsächliche Rendite von 6 Prozent ist ein solides Ergebnis, wenn die Prognose stimmt. Trotzdem besteht zum Jubel kein Anlass, weil ähnliche Ergebnisse - allen Unkenrufen zum Trotz - im Laufe von 17 Jahren mit börsengehandelter Aktienindexfonds auch erzielbar sind. Hier muss sich der Anleger nicht einmal um die Wiederanlage der Dividenden kümmern. Sie können in jedem Fonds wieder angelegt werden, so dass der Anleger bei dieser Geldanlage nur gute Nerven braucht. Er steckt 104.900 Euro in einen Indexfonds und kauft sich für 100 Euro ausreichend Baldrian, um 17 Jahre lang nicht an dem Depot zu rütteln. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden im Depot nach 17 Jahren zwischen 250.000 und 300.000 Euro liegen, so dass sich der Anleger über eine Rendite von 6 bis 6,5 Prozent freuen kann.

Die ähnlichen Ergebnisse werfen letzten Endes die Frage auf, wo die Verzinsung mit höherer Wahrscheinlichkeit erreicht wird. Sie kann von keinem Menschen dieser Welt beantwortet werden, doch der Blick auf die effektive Anlage sollte zum Nachdenken anregen. Bei der Beteiligung fließt das Kapital in eine Gesellschaft und zwei Flugzeuge. In einem Indexfonds wie dem Euro-Stoxx wird das Geld in 50 Unternehmen investiert. Das Risiko der Beteiligung ist höher, so dass die interne Rendite von 7,35 Prozent und die reale Verzinsung von 6 Prozent bei nüchterner Betrachtung eher mäßig sind.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.



Text: F.A.Z., 26.01.2008, Nr. 22 / Seite 24
Bildmaterial: F.A.Z.-Kai

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