Von Volker Looman
10. Februar 2008 Der Markt der Beteiligungen besteht seit vielen Jahren aus zwei großen Blöcken. Das sind einerseits die Immobilien und andererseits die Mobilien. Bei den beweglichen Wirtschaftsgütern sind Schiffe der einsame Spitzenreiter. Sie erfreuen sich in erster Linie bei vermögenden Anlegern größter Beliebtheit, weil die Erträge weitgehend steuerfrei bleiben. Daneben haben sich in jüngster Zeit grüne Anlagen etabliert. Biogas, Solaranlagen und Windkraftwerke werfen in der Regel nicht so hohe Erträge ab wie Schiffe, doch das Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun, ist vielen Privatleuten manchen Minderertrag wert.
Trotzdem gilt auch bei den ökologischen Investitionen die Devise, dass sich die Anlagen zu rechnen haben. Wie hoch die Renditen dieser Geschäfte sind, bleibt in vielen Fällen aber im Dunkeln, weil die Initiatoren dieselben Fehler machen wie ihre Kollegen von der etablierten Zunft. Sie werfen Zahlen in die Runde, die mit Renditen wenig zu tun haben, so dass die Gefahr besteht, dass mancher Investor auf der Suche nach umweltverträglichen Anlagen auf finanzielle Abwege gerät. Die Chancen und Risiken werden in folgendem Beispiel deutlich.
Ein Geheimnis des Anbieters
Ein bayerischer Initiator bietet auf dem Dach eines Gewerbegebäudes, das in der Nähe von München steht, eine Photovoltaikanlage an. Dahinter verbirgt sich ein Kraftwerk, das Sonnenenergie in Strom umwandelt. Warum die kleine Anlage vollmundig als Bürgersolarprojekt offeriert wird, bleibt das Geheimnis des Anbieters, doch die Zahlen sehen auf den ersten Blick interessant aus. Die Anlage kostet 328.000 Euro. Hinzu kommen Fondsgebühren von 9000 Euro und einmalige Pachtzahlungen von 31.000 Euro. Das führt zu einem Gesamtaufwand von 368.000 Euro.
Die Investition wird zu 28 Prozent mit Eigenkapital bezahlt. Die offenen 72 Prozent werden über einen Kredit dargestellt, der 5,1 Prozent kosten und innerhalb von 15 Jahren in gleichen Jahresraten getilgt werden soll. Die Solaranlage wird mindestens 20 Jahre lang Strom zu festen Preisen liefern. Die jährlichen Ausschüttungen beginnen bei 2 Prozent, weil am Anfang das Darlehen zu tilgen ist, und klettern am Ende der Laufzeit - nach der Rückzahlung des Kredites - bis auf 32 Prozent des Eigenkapitals. Insgesamt sollen dem Anleger oder den Investoren nach Angaben des Initiators rund 246 Prozent der Einlage zufließen.
Wo liegt die Ursache des Durcheinanders?
Die vielen Zahlen, vor allem die 246 Prozent, werden manchen Anleger blenden. Wer die Rückflüsse durch die Laufzeit teilt, kommt auf einen Mittelwert von 12,3 Prozent je Jahr. Und wer diese Zahl ins Verhältnis zu der Einlage von 104 000 Euro setzt, wird in hohem Bogen aus der Kurve fliegen, weil die jährliche Rendite niemals 11,83 Prozent beträgt.
Unter die Räder kommt, wer von 246 Prozent die Einlage abzieht, den Rest durch die Laufzeit teilt und die Meinung vertritt, die Verzinsung betrage 6,83 Prozent je Jahr. Die tatsächliche Rendite vor Steuern beträgt, um die Verwirrung auf die Spitze zu treiben, 6,35 oder 7,76 Prozent pro Jahr, und die Ursache des Durcheinanders liegt in der Frage, wie hoch der Anteil der Schulden ist. Die 6,35 Prozent gelten bei Barzahlung, und die 7,76 Prozent sind die Rendite, wenn die Anlage zu 72 Prozent mit einem Kredit bezahlt wird.
Was folgt, steht in den Sternen
Bei kühler Betrachtung der Dinge haben Kredite bei der Beurteilung, wie vorteilhaft Geldanlagen sind, nichts zu suchen. Das ist ein alter Hut und gilt auch für die grünen Investitionen. Im vorliegenden Fall geht es um eine Anlage, die effektiv 368.000 Euro kostet. Dafür winken dem Anleger über zwei Jahrzehnte hinweg Erträge von 33.000 Euro je Jahr, da der Strom nach dem Gesetz über erneuerbare Energien erstens so lange und zweitens so hoch absetzbar ist. Was dann kommt, steht in den Sternen. Die Geschichte muss nicht zu Ende sein, doch sie kann es, so dass nüchterne Kaufleute unterstellen, dass weitere Zahlungen ausbleiben und die Anlage trotz des Hinweises, keinem Verschleiß zu unterliegen, doch nichts mehr wert sein wird.
Die Gegenüberstellung der eingesetzten 368.000 Euro und der 20 Rückflüsse von jeweils 33.000 Euro führen zu einer jährlichen Verzinsung von 6,35 Prozent vor Steuern. Das ist die Basisverzinsung der Anlage, und an diesem Ergebnis führt kein Weg vorbei. Es ist völlig egal, ob ein Anleger das Kraftwerk allein kauft oder ob sich an der Investition, wie vom Anbieter vorgeschlagen, auch Anleger mit Beträgen von 4000 Euro an beteiligen. Die Verzinsung vor Steuern wird in allen Fällen jährlich 6,35 Prozent vor Steuern betragen.
Und dieser Wert ist die Grundlage für den Vergleich mit anderen Geldanlagen. Kredite können das Ergebnis verbessern, doch sie dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass dadurch die Anlage besser werden würde. Sonne bleibt Sonne, und Strom bleibt Strom. Wer um jeden Preis den Kredit in die Rendite einbinden möchte, muss beim Vergleich mit anderen Geldanlagen darauf achten, dass dort mit denselben Verbindlichkeiten gearbeitet wird. Sonst werden Äpfel und Birnen miteinander verglichen.
Erfreuliche und enttäuschende Ergebnisse
Unter Berücksichtigung der Abgaben verschieben sich die Ergebnisse. Die Einnahmen aus dem Verkauf des Stroms sind Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Sie können mit der Abschreibung der Solaranlage verrechnet werden, so dass der steuerliche Überschuss sinkt. Vor diesem Hintergrund sind bei der Barzahlung je Jahr nicht 33.000 Euro, sondern nur 14.600 Euro steuerpflichtig. Folglich hängt die Höhe der Verzinsung von der Höhe der Beteiligung und von der Höhe des Einkommens ab. Wer die Anlage allein stemmt und 100.000 Euro versteuert, muss mit 3,77 Prozent im Jahr zufrieden sein, und wer sich mit 10.000 Euro beteiligt und 20.000 Euro versteuert, darf sich über eine jährliche Rendite von 4,71 Prozent freuen.
Die beiden Ergebnisse werden für die einen Anleger erfreulich und für die anderen Investoren enttäuschend sein. Viel wichtiger als das persönliche Gefühl ist jedoch die Frage, für wen sich diese Geldanlagen und Renditen eignen. Der bloße Zahlungsstrom zeigt in aller Deutlichkeit, dass die Anlage ein Entnahme- oder Rentenplan ist. Der Privatmann legt eine bestimmte Summe auf den Tisch. Er bekommt 20 Jahre lang gewisse Beträge zurück. Danach ist die Sache zu Ende. Folglich eignet sich das Solarkraftwerk, so hart es klingen mag, vorzugsweise für Senioren, die in der Jugend viel im Porsche durch die Lande gefahren sind, jetzt aber im Alter jährlich Geld brauchen und ihr schlechtes Gewissen auf dem Fahrrad und mit Ökostrom beruhigen wollen.
Garantie bei der privaten Rentenversicherung
Umgekehrt ist die Anlage ungeeignet für junge und mittelalte Anleger - welche individuelle Verzinsung im Einzelfall auch zutreffen mag. Die beiden Gruppen brauchen Sparverträge, weil sie fürs Alter vorsorgen müssen und am Ende der Sparzeit verrentbares Kapital benötigen. Das wird bei diesem Solarkraftwerk aber nicht zur Verfügung stehen. Daran wird auch die Aufnahme von Darlehen nichts ändern. Die Kredite verlangen von allen Anlegern gleich zu Beginn höhere Einlagen, und die jährlichen Ausschüttungen führen zu Einkünften, die unter allen Umständen bis zum Rentenbeginn wieder angelegt werden müssen, weil sonst im Alter kein Geld zur Verfügung steht.
Vor diesem Hintergrund ist die Solaranlage für Sparer nicht die richtige Anlage. Sie sind mit Investmentfonds, die das Geld ihrer Kunden in Umweltprojekten anlegen, besser bedient. Erstens sind auf diese Weise sowohl Spar- und Rentenpläne darstellbar, und zweitens dürften in den Fonds ähnliche Verzinsungen erzielbar sein. Das gilt auch für klassische Geldanlagen wie die private Rentenversicherung. Wer sparen will, kann dort Schein auf Schein anhäufen, und wer laufend Geld braucht, kann sein Kapital verrenten lassen. Bei der privaten Rentenversicherung gibt es sogar die Garantie, dass die Bezüge bis zum Lebensende bezahlt werden.
Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.
Text: F.A.Z., 09.02.2008, Nr. 34 / Seite 22
Bildmaterial: ddp
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